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Sieben Thesen zur Zukunft von gfs.bern

Heute wir die Schweizerische Gesellschaft für praktische Sozialforschung 50 Jahre alt. In Zürich findet die Jahrestagung deshalb in einem speziellen Rahmen statt. Hier erscheinen die sieben Thesen, die Claude Longchamp, Verwaltungsratspräsident und Institutsleiter, in einem grösseren Referat präsentieren wird.

gfs

1. gfs.bern hat sich im grossen Bereich der Sozialforschung langfristig zwei Kernbereiche erarbeitet: zunächst die Politik-, dann die Kommunikationsforschung. In beiden Bereichen strebt es heute wie in Zukunft an, national ganz vorne dabei zu sein, es – soweit nötig – zu werden und – wo vorhanden – zu bleiben. Wir wollen nicht nur guter Durchschnitt sein, wie das in der Schweiz üblich ist; wir wollen immer einen Schritt voraus sein.

2. gfs.bern hat methodisch eine Spezialität entwickelt. Es ist in der Lage, öffentliche Meinung als Prozess zu denken und zu untersuchen. Es kann nötige Datenquellen hierzu in einzigartiger Weise miteinander kombinieren. Wir sind das Institut, das Umfragen in der Bevölkerung und Inhaltsanalysen der Medien direkt miteinander verbinden kann. Wir haben das soweit routiniert, dass wir es regelmässig einsetzen können.

3. gfs.bern hat sich verschiedene Stärken erarbeiten, die es als Forschungsinstitut schon heute von anderen abheben: Dazu gehören die Kundennähe, die fachliche Spezialisierung, das Methoden-Know-how und die Kommunikationskompetenz. Das wollen wir auch inskünftig pflegen, denn sie garantieren, dass wir immer mehr qualitativ herausragende Arbeiten leisten können.

4. gfs.bern hat sich nach 16 Jahren intensiver Forschungsarbeit einen erheblichen Wissensfundus erarbeitet. Dieser soll vermehrt in die Praxis einfliessen. Wir werden auch inskünftig ein Forschungsinstitut sein und wollen kein Beratungsbüro werden, unser Wissen aber systematisieren, in die qualifizierte Lehre einbringen und alle sinnvollen Möglichkeiten der Kommunikation nutzen.

5. Die früher geltende Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten Kunden zur Unterscheidung unserer Zielgruppen macht mit den realen Entwicklungen in Staat und Wirtschaft kaum mehr Sinn. Unsere Kunden der Zukunft kommen deshalb aus beiden Polen und Übergangsbereichen, sofern sie ein politisches oder kommunikatives Problem haben, zu dem wir einen Lösungsbeitrag leisten können.

6. gfs.bern hat, wie der Name sagt, sein Aktivitätszentrum in Bern. Es will beitragen, aus Bern ein Politikzentrum zu entwickeln, das lokal, national und international anschlussfähig ist. Dabei wollen wir mit sinnvollen Partnern vermehrt kooperieren und auf dem Platz Bern ein wichtiger Arbeitgeber sein für SozialwissenschafterInnen, welche eine forscherische Praxis mitentwickeln wollen.

7. Um all diesen Anforderungen zu genügen, werden wir konstant moderat wachsen müssen und wollen. Wir werden keine grossen Sprünge machen mit Filialgründungen in aller Welt. Wir werden aber auch keinen selbstgenügsamen Stillstand anstreben. Wir freuen uns, wenn es mehr Konkurrenz gibt; wir scheuen sie mit unserem Fundus aus Erfahrung, Wissen und Willen zum Handeln nicht.

Minarett-Initiative: Das Nein der CVP-Basis bleibt unklar

Heute erscheint die erste SRG-Umfrage zu den Volksabstimmungen vom 29. November 2009. Das Verbot für die Kriegsmaterialausfuhr ist in der Ausgangslage in der Schwebe, während bei der Minarett-Initiative heute das Nein überwiegt.

Tagesschau vom 23.10.2009

Trotz der klareren Verhältnissen bei der Minarett-Initiative bot die Analyse dieses Themas mehr Schwierigkeiten. Denn das Muster bei der Kriegsmaterial-Initiative gleicht dem, was man bei Initiativen kennt, die im Links/Rechts-Spektrum polarisieren.

Bei der Minarett-Initiative drängt sich eine Analyse der Polarität von Tradition und Moderne auf. Dabei handelt es sich um die zweitwichtigste Konfliktlinie bei Schweizer Volksentscheidungen, und die Hauptfrage ist, wie weit die Unterstützung der Initiative über die SVP-Wählerschaft hinaus reicht. Denn bei dieser kann man annehmen, dass sie am Abstimmungstag gut mobilisiert ist und grossmehrheitlich dafür votieren will.

Die interessantes Zusatzpotenziale finden sich erfahrungsgemäss bei den Parteiungebundenen, bei der CVP- resp. der FDP-Wählerschaft. Letztere scheidet für die Initianten weitgehend aus. Sie will in ihrer Mehrheit gegen die Initiative stimmen, und sie liesst die getesteten Argumente entsprechend.

Weniger sicher ist das an der CVP-Basis und bei den parteipolitisch ungebunden Stimmenden. In ihren vorläufigen Stimmabsichten sind sie zwar mehrheitlich auf der Nein-Seite, wenn auch nur knapp. Doch deckt der Argumententest auch Gegenteiliges auf: Er zeigt, dass insbesondere die CVP-Basis und die ungebundenen die Botschaften der Ja-Seite ebenso befürworten wie die des Nein-Lagers.

Das spricht dafür, dass hier die Meinungen höchstens labil gemacht sind. Bei der CVP kann die Ablehnungstendenz am ehesten mit der Parteiloyalität, allenfalls auch mit der Kirchenbindung geklärt werden. Bei den Ungebundenen wird aber alles unsicher.

Denn anders als bei Grünen, SP und FDP ist die Ablehnung der Pro-Argumente an der CVP -Basis nicht sicher, und erklärt noch keines der Nein-Argumente, warum man die Initiative ablehnen will.

Im besseren Fall für die Abstimmung, haben wir die Auswahl der getesteten Botschaften zu wenig sorgfältig gemacht. Im besseren Fall für unser Analyse, hat die Nein-Seite genau dort, wo es darauf ankommt, noch keine wirksamen Botschaften platzieren können.

Gesamter Forschungsbericht
Berichterstattung auf sf.tv

SRG-Meinungsumfragen: Bundesgericht weist Beschwerde gegen SF ab

Das Bundesgericht hat eine Beschwerde gegen den Entscheid der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) in Sachen Meinungsumfragen abgewiesen, soweit es darauf eingetreten ist. Damit ist der entsprechende Entscheid der UBI rechtskräftig. Die schriftliche Urteilsbegründung steht noch aus.

Gegen die SF-Berichterstattung über das SRG-Wahlbarometer 07 im Vorfeld der eidgenössischen Wahlen und über die SRG-Umfrage vor der eidgenössischen Abstimmung zur Unternehmenssteuerreform und die «Kampfjetlärm-Initiative» vom Februar 2008 hatte der Beschwerdeführer zunächst bei der UBI Beschwerde eingereicht. Er warf SF vor, bei der Berichterstattung programmrechtliche Informationsgrundsätze verletzt zu haben. Die UBI wies beide Beschwerden mit Entscheid vom 22. August 2008 ab, worauf der Beschwerdeführer das Bundesgericht anrief.

Nachdem das Bundesgericht im März 2009 auf die Beschwerde betreffend SRG-Wahlbarometer nicht eingetreten ist, hat das Bundesgericht mit Urteil vom 30. September 2009 nun auch die zweite Beschwerde abgewiesen, soweit es darauf eingetreten ist. Die beiden Entscheide der UBI sind somit rechtskräftig.

gfs.bern war durch die Beschwerde nicht direkt betroffen, weil der Statistiker Ulmer, ein erklärter Gegner von Umfragen, die Beschwerde wegen der journalistischen Umsetzung gegen das Schweizer Fernsehen direkt geführt hatte. Die Institutsleitung ist dennoch über den Entscheid erfreut, sind doch die Beschwerden gegen die Umfragen für die SRG damit alle abgewiesen.

Kurzevaluierung der Umfragen zum den Volksabstimmung vom 27. September 2009

Die Endergebnisse der Volksabstimmungen vom 27. September 2009 stehen fest: Der Verzicht auf die Einführung der allgemeinen Volksinitiative wurde mit 67.9 Prozent und allen Kantonsstimmen angenommen, während die IV-Zusatzfinanzierung mit 54.5 Prozent und 12 zu 11 Ständen passierte. Die Stimmbeteiligung lag bei rund 40 Prozent.

IV-Zusatzfinanzierung
Das Endergebnis zur IV-Vorlage liegt genau im Bereich der Erwartungen der Vorbefragungen. Gut zwei Wochen vor der Abstimmung wollten 50 Prozent der Beteiligungswilligen für die Zusatzfinanzierung stimmen, 32 Prozent waren dagegen. Der Nein-Anteil stieg im Vergleich zur ersten Erhebung an, während der Ja-Wert praktisch stabil war.


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Die Erfahrungsregel bei Behördenvorlage lautete, das
s unter den Unschlüssigen eine Mehrheit ist, die schliesslich Nein sagt, ohne dass man den Wert genau kennt. Demnach war mit mindestens 41 Prozent Nein-Stimmen zu rechnen. Zwar konnte nicht ganz ausgeschlossen werden, dass der Ja in den letzten 14 Tagen sinkt, denn er war insbeonsere in der deutschsprachigen Schweiz negativ in Bewegung geraten. Doch war das insgesamt wenig wahrscheinlich. Wenn wir dennoch zögerten, hatte das mit dem Wissen um die Ständemehrsproblematik zu tun. Denn es kann im Bereich von 50 bis 55 Prozent Zustimmung beim Volksmehr durchaus sein, dass eine Vorlage dennoch am nötigen Ständemehr scheitert. Genaue Ständemehrsanalysen lassen sich mit Befragungen auf der Basis von 1200 interviewten Personen nicht machen.

Allgemeine Volksinitiative
Spezieller gelagert ist die Meinungsbildung zur allgemeinen Volksinitiative. Die Umfragen verwiesen auf eine Rekordhoch bei den Unschlüssigen. 2 Wochen vor dem finalen Abstimmungstag gaben 4 von 10 Befragte mit Teilnahmeabsicht an, nicht zu wissen, was sie stimmen wollten. Noch führte das Nein unter den Unschlüssigen, doch der zeitliche Trend ging in Richtung Ja.


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Unter solch unüblichen Bedingungen erschien uns jede Aussage zum Abstimmungsausgang sinnlos. Vielmehr war mit einem Zufallsentscheid zu rechnen. Die Nachbetrachtung zeigt nun, dass die Behördentreue den Ausschlag gab. Angesichts der geringen Beschäftigung mit dem Thema und der eindeutigen Empfehlung von Bundesrat und Parlament schlossen sich die BürgerInnen, die noch kurz vor dem Abstimmungstag unschlüssig waren, der Empfehlung der Behörden an.

Stimmbeteiligung

Möglicherweise kam es in den letzten 2 Wochen zu einer beschränkten Mobilisierung, die vor allem über die IV-Vorlage lief. Der Wert für die Teiltnahmeabsicht lag damals bei 34 Prozent; schliesslich waren es etwas mehr, wenn auch in beiden Fällen nicht gleich viele: Bei der IV-Zusatzfinanzierung äusserten sich 40.8 Prozent der Stimmberechtigten, bei der allgemeinen Volksinitiativen nur 38.5 Prozent.

Der Einsatzplan für den Abstimmungssonntag

Die Sendungen des Schweizer Fernsehens zu den Abstimmungssonntagen haben eine feste Struktur. Diese bekommt bei einem Arbeitslunch zwischen sf und gfs.bern jeweils den letzten Schliff. Dann steht dein Einsatzplan von Claude Longchamp fest. Hier die Anweisungen für die 13 Auftritte am nächsten Sonntag.

12:00 Gespräch mit Urs zu Ausgangslage beide Vorlagen für SF
12:30 Erste Trendrechnungen für SF (und indirekt für Radio DRS)
12:37 dito für Radio DRS
12:47 dito für TSR
13:14 Zweite Trendrechnung, eventuell erste Hochrechung für SF
13:20 Radio DRS wenn erste Hochrechung, sonst 13:45
13:30 Erste Hochrechnungen für SF
14:00 Zweite Hochrechnungen, Ständemehr für IV, Analyse von sprachregionalen Eigenheiten für SF
15:00 Hochrechnung und Erstanalyse Stimmbeteiligung, Rückblick auf Kampagnen für SF
15:30 Erstanalyse zur allgemeinen Volksinitiative, für SF
16:00 Erstanalyse IV-Zusatzfinanzierung. für SF
17:08 Zusammenfassung für SF
17:26 Ausblick und Verabschiedung für SF

Das Ganze wäre ohne ein eingespieltes Team im Hintergrund nicht zu machen. Dazu zählen Lukas Golder, Laura Kopp, Urs Bieri, Stephan Tschöpe, Andreas Stettler, Jonas Kocher und Martina Imfeld vom Forschungsinstitut gfs.bern.

Analyse ist eine zentrale Ingredienz der integrierten Kommunikation

Fazit zu einer preisgekrönten Kampagne

Ein Kommunikationskonzept enthält zwingend eine Situationsanalyse. Sehr oft wird da ein Missstand beschrieben. Sehr gerne stellt man sich in diesem Moment in ein schlechtes Licht. Und sehr gerne spart man sich da Hirnschmalz, wo es um den Status quo geht. Je schlechter und unreflektierter die Situation analysiert wird, desto einfacher ist am Schluss das Eigenlob. Und die Gefahr einer falschen Strategie steigt. Bei grossen öffentlichen Kampagnen ein kaum tragbares Risiko auf Kosten der Steuerzahlenden.

Kampagne gegen Schwarzarbeit

Die Kampagne gegen Schwarzarbeit hat es sich nicht so leicht gemacht. Sie hat die Situation unter anderem mit einer Planungsstudie untermauert. Und sie hat sich am Schluss evaluieren lassen. Die entsprechenden Berichte sind publiziert.

Und die Kampagne hat den ersten Preis “Communicator 2009″ gewonnen am “Award Corporate Communications 2009″.

Wir gratulieren herzlich.

Kampagne:
www.keine-schwarzarbeit.ch

Unsere Berichte

Interessieren die Volksabstimmungen vom 27. September 2009 überhaupt noch?

Nur noch 34 Prozent der Stimmberechtigten wollen an den eidgenössischen Volksabstimmungen vom 27. September 2009 teilnehmen. Das sind 7 Prozentpunkte weniger als einen Monat zuvor.

Normalerweise nimmt die Beteiligungsabsicht in Umfragen vor einer Volksentscheidung mit der Nähe zum Abstimmungstag zu. Die mediale Aufmerksamkeit einerseits, die Mobilisierungen durch die Interessierten anderseits sind die Gründe hierfür.

Gemäss der jüngsten und letzten Repräsentativ-Befragung unseres Instituts für die SRG-Medien ist das bei den Entscheidungen über die IV-Zusatzversicherung und den Verzicht zur Einführung der allgemeinen Volksinitiative nicht so.

Das hat, erstens, mit den Themen der Volksentscheidung zu tun: Die Problematik der allgemeinen Volksinitiative lässt bis auf 2 SpezialistInnen im Parlament selbst die Volks- und KantonsvertreterInnen kalt.

Zweitens muss man die aktuellen Ereignisse herzbeiziehen. Die letzten Wochen drehte sich alles um die missratene Aktion von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz in der Libyen-Affäre. Selbst die anstehenden Bundesratswahlen erreichten die ihre gebührende Aufmerksamkeit nicht ganz.

Das explosive Gemisch an Aufmerksamkeit und Emotionen, das so entstand, erschwert Sachdiskussionen und macht die politische Mobilisierung unberechenbar.

Forschungsbericht gfs.bern

Auslaufmodell Bi-Polarisierung der Parteienlandschaft

Soeben ist das Wahlbarometer der SRG SSR idee suisse zur Halbzeit der laufenden Legislatur erschienen. Hier eine Würdigung der Ergebnisse insgesamt.

Bi-Polarisierung war das Schlagwort für Wahlanalysen der letzten Jahre. Wer ganz schwarz oder ganz weiss malte, konnte mit Gewinnen in der WählerInnen-Stärke rechnen. Modernisierte Kampagnenkommunikation, provozierende Positionen und Personen, die emotionale Identifikationen anbieten, waren mitentscheidend.

Bei den Nationalratswahlen 2007 kamen erstmals Zweifel auf, ob diese Analyse noch stimmt. Die SP – seit 1995 konsequent Profiteurin der Bi-Polarisierung – stürzte ab. Zudem differenzierte sich das rot-grüne Lager in neue Strömungen und verabschiedete sich mit der neuen GLP in ein Teil des Lagers in Richtung Mitte.

Das Wahlbarometer zur Halbzeit der Legislatur 2007-11 zeigt, dass auch die SVP nicht mehr ohne Weiteres von der Bi-Polarisierung profitiert. Zwar verliert sie ihr nationalkonservatives Elektorat nicht namhaft an andere Parteien. Doch kann sie es nicht mehr mobilisieren, wie man das von ihr fast schon automatisch erwartet.

Die spezifische SVP-Analyse kommt nicht um die Veränderungen der Partei seit den letzten Wahlen herum: Christoph Blocher, der Tausendsassa der Schweizer Politik, der sich an keine Konkordanzfessel hielt und damit die Wählerschaft über Jahre in seinen Bann zog, ist aus dem Bundesrat abgewählt worden. Deutliche Abstimmungsniederlagen wie jene bei der Einbürgerungsinitiative zeigten, dass der reinen Oppositionspolitik in der Schweiz Grenzen gesetzt sind. Zwischenzeitlich ist die SVP wieder eine Regierungspartei, und tritt sie stilmässig moderater auf als auch schon. Das alles wirkt sich erschwerend auf die Mobilisierung aus.

Die Bi-Polarisierung wird damit ganz zum Auslaufmodell. Dass dies gerade in der Zeit wirtschaftlicher Not und aussenpolitischen Drucks erfolgt, ist nicht überraschend. Die Krisenängste födern ein Zusammenrücken im Zentrum. Statt Abgrenzung sind Gemeinsamkeiten gefragt. Bundesräte solle nicht markige Parteivertreter sein, sondern Persönlichkeiten, die eine gemeinsames Programm verwirklichen, das dem Land dient.

Das sind die Lehren, die man aus unserer Sicht dem Wahlbarometer 2009 ziehen kann.

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Vorteil für die Ja-Seite

Am 27. September 2009 stimmt die Schweiz unter anderem über die befristete Erhöhung der Mehrwertsteuer für die IV-Zusatzfinanzierung ab. Die Umfrage für die SRG-Medien ergibt einen Vorteil für die Ja-Seite.

Die Kampagne zur IV-Abstimmung begann schlecht. Zuerst verschob der Bundesrat den bereits kommunizierten vom Mai in den September Abstimmungstermin. Damit kommunizierte er eine zentrale Botschaft gegen die Vorlage: Im gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld sind Steuererhöhungen fraglich. Dann zögerte economiesuisse, die wichtige Kampagnenagentur auf bürgerlicher Seite, sich zu engagieren. In der Sache sei man dafür, liess man verlauten, doch der Zeitpunkt der Mehrwertsteuer-Erhöhung sei falsch. Schliesslich gab der Bundesrat nach; er hielt an der Abstimmung vom 27. September 2009 fest, ändert bei einem Ja den Mehrwertsteuersatz aber erst 2011.

Nimmt man die Ergebnisse der ersten von zwei Befragungen, die unser Institut für die SRG SSR idée suisse vor dieser Abstimmung realisiert, kann man einen Schluss ziehen: Die unrühmliche Begleitmusik zur Volkentscheid bleibt Nebengeräusch. Die Sache selber steht im Zentrum.

51 Prozent würde gegenwärtig bestimmt oder eher mit Ja stimmen. 27 Prozent würden das Gegenteil machen. Die Parteibindungen stellen die zentrale Konfliktlinie dar. Man folgen den Parteiempfehlung mehrheitlich. Die Ja-Seite findet bei Grünen, SP, CVP und FDP mehrheitlich Zustimmung; die SVP-Basis neigt, wie die Partei, der Nein-Seite zu.

Die zentrale Botschaft der BefürworterInnen wird verstanden, ist angekommen und zeigt Wirkung. Angesichts der Verschuldung der IV ist die Sanierung unausweichlich. Dazu gehören verschiedene Bestandteile, unter anderen auch die befristete Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes um 0,4 Prozentpunkte.

Alles schon gelaufen? Wir sagen nein! Denn die Gegnerschaft verfügt mit dem Missbrauch der Sozialversicherungen, insbesondere der IV über ein denkbares Argument, das ausgesprochen populär ist, in der bisherigen Kampagne aber noch kaum eingesetzt worden ist und in der Untersuchung deshalb auch keine Wirkung zeigte.

Noch keine?

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Der kommunikative GAU droht

Am 27. September 2009 stimmen wir über den Verzicht auf die allgemeinen Volksinitiative ab. Das Parlament war einhellig dafür; das Volk reagiert so ratlos wie noch nie auf eine Behördenvorlage.

Seit dem 9. Februar 2009 hat die Bundesverfassung den Zusatz, dass InitianInnen eine allgemeine Initiative einreichen können, wobei das Parlament darüber entscheidet, ob das Anliegen in der Verfassung oder in einem Gesetz geregelt wird. Eingeführt wurde das mit der Begründung, die grosse Verfassungsreform von 1999 habe gezeigt, dass das bestehende Initiativrecht die Einheitlichkeit des wichtigsten Vertragswerkes der Schweiz unterlaufe. Die stimmende Bevölkerung war damit einverstanden und hiess die Aenderung der Spielregeln mit über 70 Prozent Zustimmung gut.

In der Folge hätte das Parlament die Kriterien und das Vorgehen festlegen sollen, wie National- und Ständerat in ihrer Entscheidung vorgehen. Doch konnte sich das Parlament nicht einigen, sodass es den Auftrag an den Absender zurückwies. Deshalb stimmen wir erneut über den Vorschlag ab. Sagen wir diesmal Ja, verzichten wir aber auf die Einführung der allgemeinen Volksinitiative.

Die erste von zwei SRG-Umfragen hierzu zeigt den GAU auf, der aus der verzwickten Situation entstand. 41 Prozent der teilnahmewilligen wissen 6 Wochen vor der Abstimmung nicht, wie sie sich entscheiden sollen – ein Schweizer Rekord! 40 Prozent würden eher oder bestimmt nein stimmen, müsste man sich sofort festlegen. Nur gerade 19 Prozent der beteiligungswilligen BürgerInnen folgen der Position des Parlaments.

Das ist ein eklatanter Unterschied, der zeigt, wie verschieden die Diskurse in dieser Sache verlaufen: Das Parlament entschied aufgrund eher technisch-juristischer Argumente. Die Bevölkerung wiederum reagiert mit kaum zu überbietender Verunsicherung, aus der auch Misstrauen spricht.

Eine Diskussion zwischen PolitikerInnen und StimmbürgerInnen hierzu hat bisher überhaupt nicht stattgefunden. Doch das wäre die Aufgabe eines Abstimmungskampfes von einer Volksabstimmung. Denn es geht dabei um “Abstimmung” verschiedener Auffassungen. Nicht um Kollision zwischen ihnen.

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