Heute wurde die FMH-Mitglieder-Studie publiziert. 7′897 Ärztinnen und Ärzte haben an der Online-Umfrage teilgenommen und wir waren überrascht vom hohen Rücklauf.
Die Studie schliesst einen Kreis in meinem Leben, der aus einem Arzt, Latein und politischen Blockaden besteht.
Arzt
Mein Vater ist Arzt und ich bin demnach ein filius medici. Er nahm mich ab und zu mit ins Spital Wattenwil. Während seiner Visite wurde ich von von Krankenschwester perfekt betreut um nicht zu sagen verwöhnt. Kein Wunder, dass mit der Aussicht auf ein verwöhntes Leben mein Traumberuf Arzt war!
Latein
Mein Vater hat mir dann klar gemacht, dass ich UNBEDINGT Latein lernen müsse, um Arzt zu werden. Leider verfüge ich in diesem Bereich über gar kein Talent. So wurde mir nach 18 Jahren, wovon 4 mit ungenügenden Lateinoten klar, dass ich meinen Traumberuf nicht studieren wollte.
Politische Blockaden
Auch dank meinem Vater bin ich politisch interessiert. Mit 18 konnte ich erstmals stimmen – und gleich beim EWR! Meine Überraschung war riesig, dass ein Nein resulierte und damit eine politische Blockade in der Europapolitik entstand. So kam ich auf ein lebhaftes Interesse an der direkten Demokratie. Und schliesslich zum Studium der Politikwissenschaften.
Der Kreis schliesst sich
So nahe am Puls der Ärtzeschaft war ich noch nie. Fast unzählige direkte Rückmeldungen in den offenen Fragen und klare Bekenntnisse zur Tätigkeit der FMH konnten wir in unserem Forschungsteam auswerten. Und siehe da: Die Ärzteschaft in der Schweiz ist heute erheblich politisiert und frustriert. Im Berufsalltag stört die politische Blockade im Gesundheitswesen und alles andere ist Nebensache. Es ist ein eigentlicher “Ileus magnus”: Ein heftiger Darmverschluss! Und mit der lateinischen Diagnose einer eigentlichen politischen Blockade in der Gesundheitspolitik schliesst sich ein Kreis in meinem Leben.
Am Ende kein Latein
Aus der europapolitischen Blockade konnte man herauskommen. Es brauchte Zeit, viel Pragmatismus, Überzeugungskraft und Arbeit. Es brauchte Verhandlungsgeschick und Kompromissbereitschaft. Aus Sicht der FMH-Mitglieder ist es zentral, dass sie ihren Einfluss auf die Gesundheitspolitik stärker und sichtbarer macht. Dass sie ihre Ziele konsequent und strategisch verfolgt aber dabei klar auf die Bedürfnisse der anderen Zielgruppen und der Bevölkerung Rücksicht nimmt. Zu den klassischen Aufgaben als Interessenverenigung wird für die FMH eine neue neue hinzu kommen – so mindestens unsere These: Campaigning. Die Kunst Strategie und Kommunikation zu einem Ganzen werden zu lassen. Am Ende der Studie also kein Latein, sondern plattes Englisch. Obwohl sich der Kreis schliesst, bleibt der Schuster bei seinen Leisten. Und der Politologe hofft auf eine baldige Genesung des Gesundheitswesens.



Letzte Kommentare