Archive for Februar, 2009

Das Image erklärt nicht alles. Aber es zählt neben Fakten.

Die Sendung Einstein hat ein Strassenexperiment der Universität Zürich dargestellt. Es zeigte eine hohe Zuordnung der ProbandInnen einer CVP-Aussage sowohl zu Toni Brunner wie zu Christian Levrat. Stutzig wurde ich bei der Übereinstimmung von ca. 95% und mehr bei den zwei Testgruppen, welche die gleiche CVP-Aussage als sehr typisch für Toni Brunner wie für Christian Levrat bewerteten.
Erklärt Image alles?
Was wäre gewesen, wenn sich Toni Brunner fĂĽr die EU eingesetzt hätte und Christian Levrat fĂĽr eine Reduktion der AHV? Tatsächlich spricht Fichter von “gewissen Grenzen”.
Die Forderung nach mehr Repression und Prävention kann – und das meine ich als Politologe und nicht als Imageforscher – durchaus inhaltlich fĂĽr die SVP und die SP stehen. Hier kommt es auf den Kontext und die Details an. Meist ist eine Forderung so formuliert, dass sie fĂĽr Viele glaubwĂĽrdig tönt aber in den Details dann auf die eigene Wertfundierung der jeweiligen Partei dreht. Das ist das Wesen glaubwĂĽrdiger Kommunikation. Die Zuordnung einer Aussage zur CVP wird dadurch schwierig, weil es der Partei nur schwerlich gelingt, sich selber zwischen den Polen zu positionieren. Sie muss versuchen, vernĂĽnftige Argumente zwischen den Polen zu finden. Deshalb könnte je nach Kontext die Forderung von Repression & Prävention in der Kriminalität eben fĂĽr die klarer positionierten SP und SVP stehen, kommt aber von der CVP. So ist der Wahlkampf 07 und das Thema Kriminalität mehr oder weniger auch verlaufen: Nachdem die SVP das Thema prominent in den Wahlkampf brachten, sorgte das Duo GalladĂ©/Jositsch von der SP mit Repressionsforderungen fĂĽr Furore. Da wird es wirklich eng zwischen den Polen!

Wie bekannt sind eigentlich Toni Brunner und Christian Levrat? Fulvio Pelli und Hans-JĂĽrg Fehr brachten es kurz vor der Wahl auf knapp 60% Bekanntheit. Wenn also ein Drittel der ProbandInnen die beiden gar nicht kannten, aber 95% aus Sicht der Forschenden eine richtige Zuordnung machten, dann gibt das Zweifel.

Und wie neu ist diese Erkenntnis?
Aus unserer Sicht überhaupt nicht. Image spielt eine Rolle. Wir haben den Einfluss systematisch und repräsentativ bei den Wahlbarometern erhoben. Dass Mediendemokratie und Image und dass auch Aussehen und Verpackungsfaktoren bei Wahlen eine zentrale Rolle einnehmen, scheint aufgrund des Wahlbarometers aber sogar aus dem Alltagswissen heraus klar. Wir haben bewusst unser Wahlmodell mit solchen Faktoren erweitert.

Dass aber Issues und Werthaltungen keine Rolle mehr spielen würden, ist absolut absurd: Hierzu gibt es zuviel Evidenz. Es ist Common Sense in der Imageforschung für Unternehmen, dass die Wertfundierung und das Issue-Management zentrale Komponenten neben dem Produkt und der Verpackung sind und dass daraus die Corporate Identity entsteht. Die Politisierung umd Mediatisierung der Wirtschaft hat genau zu solchen ganzheitlichen Ansätzen geführt. Das hat die Politik längst und wohl sogar früher erkannt. Der EWR, die Positionierung von Christoph Blocher und der permanente medial geführte Wahlkampf einer schlagfertigen (Zürcher)-SVP als Paket machten die SVP erst attraktiv. Und dies gab ihr auch ein Image von welchem sie bis zu den letzten Wahlen massiv profitieren konnte. Aber das Sünneli im Logo oder ein fröhlicher bodenständiger Bauer machen nur mit Geschwurbel noch keinen Wahlerfolg aus.

Gratulation zum 175-Jahr-Jubiläum der Universität Bern

Am Morgen sind die linke und die rechte Gehirnhälfte besonders stark verbunden. Und heute morgen wurde mir auch unsere enge Verbindung zur Uni Bern bewusst:

7 von 8 Personen, die beim Forschungsinstitut gfs.bern in der Forschung tätig sind, haben ihre Ausbildung an der Universtität Bern absolviert, haben dort selbst Ausbildungslehrgänge gestaltet oder sind noch im Studium.

Das sind 87.5 Prozent!

1 ehemaliger Lehrbeauftragter Politwissenschaften Universität Bern: Claude Longchamp
2 Absolventen Politik- und Medienwissenschaften Universität Bern: Urs Bieri und Lukas Golder
1 Absolvent Sozial- und Medienpsychologie Universität Bern: Matthias Bucher
3 Studierende Politikwissenschaften Universität Bern: Stephan Tschöpe, Jonas Kocher und Martina Imfeld.

Es fehlt eine Person oder 12.5%. Es handelt sich um Laura Kopp. Sie ist unsere Exotin und wurde an der anderen Uni mit langer Tradition ausgebildet: Sie studierte an der Universität Zürich Politikwissenschaften und Volkswirtschaft. Konkurrenz belebt das Geschäft!

Ganz besonders, wenn sie aus ZĂĽrich kommt.

Aber bis zum 200-Jahr-Jubiläum der Uni Bern besteht also noch ein Steigerungspotenzial, um auf 100% zu kommen. Ausser Laura Kopp bleibt uns bis 2034 erhalten.

Bis zum 200-Jahr-Jubiläum der Universität Bern wünschen wir ihr weiterhin viel Erfolg. Und hoffen auf enge Verbundenheit.

Wechsel an der Spitze von gfs.bern

Der Wechsel des Verwaltungsratspräsidiums am 23. März 2009 von Dr. Victor Erne zu Claude Longchamp erfolgt aus einer sicheren Position heraus. gfs.bern bestätigt mit gut 3 Millionen Schweizer Franken Umsatz das Rekordergebnis aus dem Vorjahr. Der Auftragsbestand für das erste Quartal 2009 ist sehr gut.

Nach 15 Jahren Tätigkeit für das Forschungsinstitut gfs.bern, davon vier als Verwaltungsratspräsident, tritt Dr. Victor Erne per 23. März 2009 aus Altersgründen aus dem Verwaltungsrat aus. Er hat es verstanden, das Unternehmen mit viel Engagement und Weitsicht zu prägen und zu führen. Er stärkte das unternehmerische Denken und sorgte für die nötige Stabilität in den Entscheidungen des Unternehmens.

Wir danken Dr. Victor Erne herzlich fĂĽr seine grossen Verdienste fĂĽr den Verein GfS und fĂĽr gfs.bern.

Wir freuen uns, dass Claude Longchamp als Institutsleiter und Mehrheitsaktionär und bisheriger Verwaltungsrat neu das Amt des Verwaltungsratspräsidenten übernimmt. Er wird sich um die strategische Führung, die Entwicklung neuer Projekte und die Erschliessung neuer Märkte des Unternehmens kümmern. Gleichzeitig wird Claude Longchamp in der operativen Führung des Instituts durch die Geschäftsleitung entlastet werden. Seine bisherigen Projekte leitet Claude Longchamp weiter. Er übernimmt zudem weitere Lehraufträge an Universitäten und Fachhochschulen. Dr. Katja Gentinetta bleibt Mitglied des Verwaltungsrates.

2008 erzielt das Forschungsinstitut gfs.bern einen Umsatz von 3.01 Millionen Schweizer Franken und bestätigte damit den bisherigen Umsatzrekord aus dem Vorjahr von 3.05 Millionen annähernd. Nachdem die Wahlen 2007 dem Standbein der Politikforschung im Vorjahr ein grosses Gewicht gaben, setzte gfs.bern die Diversifizierung insbesondere im Bereich der Kommunikationsforschung erfolgreich fort.

54 Projekte hat das Forschungsinstitut gfs.bern 2008 angefangen oder beendet. 24 Projekte leitete Claude Longchamp, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Urs Bieri und Lukas Golder, die weiteren Mitglieder der Geschäftsleitung, verantworteten je 15 Projekte.

Die Kombination von Medienanalyse und Befragungen bei relevanten Anspruchsgruppen wird verstärkt in der Privatwirtschaft als Mittel zur Kommunikationsplanung und –umsetzung genutzt, was weitere Wachstumspotenziale in der Kommunikationsforschung aufzeigt. Anhand des sehr guten Auftragsbestandes für das erste Quartal 2009 lassen sich auch gute bis sehr gute Aussichten für das Jahr 2009 ableiten.

Erste Hinweise wo die Zustimmung zur PersonenfreizĂĽgigkeit wuchs

Die Schweiz hat entschieden: Die Stimmenden votierten zu 59.6 Prozent für die definitive Personenfreizügigkeit mit der heutigen Europäischen Union. Das sind sogar 3,6 Prozentpunkte mehr als 2005 bei der damaligen Erweiterung der Personenfreizügigkeit, die 56 Prozent Zustimmung fand.


Der Wandel zugunsten der Personenfreizügigkeit findet sich in ländlichen Gebieten. Positiv wirkte sich die Präsenz von AusländerInnen aus Europa, speziell in finanzschwachen Regionen aus. Wo die Arbeitslosigkeit ausgeprägt ist und AusländerInnen ausserhalb Europa vermehrt vorkommen, findet sich das Gegenteil.

Das und mehr findet sich in der Erstanalyse des Forschungsinstituts gfs.bern zum gestrigen Abstimmungsergebnis.

Der Ablauf der Hochrechnung am Abstimmungssonntag

Die Schlussvorbereitungen fĂĽr die Hochrechnung laufen auf Hochtouren. Der Nachmittag vom 8. Februar 2009 gewinnt an Konturen. Eine Uebersicht.

Die Sendung, die im Studio von SF produziert wird, beginnt neu um 12 00. Unser Einsatz endet wie üblich nach 17 30. Im Prinzip sind die Einsätze immer zur vollen Stunde; hinzu kommen Einschaltungen um 12 30 und 13 30, nicht aber um 14 30, 15 30 und 16 30.

Grob gesprochen wird der Nachmittag informationsmässig dreigegliedert:

1. Resultateermittlung (12 30 – 14 15)

Unsere Einsatzzeiten:

12:03 SF
12:30 SF
12:45 TSR
12:52 SR DRS
13:05 SF
13:11 SF
13:30 SF
14:00 SF
14:10 SR DRS

2. Erstanalyse (15 00 – 16 00)

15:00 SF
15:20 SR DRS

3. WĂĽrdigung (17 00 – 17 30)

16:00 SF
17:14 SF
17:34 SF

Die Resultateermittlung besteht aus der Trend- und der Hochrechnung. Die Trendrechnung funktioniert sehr schnell, ist aber nicht sehr genau. Sie wird nur mit einer qualitativen Beurteilung kommuniziert. Die Hochrechnung geht nicht ganz so schnell, ist aber genauer. Sie wird mit quantitativ fassbaren Zahlen vermittelt.

Sollte das Ergebnis knapp sein, ist es möglich, dass die Trendrechnung keine Aussage zulässt. Dies ist nämlich nur dann zuverlässig möglich, wenn der voraussichtliche Ja- (resp. Nein)-Anteil zwischen 45 und 55 Prozent liegt.

Die Hochrechnung ist deutlich genauer, basiert aber nicht auf allen Informationen des Schlussergebnisses. Deshalb ist auch hier RĂĽcksicht angesagt. Zwischen 48 und 52 Prozent Ja (resp. Nein) warnen wir vor voreiligen SchlĂĽssen ausdrĂĽcklich.

Wir werden im Analyse die folgenden Fragen erörtern:

. Umfeld-Analyse, vor allem Wirtschaftslage
. Kampagnen-Analyse, vor allem Ereignisse
. parteipolitische Polarisierung, vor allem SVP gegen alle andern.
. räumliche Konfliktlinien, vor allem Siedlugnsart und Sprachregion
. kantonales Abstimmungsprofil, vor allem Einflüsse aus der Ausländeranteil / zusammensetzung
. Vergleich der Entscheidungen zwischen 2005 und 2009

Die Verteilung und Gewichtung wird situativ vorgenommen.

Die Vorbereitungen haben durch verschiedene Grippefälle vorĂĽbergehend gelitten. Jetzt ist wieder alles auf dem “Schlitten”.

Wir sind gespannt!