Archive for Juni, 2008

Die Qualitätssicherung der Zukunft

Gestern fand der 1. Schweizer Tag der Qualität statt. Dabei hielt ich das Schlussreferat, bei dem es um den Stand und die Herausforderungen der Qualitätssicherung in Schweizer Firmen ging.

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pfuschi’s life-berichterstattung zu meinem vortrag

Ich habe, aufgrund einer Befragung der Mitglieder der SAQ, der Schweizerischen Vereinigung für Qualität, 4 Thesen entwickelt. Knapp zusammengefasst lauten sie:

Erstens, der Wettbewerb fördert die Qualitätsaussichtung von Unternehmen.

Zweitens, Kundenerwartungen einerseits, das Management anderseits sind die wichtigen Treiber der Weiterentwicklung von Qualitätsstandards in den schweizer Firmen.

Drittens, die Mitarbeitenden sind die wichtigsten Garanten für die dauerhafte Einhaltung von Qualitätsstandards in einer Unternehmung.

Viertens, die Qualitätsverantwortlichen der Zukunft sind keine Technokraten, sondern Teil der Unternehmensführung, welche eine qualitätsorientierte Unternehmenskultur pflegen.

Die ersten Diskussionen zeigten, dass man Qualitätssicherung in der Schweiz schon mitunter auch als bedroht sieht. So wurde kritisch angemerkt, dass der Kostendruck Qualitätsanstrengungen der Firmen unterminiere, oder der Arbeitsschutz schon in naher Zukunft kein fixer Bestandteil der Qualitätssicherung mehr sein werde.

Mehr dazu entnehmen Sie

. den Präsentationsunterlagen zu meinem Referat

. den Spezial-Website der SAQ zur Tagung.

Die CVP in der Neuorientierung

CVP-Parteipräsident Christophe Darbelley spricht es in Interviews immer direkter an. Die Schweiz brauche eine “Koalition der Mitte”. Rechts habe sich die SVP in die Opposition verabschiedet, und links liebäugle man regelmässig mit Streiks. Diese Polarisierung schade dem Land.

Begnen will der Parteipräsident der kleinsten Regierungspartei diesem Umstand mit einer koordinierten Politik von CVP und FDP. Beide Parteien seien so vernünftig, dass sie trotz Differenzen die Vorteile einer Zusammenarbeit stärker gewichten würden. Ende Juni 2008, kündigte Darbelley im jüngsten “Sonntagsblick” schon mal an, werde man ein gemeinsames Positionspapier präsentieren, welches das Vorgehen in wichtigen Kerndossiers skizzieren werde.

Der lange Weg von der Mehrheitspartei zur thematischen Allianzbildung

Solche Schritte sind neu für die Schweizer Politik. Lange beherrschte der “Freisinn” diese mit seinen satten Mehrheiten in Parlament und Regierungen. Seit Einführung des Proporzsystems für den Nationalrat ist das jedoch brüchig geworden. Die SP, neuerdings vor allem die SVP, stiegen zu den grössten WählerInnen-Parteien auf, sodass schrittweise eine Allianz aus FDP, CVP, SVP und SP, in der die FDP bestimmte, was gilt, und mit welcher Mehrheit sie das im Bundesrat realisieren wolle. 1959 stetze die damalige KK dagegen, indem sie durch die Umbildung des Landesregierung die Rolle der Mehrheitsbeschafferin im Bundesrat an sich zog. Das galt bis 2003, als die SVP im Gegenzug das Schwergewicht in der schweizerische Regierung nach rechts verschob.

Zwischenzeitlich wird die Regierungsbeteiligung der SVP auf Bundesebene von der SVP selber in Frage gestellt. Damit ist bröckelt auch das Modell, dass die SVP im bürgerlichen Lager eine Leadrolle einnehme und sich die Unterstützung hierfür fallweise zusammensucht. Genau das wirft die von Christophe Darbelley gstellte Frage erneut auf.

Ich habe in den letzten Wochen mehrere Referate von CVP Kantonalparteien gehalten, in denen es um die Neuorientierung der Partei, aber auch des Regierungssystems ging. Dabei habe ich sehr wohl gemerkt, dass es sehr unterschiedliche Positionen innerhalb der stark förderalistisch strukturierten Zentrumspartei erst in Gang kommt. Die Politik der Repräsentation im Konkordanzsystem ist man sich deutlich gewohnter als die Politik der strategischen Koalitionen.

Meine Gegenthese zu jener von Christophe Darbelley

Anders als Christophe Darbelley sehe ich den Kooperationsbedarf der neuen Mitte jedoch nicht auf die FDP beschränkt. Dies aus einem einfachen Grund: Das stärkt zwar die bürgerlichen Kräfte im Zentrum, ist aber nur im Ständerat potenziell mehrheitsfähig. Im Nationalrat riskiert genau diese Einengung, zwischen den Anforderungen von SVP und SP zerrieben zu werden. Und im Bundesrat ergibt eine solche Ausrichtung keine gesicherte Mehrheit. Angesichts solcherMehrheitsverhältnisse wäre nur ein dezidiertes Vorgehen beider Parteien erfolgversprechend; zu dem sind aber beide Parteien nicht willens und wohl auch nicht fähig.

Deshalb habe ich eine andere These entwickelt: Die CVP ist in der idealen Position, das Zentrum alleine von der getriebenen zur treibenden Kraft zu machen. Dafür muss sie sich aber national sammeln und thematisch erneuern. Die Mitte ist in der Schweiz so schwach, weil sie die Themenführung im medialen Diskurs, aber auch in den Bevölkerungsdebatten nicht mehr genügend beherrscht. Wenn es der CVP gelingt, in den Kerndossiers des Landes ihre eigene Position sattelfest zu erarbeiten, wird sie auch befähigt sein, meist bei FDP und SP, gelegentlich auch mit der SVP oder den Grünen die nötigen Mehrheiten in den Behörden zu beschaffen.

Die Diskussion über ihr These, cher Christophe Darbelley, und meine Gegenposition ist eröffnet!

Claude Longchamp

Mein Referat vor der PDC du Canton de Genève
Mein Referat vor der CVP des Kantons Zürich

Der SVP-Oppositionsflieger hat keine Starterlaubnis erhalten

Wie baut man einen Oppositionsflieger in der Schweiz? Mein Bauplan wäre klar:

Die Aerodynamik: Grundvoraussetzung für das Fliegen. Keine Regierungsbeteiligung mindestens auf Bundesebene, sonst kann der Flieger überhaupt nicht abheben.

Die Piloten: Im Cockpit ein erfahrener Captain mit Ruhe und strategischer Umsicht und ein junger ambitionierter Co-Pilot.

Die Triebwerke: Den Oppositionsflieger treibt man am besten mit Abstimmungssiegen an. So starke Düsentriebwerke gibt es in keinem anderen Land, denn überall sonst heisst Opposition: Abwarten und kritisieren, aber nicht blockieren und gestalten! Gewinnt man sogar ausserhalb der eigenen Kernthemen Abstimmungen, kann man das Schweizer System praktisch lahm legen.

Die Flugroute: In einem möglichst hohen, schnellen und weiten Flug eilt man am besten von Wahlsieg zu Wahlsieg in den Kantonen. So treibt man die anderen Parteien vor sich her, verunsichert sie, verwickelt sie in interne Konflikte und zwingt sie immer wieder zu Konzessionen.

Die finale Destination: Das Flugziel ist klar. Der Wahlsieg 2011, der nicht nur deutlich mehr Sitze im Parlament, sondern mindestens zwei Bundesräte und vielleicht sogar die Mehrheit im Bundesrat bringt.

Und die Bilanz, ein Tag nach der dreifachen Niederlage am 1. Juni 2008?

Die Frage der Aerodynamik ist immer noch nicht gelöst: In einem Fall hat man beim Startversuch viel Flurschaden hinterlassen, weil man statt einer Person eine ganze Sektion ausgeschlossen hat und im anderen Fall ist bis heute keine Lösung in Sicht. Ist dieser Oppositionsflieger fluguntauglich?

Die Piloten? Das Assessment war klar: Entweder diese beiden oder gar keine. Doch beim PreFlightCheck scheint den beiden die Puste auszugehen. War das Trainingscamp zu kurz, um den Oppositions-Kunstflug zu beherrschen? Oder lässt der Trainingsstand ganz generell zu wünschen übrig?

Die Triebwerke: Nach dem dreifachen Nein von gestern erscheinen die Triebwerke höchstens als Turbo-Props – gut geeignet, um die eigenen Schäfchen im Zaun zu halten, doch reihum brechen schwarze, grüne, blaue, rote und orange Schäfchen aus! Da scheint etwas am Bauplan schief gelaufen zu sein.

Die Flugroute: Die führte bisher eher durch heimische Gefilde – immer dem SVP-Sünneli nach. Aber der Blocher-Effekt bei den kantonalen Wahlen? Diesen können nicht einmal Studierende der St. Galler Uni nachweisen. Die Erfolge waren in einer Reihe mit den Erfolgen bei den letzten Wahlen – diese waren allerdings in der Tat beeindruckend! Die SVP fliegt, aber sie fliegt noch ganz bestimmt nicht interkontinental.

Die finale Destination: Die erscheint im Moment im Nebel und das Sünneli ist verdeckt. Eine breite Volksbewegung ist nicht ausgelöst – das Schweizer Volk hat dem Oppositionsflieger (noch?) keine Starterlaubnis erteilt.

…to be continued.

Interview mit der Aargauer Zeitung zu den Abstimmungen

Umfragetrends wiesen genau zu den Abstimmungsergebnissen

Nun kennt man sie, die Abstimmungsergebnisse vom 1. Juni 2008:

  • 75 % Nein zur Initiative “Volkssouveränität statt Behördenpropaganda”,
  • 69 % zum Verfassungartikel “Für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Krankenversicherung” und
  • 64 % Nein zur Initiative “Für demokratische Einbürgerungen”.

Die Beteiligung lag bei rund 44 Prozent der Stimmberechtigten.

In einige Kommentaren zu den Abstimmungsausgängen zeigte man sich überrascht von der Deutlichkeit der Resultate. Das sei nicht zu erwarten gewesen.

Wirklich nicht? – Nimmt man die Tendenzen und Trends aus den Abstimmungsbefragungen von gfs.bern für die SRG SSR idée suisse Medien muss man zu einem anderen Schluss kommen: Die wiesen genau auf die Endergebnisse hin!

Die Stimmbeteiligung wurde richtig erkannt. Wer zwei Wochen vor der Abstimmungen mitbestimmen will, tut dies auch! Das gilt selbst dann mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn so kurz vor dem Abstimmungssonntag noch keine verbindlichen Entscheidungen oder Stimmabsichten feststehen.

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Grafik anclickbar

In der letzten Vorbefragung sagten 46 Prozent der Interviewten, teilnehmen zu wollen. Effektiv waren es 44 Prozent. Der Unterschied liegt im Stichprobenfehler.

Am deutlichsten war die Entwicklung der Meinungsbildung im Abstimmungskampf beim Gesundheitsartikel. Hier zerfiel die Allianz, die der Vorlage im Parlament zum Durchbruch verholfen hatte während des Abstimmungskampfes schrittweise, aber gründlich. Der Nein-Anteil entwickelte sich von 18 über 45 auf 69.5 Prozent. Gleichzeitig sanke der Ja-Wert von 62 über 39 auf 30.5 Prozent, und die anfänglich 20 Prozent Unschlüssigen (mit Beteiligungsabsicht) gingen sukzessive zurück.

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Einen ähnlich gerichteten Meinungsumschwung stellten wir bei der Einbürgerungs-Initiative fest. Hier wuchs der Nein-Anteil von 37 über 56 auf 64 Prozent an. Der Prozentsatz der Unschlüssigen ging von 15 über 11 auf 0 zurück. Nicht ganz linear verläuft der Trend beim Ja-Anteil, der von 48 auf 33 sank und schliesslich 36 Prozent betrug.

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Bei der Initiative “gegen Behördenpropaganda veränderte sich der Ja-Anteil kaum. Er lag Mitte April bei 27 Prozent, Mitte Mai bei 26 Proeznt und in der Volksabstimmung waren 24,8 Prozent dafür. Der Nein-Wert erhöhte sich von 57 über 60 Prozent auf schliesslich erdrückende 75 Prozent.

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Die Abstimmungsresultate überraschen eigentlich nicht, wenn man die Verhältnisse und Entwicklungen in der Umfrage-Reihe unseres Instituts nimmt. Denn es gelten im Wesentlichen die folgenden Prognosen:

  1. Der Nein-Anteil in Umfrage zu Initiative nimmt während des Abstimmungskampfes immer zu, während sich der Ja-Anteil und der Prozent-Satz Unschlüssiger fast immer verringert.
  2. Bei Behördenvorlagen gibt es zwei Szenarien, von denen das eine hier von Belang war: Wenn der Wille in der meinungsbildenden Elite zerfällt, verringern sich der Ja- resp. Unschlüssigen-Anteil, derweil die Gegnerschaft steigt.
  3. Schliesslich gilt: Teilnahmewillige bei der letzten Umfrage stimmen effektiv auch ab.

Die einizige kleine Abweichung von diesen Trendentwicklungen, die wir in den Berichten zur ersten wie auch zur zweiten Welle gemacht und veröffentlicht hatten, findet sich beim Ja-Anteil zur Einbürgerungsinitiative. Er ist minimal höher als der letzten Befragungswert für die Ja-Seite. Das kann aus der Geschehen heraus erklärt werden: Anders als die meisten Initianten gab die SVP die Sache bis am Schluss nicht als verloren, und sie mobilisierte an der eigenen Basis und im gekauften Raum noch einmal kräftig. Das dürfte ihr die leichte Verbesserung des Ja-Anteils gebracht haben.

Unsere Schlussfolgerung: Wer ohne Umfragen durch den Abstimmungskampf geht, mag von den Entscheidungen am 1. Juni 2008 überrascht worden sein. Wer das nicht macht, der war es eigentlich nicht!

Bericht zur 1. Welle

Bericht zur 2. Welle

Generelles zum Dispositionsansatz für die Kampagnenanalyse

Die Anwendung des Dispositionsansatzes bei der SVP-Asylinitiative

Zur voreiligen Vorverurteilung der Umfragen durch die SVP