Die politische Kommunikation in Demokratien war lange geprägt durch eine Zweiteilung in einen hoch vertraulichen Teil (Diplomatie, Nachrichtendienste) und einen stark von Öffentlichkeit geprägten Teil (Parlamente, öffentliche Entscheidungsprozesse wie Wahlen und Abstimmungen). Diese für die strategische Kommunikationsführung sehr einfache Zweiteilung löst sich heute zunehmend auf: Öffentliche Diplomatie ist zu einem Schlagwort geworden und die Massenmedien gemeinsam beispielsweise mit NGOs oder Interessenorganisationen prägen Entscheidungsprozesse oft schon in einem frühen Stadium mit gezielten Veröffentlichungen oder Indiskretionen. Damit sind die Anforderungen an die politische Kommunikationsführung sprunghaft gestiegen.
Behördenkommunikation ist ein spezifischer Bestandteil der politischen Kommunikation. Sie ist beschränkt auf den Austauschprozess zwischen den mit der Umsetzung von Gesetzen beauftragten Instanzen mit ihren verschiedenen Anspruchsgruppen. Es ist oft eine hoheitliche Kommunikation, da mit der Umsetzung von Gesetzen auch gewisse Machtmittel eingesetzt werden: Die Steuererklärung ist genauso wie die Festnahme durch die Polizei Teil der Behördenkommunikation.
Die Behördenkommunikation ist wie die politische Kommunikation im Wandel. Und ich behaupte sogar: Stärker im Wandel als die politische Kommunikation!
Ich teile meine Argumentation in drei Teile auf:
1.
Im Rahmen internationaler und nationaler Verflechtungen wurde das StaatsgefĂĽge immer komplexer, was die Kommunikation mit dem Ziel der Verständigung zwischen Anspruchsgruppen und Behörden erschwerte. Zudem wurde das Expertenwissen bei Behörden konzentriert – PolitikerInnen als Generalisten, BehördenvertreterInnen als Spezialisten. Der Austauschprozess wurde damit insgesamt anspruchsvoller.
2.
Der Kommunikationswandel und die Mediatisierung der Gesellschaft veränderten auch die Behördenkommunikation massiv. Die Institutionen- und Behördenkritik ist Teil der populistischen Politik. Der Aufstieg behördenkritischer Parteien wie in der Schweiz die SVP liess die Behörden als eigenständiger politischer Akteur erscheinen. Dies verstärkte die Folgen des Strukturwandels der Öffentlichkeit.
3.
Seit Langem spricht die Forschung von der Revolution der politischen Kommunikation wegen des Internets. Die bisherigen Nutzungszahlen von Internet im Rahmen der Meinungsbildung sind vergleichsweise gering (hier die Zahlen von VOX-Trend). Die Vernetzung zu bisherigen Medien über etablierte Medienhäuser ist in der Berichterstattung über die politische Aktualität ebenfalls stark. Damit gibt es eine starke Abhängigkeit von Internet und Massenmedien. Die Bedeutung des Internets wächst, aber die politische Kommunikation entwickelt sich auch auf anderen Ebenen enorm: So hatten insbesondere wegen des Verbots politischer Werbung in Radio und Fernsehen die Plakate im Wahlkampf 2007 eine hohe Bedeutung.
Anders sieht es aus, wenn es statt um politische Meinungsbildung um den Austauschprozess zwischen Behörden und den Anspruchsgruppen geht. Sobald nämlich Akteure nicht nur vernetzt sind, sondern auch routinemässig auf das Internet zugreifen, wird das Internet immer bedeutender. Das gilt weniger fĂĽr die breite Ă–ffentlichkeit, als vielmehr beispielsweise fĂĽr das Management von Unternehmen. Entscheidungsträger von Unternehmen greifen fĂĽr ihre Arbeit in fast allen Belangen auf das Internet zurĂĽck. E-Government hat so eine wachsende Bedeutung insbesondere auch in Mikro- und Kleinunternehmen – schon seit längerem fĂĽr grosse Firmen.
Der Austausch von Unternehmen mit den Behörden findet in zunehmendem Mass ĂĽber das Internet statt und ersetzt hier andere Kommunikationskanäle, wie vorerst das Telefon. Das Internet wird zum zentralen Dreh- und Angelpunkt zwischen Behörden und Firmen, zur zentralen Visitenkarte des Staates gegenĂĽber Personen, die routiniert mit dem Internet arbeiten. Zudem wächst der Anspruch, statt nur Informationen gesamte Prozesse ĂĽber das Internet zu erledigen – das gilt zwischen Unternehmen und zwischen Communities. Es gilt aber auch in wachsendem Mass zwischen Unternehmen und dem Staat. Der Staat ist im Bereich E-Government aktiv. Der Prozess ist aber erst am Anfang. Er wird die Behördenkommunikation noch stark verändern.
Zum Bericht E-Government für Unternehmen mittlerweile wichtiger als persönlicher Kontakt.
Letzte Kommentare