Archive for April, 2008

Amerikanisierung der Wahlwerbung in der Schweiz

Pro Stimmberechtigten haben die Kandiderenden bei den Wahlen 2007 einen Fünfliber für Wahlwerbung ausgegeben. Damit rangiert die Schweiz zwischenzeitlich in einer ähnlichen Kategorie wie die USA. Zu diesem Schluss kommt die Wahlstudie “selects“, die heute publiziert wird.

1114522237_c1e5d01b3f.jpg

Für die Selects-Studie 2007 wurden erstmals auch National- und Ständeratskandidaten befragt. Die rund 1.700 selbstdeklarierten Angaben zu den Wahlkampfausgaben wurden schliesslich auf alle Kandidierenden hochgerechnet. So haben die Kandidierenden nach
eigenen Angaben rund 25 Millionen Franken ausgegeben, wie es in der Studie heisst.

6,1 Millionen Franken entfallen auf die Kandidaten der SVP, 5,9 auf die FDP, 4,9 Millionen auf die CVP, 2,5 Millionen auf die SP und 1,2 Millionen Franken auf die Grünen.

Zu den Ausgaben der Kandidatinnen und Kandidaten kommen nochmals die Ausgaben der Parteien dazu, die laut Schätzungen ebenfalls einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen.

Damit seien die Ausgaben pro Kopf in der Schweiz vergleichbar mit denen in anderen westlichen Demokratien. So erwarte man beispielsweise in den USA, dass für die kommenden Präsidentschaftswahlen 2008 mehr als eine Milliarde Dollar ausgegeben würden, was pro Stimmberechtigten rund fünf US-Dollar ausmache.

Mehr dazu unter:

Georg Lutz: Eidgenössische Wahlen 2007. Wahlteilnahme und Wahlentscheid. Lausanne 2008

NZZ Bericht

Kommentar auf www.zoonpoliticon.ch

Parteiische Interpretationen nützen nichts

Bei der Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform vom 24. Februar 2008 haben sich vergleichsweise viele Stimmberechtigte erst in letzter Minute entschieden, hält die heute publizierte VOX-Analyse fest. Genau die Hälfte habe bei der Nachbefragung angegeben, sich erst in den beiden Wochen vor der Abstimmung endgültig entschieden zu haben. Wer sich früh gegelegt hatte, war zu 57 Prozent dafür und zu 43 Prozent dagegen, sagt die Analyse aus der Retrospektive. Wer das am Schluss tat, stimmte mit einer Wahrscheinlichkeit von 44:56 dagegen.

Anfangs Februar hielt die letzte Umfrage der SRG eigentlich genau Gleiches fest: 46% der teilnahmewilligen Stimmberechtigten seien bestimmt oder eher dafür und 31 % bestimmt oder eher dagegen. Das entspricht einem Quotientien von 59:41, also fast gleich wie das VOX-Ergebnis. Allerdings war, hielt die SRG Umfrage fest, noch 23 Prozent der Teilnahmewilligen noch ganz unentschieden.

Die Interpretation dieser Zahlen war indessen uneinheitlich. Ein Teil, der Massenmedien und der PolitikerInnen wertete das als “klares Ja”. Wir zogen einen anderen Schluss und hielten auf diesem Blog fest:

“Was heisst das alles für den Gebrauch von Umfragen unmittelbar vor Volksabstimmungen:

. Meist geht die Beteiligungsabsicht, wie wir sie in den letzten Umfragen erheben, am Schluss nicht mehr zurück. Ist das der Fall, sind alle Verallgemeinerungen schwer.

. Bei Volksinitiativen kann man Unentschiedene mit grosser Wahrscheinlichkeit grösstmehrheitlich auf die Nein-Seite zählen.

. Bei Behördenvorlagen ist Vorsicht mit allen Verallgemeinerungen angebracht. Ohne eine spezifische Analyse des Themas, seiner öffentlichen Verhandlungen und der Schlusskampagnen sind alle pauschalisierenden Schlüsse nicht mehr als Schnellschüsse.

Und die können locker daneben gehen!”

Eigentlich gibt es nur eine Schluss daraus: Nicht voreilig aus offenen Umfragesituationen einen Abstimmungssieg für die eine oder andere Seite machen zu wollen. Das ist das Geschäft der ParteigängerInnen, nicht aber der Politikwissenschaft! Man kann nur eines aus dem Ganzen lernen:

Erstens, es gibt parteiische Interpretationen von Umfrageergebnissen durch die Oeffentlichkeit.

Zweitens, sie nützen nicht, trotz der Ja-Interpretation ging der last swing ins Nein.

Drittens, parteiische Interpretationen dienen nur der Selbsttäuschung.

“Technische Kurzberichte” zu Umfragen

Die Branchenvereinigung VSMS, in der die relevanten Umfrageinstitute der Schweiz zusammengeschlossen sind, verlangt von ihren Mitgliedern, dass sie, beispielsweise bei Wahl- und Abstimmungsbefragungen, die technischen Angaben zu den Umfragen publik machen.

srg.gif

Erwähnt werden muss minimal , wer der Auftraggeber ist, wer die Umfrage verantwortet, wie die Stichprobe war, wann befragt wurde, und was die statistischen Aussagegrenzen sind.

Seitens der Umfrageinstitute ist das heute kaum mehr ein Thema; es wird routinemässig erledigt. Es soll den KonsumentInnen von Umfragen zeigen, was man aus einer Umfrage ableiten kann und was nicht. Das Forschungsinstitut gfs.bern hat seinerseits die diesbezüglichen Informationen auf der eigenen Website ausgebaut, und publiziert die technsichen Angaben zu allen veröffentlichten Umfragen regelmässig. Im aktuellen Fall der abstimmungsbezogenen Umfrage für die SRG SSR idée suisse bedeutet dies:

  • Grundgesamtheit: Stimmberechtigte in der ganzen Schweiz.
  • Erhebungsmethode: CATI (computerunterstützte Telefoninterviews).
  • Befragungszeitraum: 14. April bis 19.April 2008
  • Mittlerer Befragungstag: 15.April 2008 (Median)
  • Stichprobengrösse: Total N=1207, Abstimmungsteilnahmewillige n = 781
  • Stichprobenbildung: sprachregional geschichtete, doppelte Zufallsauswahl (Haushalte, BewohnerInnen)
  • Statistischer Stichprobenfehler: +/- 2.9 Prozentpunkte (bei N = 1207), +/- 3.6 Prozentpunkte (bei n = 781) beide bei 50%/50%-Verteilung und 95% Wahrscheinlichkeit.

Dennoch sind die Diskussion über die technischen Berichte zu Umfragen nicht abgeklungen. Das hat zwei Gründe:

Erstens, Nicht-Mitglieder der Branchenvereinigung müssen sich nicht an die Vorgaben halten. Das betrifft vor allem ausländische Institute, die in die Schweiz drängen, und sich in der Regel nicht um eine Verbandsmitgliedschaft in der Schweiz kümmern resp. sich auch nicht an den etablierten Standards orientieren.

Zweitens, Medien sind besondere Kunden, denn sie sind gleichzeitig auch wichtige Verbreiter von Umfrageergebnissen. Die Entwicklung bei den Medien, technische Berichte weiterzugeben verläuft unterschiedlich; einige sind hier aktiver, die meisten passiv. Das gilt vor allem dann, wenn es sich um kurze Meldungen zu Ergebnissen handelt.

Es laufen gegenwärtig Diskussionen, wie das verbessert werden kann. Unmittelbarer Ansatzpunkt ist der regelmässige Dialog mit dem Medienkunden. Mittelbar ist denkbar, dass der Verband der Umfrageinstitute interveniert, wenn sich ein Medium nicht an die Vorgaben hält. Am besten wäre es, der Presserat würde hier Klarheit schaffen, Vorgaben machen und als Organ der Massenmedien selber intervenieren.

Ein gutes Beispiel aus unserer Sicht, das für die aktuellen Veränderungen steht, die in dieser Hinsicht stattfinden, kann man hier nachschlagen.

Erste Aussichten auf die Volksabstimmungen vom 1. Juni 2008

Zürich/Bern – Sechs Wochen vor der eidgenössischen Abstimmungen zeigt eine SRG-Befragung eine relative Mehrheit für die Einbürgerungs-Initiative der SVP. 48% hätten am letzten Sonntag für die Initiative gestimmt, 37% dagegen und 15% waren unentschlossen. Die Initiative „Volkssouveränität statt Behördenpropaganda“ findet mit 27% Ja und 57% Nein wenig Zuspruch. Für den neuen Gesundheitsartikel in der Bundesverfassung sprachen sich 62% aus, 18% hätten ihn abgelehnt. Allerdings ist die Zahl der Unentschlossenen bei dieser Vorlage mit 20% relativ hoch, zudem hat der Meinungsbildungsprozess hier erst eingesetzt. Dies sind die Hauptergebnisse der neusten, repräsentativen Umfrage der SRG SSR idée suisse, die das Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 14. April und 19. April 2008 bei 1207 stimmberechtigten Personen in allen Landesteilen durchgeführt hat.

Initiative für demokratische Einbürgerungen

Die Befragung zeigt bei der Initiative „für demokratischen Einbürgerungen“, dass heute nicht alle Wählerschaften den Parolen ihrer Mutterparteien folgen würden. An der Basis der FDP würden 57% für die Initiative stimmen und 31% dagegen (12% Unentschlossene), bei den CVP-Wählenden würden 50% Ja zur Initiative sagen und 35% Nein. Die Initiative ablehnen würde die SP-Basis (53% Nein zu 41% Ja), bei den Grünen überwiegt das Nein mit 48% Ablehnung zu 41% Zustimmung. Die Wählerschaft der SVP, aus deren Kreisen die Initiative lanciert wurde, befürwortet das Volksbegehren mit 74% Ja gegen 28% Nein. In der Wählergruppe der Parteiungebundenen sind noch relativ viele unschlüssig: 29% wollten sich noch nicht festlegen, 43% wollten für die Initiative stimmen und 28% dagegen. Nach Sprachregionen betrachtet wollen in der Deutschschweiz 49% für die Initiative stimmen, 37% dagegen und 14% sind noch unentschlossen. Mit 43% Ja und 42% Nein halten sich die Stimmabsichten in der französischen Schweiz die Waage. In der italienischsprachigen Schweiz überwiegt die Zustimmung mit 48% Ja und 21% Nein.

Im Argumente-Test schwang eine Aussage der Initianten obenaus: 66% der Befragten stimmten dem Argument zu, gerade angesichts der Kriminalität unter eingebürgerten Jugendlichen sei es wichtig, dass die Gemeinden volle Entscheidungsfreiheit bei Einbürgerungen hätten. Die beiden anderen Argumente der Initianten, es gebe zu viele Einbürgerungen oder die Einbürgerung sei ein politischer Entscheid, fanden keine absolute Mehrheiten. Andererseits befürworteten 83% das Nein-Argument, es brauche wirksamen Schutz gegen Diskriminierung und 70% waren der Meinung, es müsse einen Schutz vor Willkür geben. Sogar 83% sagten, abgelehnte Einbürgerungen müssten zwingend begründet werden.

Insgesamt betrachten die Politikwissenschafter von gfs.bern den Ausgang der Abstimmung über diese Initiative als „offen“.

Initiative „für Volkssouveränität und gegen Behördenpropaganda“

Die aus rechtsbürgerlichen Kreisen lancierte Initiative „Volkssouveränität statt Behördenpropaganda“ hat einen schweren Stand: 57% lehnten das Begehren in der Befragung ab, 27% hätten Ja gestimmt. In allen Wählerschaften der Parteien SP, CVP, FDP und der Grünen wird die Initiative mit absoluter Mehrheit abgelehnt. Bei der SVP, die als einzige grosse Partei das Volksbegehren unterstützt, überwiegt die Zustimmung an der Basis mit 44% Ja und 38% Nein. Über 80% der Befragten waren der Meinung, die Stimmberechtigten hätten das Recht, über die Haltung des Bundesrates vor Abstimmungen informiert zu werden und die Regierung die Möglichkeit haben müsse, auf falsche oder irreführende Äusserungen von Privaten reagieren zu können.

Gesundheitsartikel

Beim neuen Verfassungsartikel „für Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Krankenversicherung“ sind wesentlich mehr Befragte als bei den beiden Initiativen noch unschlüssig (20%). Der hohe Ja-Anteil von 61% für diese Vorlage erklärt sich mit der positiven Bewertung der Ziele dieser Vorlage. So sind 87% der Befragten der Meinung, dass Reformen im Gesundheitswesen nötig seien. 67% befürworten das Pro-Argument, der Wettbewerb im Gesundheitswesen führe zu einer besseren Kostenkontrolle. Gleichzeitig finden aber 85%, die freie Arztwahl dürfe nicht eingeschränkt werden und ebenfalls 85% sind der Ansicht, die Macht der Krankenkassen dürfe nicht weiter wachsen, zwei Argumente der Gegner also, die von den Befragten klar befürwortet werden. Mit dem Kontra-Argument, der Artikel führe zu einer Zweiklassenmedizin, sind 49% einverstanden, 37% sind gegenteiliger Meinung. Der hohe Anteil Unentschlossener und die zum Teil widersprüchliche Bewertung der Argumente lassen laut gfs.bern den Schluss zu, dass die Meinungsbildung zu dieser Vorlage erst eingesetzt hat und die Kampagne der Gegner der Vorlage noch nicht substantiell wahrgenommen worden ist.

Stimmbeteiligung

Bei der gesamten Befragung zu Beginn der Abstimmungskampagne bekundeten 41% die Absicht, am Urnengang teilzunehmen. Dies entspricht einem leicht unterdurchschnittlichen Wert gegenüber bisherigen Abstimmungen.

 

Die technischen Angaben im Detail hier.


Wie bestimmt man Antisemitismus in der Schweiz von heute?

In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift “Berliner Debatte Initial” haben wir aufgrund unserer Antisemitismus-Studie aus dem Jahre 2007 einen Vorschlag vorgestellt, wie man heute am geeignetsten Antisemitismus wissenschaftlich gesichert auf der Ebene von Individuen bestimmen kann.

Ausgangspunkt unserer Ausführungen sind Einstellungen, nicht Verhaltensweisen. Diese sind zwar für manifesten Antisemitismus von erheblichem Belang, präventive Potenzialbestimmungen bei Individuen lassen sie aber nicht zu.

tabelle2.gif

Innerhalb einer Einstellung sind Gefühlslagen am schnellsten und stärksten situativ beeinflussbar. Sie sind deshalb für sich alleine betrachtet kein guter Indikator für die Potenzialbestimmung. Geeignet sind aber Veränderungen in den Kognitionen, also den Bildern, insbesondere auch der Stereotype, mit denen man man sich die Welt erschliesst. Klar am besten verwendet können Konationen und Bewertungen. Sie drücken am deutlichsten aus, was man denkt. Eine kohärent antisemitische Einstellung erkennt man daran, dass alle Elemente betroffen sind und in die gleiche Richtung weisen.

Geeingente Indikatoren systematisch negative Meinung in den neuralgischen Fragen, welche die Eigenschaften der Juden und Jüdinnen betreffen, also

. zu ihrer Macht in der Welt oder im eigenen Land,

. zum Abgrenzungsverhalten der Juden/Jüdinnen,

. zur Eigenverschuldung der Probleme in der Gegenwart und

. zur Ausnützung der Geschichte, um sich eigene Vorteile zu verschaffen.

Damit korresponideren gehäuft auftretende negative Stereotypen wie

. “geldgierig”,

. “machthungrig” und

. “politisch radikal”.

Schliesslich gehören emotionale Enttäuschungen gegenüber der jüdischen Bevölkerung dazu.

Negative Einstellungen zu Isreal kommen zwar bei antisemitisch eingestellten Menschen häufiger vor als sonst. Das betrifft vor allem die Enttäuschung über Verhalten von Israel und die Kritik an den Juden und Jüdinnen im eigenen Land, mit Isreal unkritisch und überloyal zu sein. Finden sich diese Elemente aber ohne die oben genannten antisemitischen Kennzeichnungen der Einstellungen, sollte man präzis nur von einer antiisrealischen, nicht aber antijüdischen und damit auch antisemitischen Einstellung sprechen.

Unsere so erfolgte Potenzialbestimmung für die Schweiz kam zu Schluss, dass 10 Prozent der EinwohnerInnen der Schweiz antisemitisch eingestellt sind. 28 Prozent der BewohnerInnen der Schweiz zeigen darüber hinaus mindestens auf der Ebene der Kognitionen Denkstrukturen, die dem Antisemitismus verwandt-, vom Kernpotenzial aber deutlich zu unterscheiden sind. Bei weiteren 15 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz findet man darüber hinaus eine emotionale Verstimmtheit mit Israel und/oder Juden, die wir aber als situativ bezeichnen und auch nicht zum punktuell antijüdischen Potenzial zählen.

Oder anders gesagt: Gut 50 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz reagieren gegenwärtig mehr oder weniger negativ auf Juden und/oder Isreal. Bei bei 10 Prozent der Menschen, die über 18 Jahre alt sind und in der Schweiz leben, trifft zu, dass sie eine antisemitisches Einstellungsmuster haben. Diese wurde in einem bisher nicht gekannten, aufwendigen Verfahren konzipiert, diente der emprischen Messung und kann seither (mindestens in der Schweiz) anerkannt als Vorgehenweise gelten, wie man sich dem Thema wissenschaftlich gesichert annähern kann.

Mehr dazu in: Berliner Debatte Initial 1/2 (Antisemitismus), 19. Jahrgang (2008), pp. 43-56

Die grosse Angst ins falsche Umfeld zu geraten

Egal, ob man selber Kinder hat oder nicht. Egal, ob man selber verheiratet ist oder nicht. Wenn es um Fragen der Familien, reden die Leute gut und gern in Umfragen.

08-08-familienmonitorlogo02.gif

Die Antworten, die man dabei erhält, gehen allerdings weit auseinander.Das hat den “Beobachter” bewogen, in dieser Sache initiativ zu werden. Er hat das Forschungsinstituts gfs.bern Ende 2007 beauftragt, einen Familienmonitor aufzubauen, das heisst ein systematisches Beobachtungssystem zu etablieren, das bei Familien und Nicht-Familien, die in der Schweiz leben, hinsichtlich ihrer Einstellungen zum Kinderhaben, zur Familiengründung und zur individuellen resp. gesellschaftlichen Verantwortung relevante Daten erhebt.

Die erste Ausgabe des Beobachter-Familien-Monitors erscheint heute. Hier einige zentralen Aussagen, die uns – den MacherInnen – des Familienmonitors, am Ende der Studienausarbeitung am meisten aufgefallen sind:

. Die Familie als Institution bleibt in der schweizerischen Gesellschaft grundlegend akzeptiert.
. Die Definition der Familie erweitert sich stark und uneinheitlich, und damit steigt auch die Vielzahl an Erwartung an das, was Familien leisten sollen.
. Ein Gefühl der Ueberforderung mit der Elternschaft macht sich breit.
. Bei der Familiengründung bleibt, allen bisherigen öffentichen Debatten zum Trotz, die Polarität von Zielen wie Kinderhaben und beruflicher Karriere, entscheidend.
. Die heutige Kinderbetreuung ist bei weitem nicht normiert; sie schwankt stark zwischen intensiver und extensiver Kinderbetreuung.
. Die Intensität der Kinderbetreuung führt zu sehr unterschiedlichen Bewusstseinsformen zur Familien und verschiedenartigen Bedrohungsbildern.
. Die Angst, Kinder aufzuziehen, die dann in ein “falsches” Umfeld geraten, ist heute die stärkste, die Eltern beschäftigt. Das negative Bild der Familienumgebungen, das heute verbreitet ist, trägt dazu bei!

Wir hoffen mit dem Beobachter, dass das sich dazu eine öffentliche Diskussion über Folgen für Politik, Gesellschaft, Eltern und Individuen ergibt.

VOX-Trendbericht: Kampagnenkommunikation im Umbruch

Die Regierungskommunikation wird im Vorfeld der Volksabstimmung über die sog. “Maulkorb”-Initiative wieder ein Thema sein. Da kommt der VOX-Trendbericht, der die Jahre 2004 bis 2007 im Quervergleich (unter anderem) dazu ausleutet, gerade recht.

Vier zentrale Ergebnisse der Langzeitstudie zur politischen Kultur der Schweiz, die mit den VOX-Analysen verbunden ist und die Regierungskommunikation betreffen, lauten:

. Zeitungen und Fernsehen bleiben während Abstimmungskämpfen die wichtigsten Informationsquellen. Sie rangieren in der Nutzung vor dem automatisch verschickten Abstimmungsbüchlein der Behörden.

. Das Bundesbüchlein wird seit der Neugestaltung vor allem von der älteren und mittleren Altersgruppen weniger genutzt. Die Popularisierung findet aber bei jüngeren Altersgruppen einen guten Widerhall.

. In der Mediennutzung während Abstimmungskämpfen zeichnen sich eine generelle Verände­rungen ab: Es findet eine allgemeine Wiederbelebung in der Nutzung von Plakaten statt. Auch das Internet und damit verbunden die Informationen am Arbeitsplatz gewinnen als zielgruppenspezifische Medien der Kampagnenkommunikation neu an Bedeutung.

. Die anderen Medien politischer Kampagnen behalten ihren Stellenwert als Populär- oder Zielgruppenmedien, auch wenn sie bei den jüngeren Al­tersgruppen noch nicht so häufig genutzt werden wie bei den älteren.

Der ganze Bericht kann hier runtergeladen werden.