Archive for Dezember, 2007

Dreissig Jahre Sorgenbarometer als Dienstleistung

Der Sorgenbarometer hat sich als Marke etabliert. Wer wissen will, wo der Bevölkerung der “Schuh drückt”, schlägt das hier nach.

PolitikerInnen, Verwaltungsleute, Medienschaffende, Studierende, LehrerInnen und BürgerInnen wenden sich regelmässig an uns. Sie wollen wissen, ob was die Menschen beschäftigt. Sie wollen hören, ob sie mit ihrer Sorgen alleine sind. Und sie wollen erfahren, in welche Richtung sich die öffentlichen Meinung diesbezüglich verändert.

Das ist denn auch der grosse Vorteil vom Sorgenbarometer. Er wird seit 30 Jahren in vergleichbarer Form gemacht. Einzig Mitte der 90er Jahre wurde das Konzept einmal gründlich revidiert. Ansonsten werden Design, Fragebogen, Stichprobe und Institut streng konstant gehalten.

Dahalb fühlt der Sorgenbarometer nicht nur die heutige Temperatur in Gesellschaft und Politik. Er misst auch, was sich ändert. Und was sich im Sorgenbarometer entwickelt, ist nicht nur ein Artefakt, das entsteht, weil man Aepfel und Birnen vergleicht. Es geht mit den Sorgen auf- oder abwärts, weil man hier ein zuverlässiges Messinstrument hat.

Die Credit Suisse hat das Sorgenbarometer von Beginn weg getragen, ohne inhaltliche Vorschriften zu machen. Es ist 1978 auf Initiative von Dr. Victor Erne für das damalige SKA-Bulletin entstanden. Und es hatte die Absicht, zwischen wirtschaftlichen und politischen Eliten einerseits, der Bevölkerung anderseits zu einem Informationsinstrument zu werden. Das hat es, wie die Berichterstattung 30 Jahre danach zeigt, auch vollends geschafft.

Unsere Kundin hat in den letzten Jahren auch stark daran gearbeitet, den Dienstleistungscharakter des Sorgenbarometer auszubauen: Es wird gegenüber der Politik vermittelt; es wird breit auf Internet zur Verfügung gestellt. Und es erscheint in diesem Jahr erstmals als eigentständiger Sonderdruck.

Die www-Adresse enthält zudem, für alle, die, gestützt auf dieser Qualitätsmarke, einen Vortrag halten wollen, ein grosses Arsenal an vorbereiteten Folien, die man sich gratis runterladen kann!

Doppelter Wechsel bei gfs.bern: Laura Kopp und Matthias Bucher neu in der Projektleitung

Monia Aebersold und Bianca Rousselot verlassen gfs.bern auf Ende Januar 2008. Wir danken Ihnen beiden herzlich für ihren Einsatz für unser Institut und wünschen ihnen für ihre Zukunft alles Gute. Beide Projektleiterinnen verlassen das Institut auf ihren eigenen Wunsch hin nach sechs- respektive drei Jahren Tätigkeit beim Forschungsinstitut gfs.bern.

Matthias Bucher

Matthias Bucher ist 1977 geboren und hat in Bern Medien-und Sozialpsychologie, Methodik der empirischen Sozialforschung und Politische Philosophie studiert. Er war seit 2006 an der Universität Bern wissenschaftlicher Assistent am psychologischen Institut und 2005 an der Weltausstellung in Japan tätig. Während des Studiums war er Hilfsassistent und machte ein Praktikum bei Swisscom Innovations.

Laura Kopp

Laura Kopp ist 1973 geboren. Sie hat nach ihrem Studium der Politikwissenschaft in Zürich bereits VOX-Berichte verfasst. Sie hat auf zweitem Bildungsweg Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Informatik studiert und hat ursprünglich die Handelsdiplomschule gemacht. Sie leitete vor ihrem Studium unter anderem die Adminstration eines Marktforschungsinstituts. Nach dem Studium war sie zunächst Assistentin am politikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich und danach im Prorektorat Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Zürich tätig, wo sie verschiedene Projekte im Bereich der Qualitätsentwicklung der Lehre leitete.

Beide BewerberInnen haben sich im Bewerbungsverfahren mit fundierter Methodenkenntnis, Erfahrungen im Projektbereich und durch einen überzeugenden Auftritt für diese Stellungen besonders empfohlen. Ihr Forschungsprofil stellen wir auf unserer Geschäftshompeage vor (Links zu den Personen).

Die Übergabearbeiten sind weit fortgeschritten und wir freuen uns in neuer Team-Zusammensetzung auf die Projekte im 2008.

Ihr Forschungsprofil stellen wir hier vor.

Die Zusammensetzung des Bundesrates ist entscheidend

Michael Hermann von der Forschungsgruppe sotomo an der Universität Zürich veröffentlichte am Wochenende eine interessante Zusammenstellung zur Position des heutigen Bundesrates.

Erstmals hat er die Stellungnahmen der Landesregierung zu den Motionen und Postulaten untersucht, welche die 5 grösseren Fraktionen in den letzten acht Jahren eingereicht haben. 4 Jahre davon war unter der alten Regierung, 4 unter der neuen. Das ist ein Quasi-Experiment. Man kann so die Frage diskutieren, was die Aenderungen der Bundesratszusammensetzung für Folgen gehabt haben.

Erstens, die FDP hat nach 2003-2007 relativ gesehen klar mehr parlamentarische Vorstösse eingereicht als in der Legislatur zuvor. Relativ gesehen rückläufig sind die Motionen und Postulate bei der CVP, und auch bei den Grünen. Konstant sind sie bei der SVP und der SP.

Zweitens, der Bundesrat hat 2003-2007 FDP-Vorstösse deutlich häufiger unterstützt als in Legislatur zuvor. Bei der SVP ist die Zustimmungshöhe stabil. Klar rückläufig ist die Zustimmung zu Vorschlägen aus den Reihen der CVP, der SP und der Grünen.

Hermann schreibt rückblickend dazu: “Der Bundesrat in alter Zusammensetzung stand der CVP am nächsten. (…) Das heisst, dass der damalige Bundesrat mit Ruth Metzler und Kapsar Villiger in seinen Reihen vor allem Anliegen aus der Mitte unterstützte. Mit ihren Empfehlungen stimmte die frühere Regierung zu einem erstaunlich hohen Mass mit dem Parlament überein, was zeigt, dass sich die Mehrheitsmeinung in den beiden Gremien deckte.” Und zum gegenwärtigen Bundesrat hält er fest: “Mit dem Bruch mit der alten Zauberformel vor vier Jahren entfernten sich die politischen Positionen von Exekutive und Legislative. (…) Nicht mehr die CVP, sondern die FDP spielt das “Zünglein an der Waage. (…) Während die FDP in der Gunst des Bundesrates gestiegen ist, haben es Motionen und Postulate aus der Ratsmitte und von links seither deutlich schwerer, das Plazet der Regierung zu erhalten. ”

Man kann das auch so deuten: Der Erdrutschsieg der SVP 2003 hat die Stärke dieser Partei im Bundesrat erhöht. Weil das zu Lasten der CVP ging, hat sich die Mehrheit des Bundesrates nach rechts verschoben. Das ist nicht nur persenell und parteipolitisch der Fall gewesen; es hat sich auch auf die Einreichung und die Bewertung der parlamentarischen Arbeit nachweislich ausgewirkt. Von der Entwicklung nach 2004 profitierte vor allem die FDP.

Das ist, folgert Hermann, 2007 mit der Wahlniederlage der FDP nicht anders geworden. “Rein arithmetisch besitzt die CVP das Potenzial, die Zusammensetzung der Regierung entscheidend zu gestalten. Sie könnte dabei sogar mit dem Volkswillen argumentieren: Sowohl im National- als auch im Ständerat haben die Wahlberechtigten der CVP die Rolle der Mehrheitsmacherin zugestanden.”

Natürlich kommt diese Aussage nicht einfach so daher. Sie ist ein Teil der Vorbereitungen der Bundesratswahlen 2007. Im Kern hat sie dennoch news-Wert. Den bisher haben es PolitologInnen vermieden, den Bundesrat aufgrund seiner inhaltlichen Stellungnahmen in Beziehung zum Parlament und zum WählerInnen-Volk zu setzen. Dass das jetzt in der FDP-nahen “NZZ am Sonntag” steht, machte es um so beachtenswerter.

Unterschiedliches Abschneiden der parteipolitischen Blöcke in den Landesteilen

Die Bürgerlichen und Rechtsparteien haben bei den jüngsten Nationalratswahlen ihre gesamte Wählerstärke leicht ausbauen können. Das linksgrüne Lager dagegen wurde etwas schwächer. Zwischen den Landesteilen gibt es indes markante Unterschiede. Das zeigt die soeben veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Statistik zu den Nationalratswahlen 2007

Das bürgerlich-rechte Lager (SVP, FDP, CVP, LP, kleine Rechtsparteien) legte gegenüber 2003 um 0,2 Prozentpunkte zu und kam auf 63,5 Prozent – dies vor allem dank des SVP-Sieges.

Der linksgrüne Block (SP, Grüne, kleine Linksparteien) verlor, trotz des Erfolges der Grünen, gegenüber 2003 2 Prozentpunkte und kam noch auf 30,4 Prozent Wähleranteil.

Das Verhältnis zwischen den Blöcken ist allerdings gesamtschweizerisch relativ stabil.

Während das bürgerlich-rechte Lager in den deutschschweizerischen Kantonen und im Tessin überdurschschnittlich zulegen konnte, schnitt es in der Romandie so schlecht ab wie nie in den letzten 36 Jahren. Dagegen vermochten sich die linksgrünen Kräfte in der französischsprachigen Schweiz zu einer Bestmarke von fast 38 Prozent zu steigern, während sie in der Deutschschweiz Rückschläge hinnehmen mussten.

Mehr dazu hier.