Archive for Oktober, 2007

smartvote ist der eigentliche Wahlsieger 2007

FĂĽr mich heisst der Wahlsieger 2007 “smartvote!”, die populär gewordene elektronische Wahlhilfe.

Gepflegt ist die homepage von smartvote. Dezente sind die Farben, die im einfachen stiling auf einen wirken. Das macht den ganze Internetauftritt von smartvote fast schon elegant.

Klug war auch das Marketing. Den feschen und wenigen feschen Kandidierenden boten sie eine Plattform zu Eigenprofilierung. Den Wählenden offerierte man die Möglichkeit, ihr eigenes, politisches Spinnennetz zu erstellen, und so sich selber und die ihnen am nächsten stehenden KandidatInnen zu erkennen.

Listig haben die smartvotler damit die ganze politische Bürgerschaft dokumentiert. Fast eine Million Wahlberechtigte sollen sich so freiwillig registriert haben. Und für 187 den 200 Gewählten im Nationalrat gibt es jetzt ein einmaliges politische Nachschlagewerk. Das wird keiner pfiffigen und keinem pfiffigen Journalisten entgehen: Die nächsten vier Jahre wird wie noch nie kontrolliert werden, ob vor der Wahl auch nach der Wahl ist.

Clever hat die eigentliche Innovation dieses Wahlkampfes bewiesen, dass nicht einfach Föteli der BewerberInnen gefragt sind. Dass Personen nicht nur Emotionen transportieren, wie die Headlines der Medien suggieren. Nein, dass es auch 2007 ein eigentliches Bedürfnis gegeben hat, sich mit politischen Themen und Positionen der Parteien und KandidatInnen auseinander zu setzen.

Schlau, seit ihr, ihr Wahlsieger! Sogar ich bin euch beim Wahlentscheid halb gefolgt.

Claude Longchamp

smartvote

Wenn mans genau nimmt: Wahlbarometer mit Trendextrapolation noch genauer

Wir sagen es bei jeder Gelegenheit: Das Wahlbarometer war für die fünf grössten Parteien im Schnitt auf ein Prozent genau im Vergleich zum Endresultat und hat die Gewinner und Verlierer und die Beteiligung präzise erfasst.

Erstmals haben wir eine Prognose zur Wahlbeteiligung veröffentlicht. Diese war mit Hilfe der Trendextrapolation sehr präzise. Dieses Verfahren ist heikel, wie es Prognosen sowieso sind. Deshalb haben wir keine Prognosen zu den Wählerstärken der Parteien veröffentlicht. Dies vor allem, weil wir die Mobilisierungswirkungen der Krawalle von Bern ausserhalb der SVP ohne Umfragen nicht einschätzen konnten.

Eine Trendextrapolation wird möglich, sobald drei zeitliche Werte vorliegen, die einen Trend ergeben. Das war bei der Beteiligung der Fall, was uns eine Prognose ermöglichte. Es war aber auch bei vier von fünf Parteien der Fall wie die Grafik zeigt:

-Die SVP und die FDP legten kontinuierlich zu – der Trend war steigend.
-Die SP und die GrĂĽnen verloren kontinuierlich – der Trend war sinkend.
-Keinen Trend gab es bei der CVP.

Trendextrapolation

Mit Hilfe der Trendextrapolation wären also unsere Ergebnisse noch genauer gewesen bei FDP, SP, GrĂĽnen und auch der SVP. BerĂĽcksichtigt man zudem die Krawalle in Bern, die nach der Wahlbaromter-Befragung stattfanden, und nimmt man zur Kenntnis, dass “Bern” Rechts mehr mobilisierte als Links, dann war das Wahlbarometer tatsächlich in noch höherem Mass genau als der direkte Vergleich zwischen Wahlbarometer und Wahlen.

Es bleibt aber dabei: Trendextrapolationen sind heikel, weil sie suggerieren, dass sich zwischen Interviews und Wahltermin nichts ändert. Das zeigte sich schon mehrmals bei Abstimmungen. Gerade Bern zeigte, was dies auch bei Wahlen heissen kann. Auch in den Wahlen von 1999 und 2003 gingen wir von erheblichen Mobilisierungswirkungen der Ereignisse der letzten Wochen aus. Diese Ereignisse müssen überhaupt nicht immer mit den Trends der letzten Wahlbarometer kongruent sein, wie dies 2007 der Fall war.

Unser “Wahllokal”

Wahllokal

Sonntag 21. Oktober, Punkt 12:00 Uhr; Startschuss fĂĽr uns vom gfs-Befragungsdienst mit der Umfrage zum Wahltag zu beginnen. Zehn Minuten vorher haben wir das “go” von der Projektleiterin Bianca Rousselot erhalten. 45 Interviewer haben sich bereits ab 11:30 eingeloggt, um einen Test mit dem Fragebogen durchzufĂĽhren, sich im Thema einzudenken, und sich Fragen zu stellen, was fĂĽr Antworten wohl kommen können. so bleibt Zeit fĂĽr RĂĽcksprache und Anmeldung bei der Supervision ,ob alles i.o. ist.

Und los geht’s!

Für uns ist es keine Frage, ob wir es schaffen werden, die 1000 repräsentativ ausgesuchte Schweizer und Schweizerinnen, die gewählt haben, in einem 5 Minuten-Interview zum Wahlverhalten und zur Meinungsbildung bis am Abend befragen zu können. Alle Interviewer sind alte Hasen, haben viele Wahlbarometer-Interviews geführt und wissen, wie sie die Schweizer und Schweizerinnen dazu motivieren können bei einer solchen Umfrage mitzumachen. Das Interesse in der wählenden Bevölkerung ist bei dieser spannenden Befragung denn auch gross, und bis auf ein paar Langschläfer stört sich kaum einer daran, am Sonntag angerufen zu werden.

Im Gegenteil: “Ă„ntlich lĂĽtet Sie mir mal aah, ich han mich scho immer gfröged, wär da dänn befrögt wird..”,. meint ein ĂĽberzeugter SVP-Wähler gleich nach Studienstart! Nun ist er beruhigt. Im Halbstundentakt werden Ergebnisse am Fernsehen aus der Hochrechnung ĂĽbertragen, interessanterweise steigt fast Zeitgleich die Mitmachbereitschaft der Befragten. “Ich gib ihnä grad mini Meinig, aber jetzt red de Longchamp am Fernseh sie mĂĽnd also schnäll warte”, meint eine junge Frau, welche wissen will, ob die GrĂĽnen wirklich zulegen oder nicht; jubelnd kommt sie zurĂĽck ans Telefon.

Kurz nach 19 Uhr sind die 1000 Interviews drin. Wir schicken die Ergebnisse dem Projektleiter direkt in’s Fernsehstudie und schliessen unser “Wahllokal” auf dem Weg zu einem feinen Nachtessen und einem guten Glas Wein. Jetzt mĂĽssen die Forscher vom gfs.bern arbeiten!

Georges Ulrich

Institutsleiter gfs-befragungsdienst

Plusminus wieviel

Einen Lerneffekt hatten die Wahlen 2007: Man weiss jetzt, dass Stichprobenerhebungen, repräsentativ gemacht, einen statischen Fehlerbereich haben. Doch man ist damit noch nicht am Ziel: Man muss nun auch lernen, diesen vernünftig einzusetzen!

Der Schweizerische Verband der Markt- und Sozialforschungsinstitute schreibt in seinen Richtlinien seinen Mitgliedern vor, bei jeder Publikation von Stichprobenerhebungen die Fehlerspanne zu kommunizieren. Wir halten uns lückenlos daran. Jede Veröffentlichung , egal ob sie Wahlen betrifft oder etwas anderes, muss einen technischen Kurzbericht haben, und jeder technische Kurzbericht muss auf die statistische Fehlerquote verweisen.

Wir haben uns in den letzten 4 Jahren auch dafür eingesetzt, dass die SRG, die am prominentesten unsere Umfragen veröffentlicht, das übernimmt. Mehr oder minder ist uns das gelungen. Die Richtung stimmt, also eher +. Bei den Sekundärmedien ist das leider noch häufig nicht der Fall, also eher -.

Ganz sicher ist das Minus bei der vorherrschenden Leseweise: Leider irrefĂĽhrend ist die verbreitete Vorstellung, dass bei einer kommunizierten Fehlerquote von beispielsweise +/- 2.2 Prozentpunkten und einem Befragungswert von 50 Prozent wahlbeteiligung jeder Wert ausserhalb von 52.2 und 47.8 Prozent an sich falsch ist, resp. jeder Wert innerhalb dieser Spanne an sich richtig ist.

Der Grund: Statistische Fehlerquoten berechnen sich aufgrund der Wahrscheinlichkeitstheorie. Diese hilft, verschiedene Randbedingungen einer Aussage gegeneinander abzuwägen; es geht um drei Sachen:

. die Sicherheit von Aussagen

. die Stichprobengrösse

. die Fehlerquote.

In den Sozialwissenschaften hat sich eine Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 auf 100 als Massstab eingebĂĽrgert. Das heisst: Aussagen, die mit Stichprobenerhebungen gemacht werden sind, nie richtig oder falsch, sondern wahrscheinlich oder unwahrscheinlich.

Eine Sicherheit von 95 Prozent – oder eine Irrtumsmöglichkeit von 5 Prozent – bedeutet: Bei 2000 Befragten und einem Umfragewert von 50 Prozent fĂĽr die Wahlbeteiligung ist die Fehlerquote +/- 2.2 Prozent. Oder anders gesagt: Mit 95prozentiger Wahrscheinlichkeit liegt der Wert in der Grundgesamtheit (”den Wahlberechtigten”), die mit einer Stichprobe von 2000 Interviewten befragt worden ist, bei der Wahlbeteiligung effektiv zwischen 47,8 und 52,2 Prozent. Das war im Konkrenten Fall des letzten Wahlbarometers auch der Fall. Die letzte Umfrage vor den Wahlen kam auf 50 Prozent, der effektive Werte war 49 Prozent.

Nun kann die Vorgabe, dass man 95 Prozent Sicherheit will, auch verringern. Dann dann ergeben sich bei der gleichen Umfrage kleiner Intervalle, die mit geringerer Sicherheit eintreffen.

Zwei Beispiele: Geht man von einem Intervall von +/- 1 % aus, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Umfragewert (mit Fehlerquote) stimmt, noch 62 Prozent. Das war auch im zitierten Fall – de justesse – der Fall. Noch konreter: Wer aufgrund der 50 Prozent Wahlbeteiligung in der Umfrage annimmt, in der Realität liege zwischen 48 und 52 Prozent, irrt sich mit nur 5prozentiger Wahrscheinlichkeit. Wert sagt, sie liege zwischen 49 und 51 Prozent, täuscht sich mit 38prozentiger Wahrscheinlichkeit.

Wer es bildhaft möchte: Die Fehlerquote ist nicht nicht ein quadratischer Kasten mit klaren Grenzen, der absolut gilt. Die 95prozentige Sicherheit ist eine Konvention. Sie ist in den Sozialwissenschaften verbreitet. Man kann sie aber auch aufweichen, und dann gelten andere Sicherheitsmasse. Diese lassen sich anhand einer Glockenkurve recht gut bestimmen.

Gaussche Verteilung - richtig oder falsch

Soweit die Theorie. Nun die Praxis.

Wer 20 Aussagen aufgrund einer Umfrage macht, muss – rein statistisch gesehen – bei 95prozentiger Sicherheit 19 Mal innerhalb der genannten Fehlerquoten bleiben; einmal darf man auch ausserhalb sein. Das war diesmal, bei den 6 zentralen Aussagen (Wahlbeteiligung, 5 grösste Parteien, Kleinparteien unter um 2 Prozent können hier nicht sinnvoll berĂĽcksichtigt werden) stets der Fall.

Bei 62prozentiger Sicherheit muss man in 13 Mal innerhalb von +/-1 Prozent bleiben. 7 Mal kann er ausserhalb sein. 2 unserer Hauptaussagen waren ausserhalb, alle anderen innerhalb. Das gilt, selbst wenn wir die Werte fĂĽr 4 Kleinparteien hinzu nehmen, die wir ausgewiesen haben.

Man merkt es: Bei +/-1 Prozent kommen wir im Schnitt an die Grenze der Aussagekraft einer Umfrage wie dem Wahlbarometer. Verbessert werden könnte sie nur noch, wenn man entweder Trendextrapolationen nach der letzten Befragung machen, oder wenn man mit gleichem Aufwand näher an den Wahltag selber Befragungen realisieren würde, um so die Ereignisse der letzten 2-3 Wochen besser abzubilden. Das lassen aber die Einschränkungen des Verbandes nicht zu.

Genau das, was wir hier wiedergeben, war auch in früheren Wahlbarometern der Fall, weshalb wir zwei praktische Regeln für die tägliche Arbeit entwickelt haben:

Wir vergleichen die Befragungswerte mit dem Wahlergebnis 2003 und machen darauf basierend verbindliche SchlĂĽsse.

Wir vergleichen die Befragungswert im Wahlbarometer nicht nur zwischen 2 Wahlbarometern, sondern möglichst im Trend von 3 Umfragen.

Was den Vergleich mit 2003 anbelangt, hatten wir folgende Grenzwerte vereinbart, und den SRG-JounralistInnen stets kommuniziert: Verbesserungen oder Verschlechterungen von 0,5 Prozent gegenĂĽber der letzten Wahl werden nicht interpretiert (”Partei hält sich”). Veränderungen von 0,6 bis 1,0 werden als “leichte Gewinne” resp. als “leichte Verluste” taxiert. Veränderungen von mehr als 1 Prozent zum Wahlergebnis von 2003 waren fĂĽr uns “Gewinne” oder “Verluste”.

Trotz diesen Einschränkungen blieben die Parteistärken alles andere als stabil. Sie folgten wesentlichen Momenten im Wahlkampf, die wir aus früheren Wahlbarometer kannten und beschrieben hatten:

Die Wahlbeteiligungsabsicht stieg vor allem mit dem Einsetzen des Hauptwahlkampfes im Monat August erheblich an; und sie sank im bis zu den Wahlen wieder etwas ab.

Die SVP lag meist unter ihrem Wert von 2003, und sie hatten ihr Tief am Ende des Vorwhalkampfes im Juni 2007. Damals lag sie eineinhalb Prozent unter dem bisherigen Wahlergebnis. Sie legte indessen vor allem im Hauptwahlkampf und während der Mobilisierungsphase nochmals kontinuierlich zu.

Die Grünen stiegen zwischen Oktober 2005 und Frühsommer 2007 praktisch kontinuierlich an; damals lagen sie fast drei Prozent über dem Resultat von 2o03. Die Ereigenisse während der Legislatur und im Vorwahlkampf halten ihr. Im Hauptwahlkampf und während der Schlussmobilisierung sank sie jedoch wieder etwas ab.

Die CVP war durchs Band mehr oder minder stabil, aber fast immer leicht ĂĽber dem Ergebnis von 2003.

Die FDP verlor vor allem während der Legislatur, sank um fast zwei Prozentpunkte. Sie startete im Frühling jedoch verbessert in den Vorwahlkampf, und machte wieder eineinhalb Prozentpunkte wett. Sie konnte dies im Hauptwahlkampf indessen nicht halten, sackte nochmals 2 Prozente ab, um mit der Schlussmobilisierung rund die Hälfte davon auszugleichen.

Die SP schliesslich hielt sich während der Legislatur gut, sank aber ab Frühling 2007 fast kontinuierlich an. Die Zürcher Wahlen waren da der Wendepunkt. Sie hatte einzig im Monat August ein kleines Zwischenhoch, das jedoch nicht anhielt. Sie verlor in der Mobilisierungsphase des Wahlkampfs nochmals deutlich.

Wer diese Leseweise als artifiziell abqualifiziert, studiere mal den Wahlkampf, die Ereignisse, den Mitteleinsatz, und beweise, dass das alles gar nie gar keinen Einfluss gehabe habe.

Wir bleiben unseren analytischen Einschätzungen vor der Wahl, die wir der SRG vermittelten:

. SP und FDP “verlieren”,

. CVP hat “gewinnt leicht”,

. GrĂĽne und SVP “gewinnen”.

. Der SVP verhiessen wir gar einen Rekordgewinn.

Auch das traf dann ein!

“Hure der Wissenschaft” – Das Leben als Mitarbeiter von gfs.bern während Wahlen

Ich arbeite seit 11 Jahren im Forschungsinstitut gfs.bern und bin damit, mit Verlaub, Teil der Marke “Longchamp”. Einer von bis zu 50 Personen, welche hinter der Analysearbeit von Claude Longchamp stehen. Und damit auch einer von bis 50 Personen, welche in den letzten Wochen und Monaten als Manipulator, Alchemist, Zahlenprostituierter oder Hure der Wissenschaft (zugegebenermassen: die “Hure” ist schon ein paar Jahre alt) betitelt wurde, welcher sich zudem irrt, täuscht, wie schon 1999/2003 total verhauen wird, schlicht behauptet, sich auf pseudowissenschaftlichen Hokus-Pokus stĂĽtzt und zudem mindestens jedes und alles mehrfach verheimlicht, zum absoluten Gegenteil und wieder zurĂĽck gewichtet, und dabei trotzdem noch mindestens 5% daneben liegt, wie ja diese, diese, diese und diese Studie, Analyse, Kommentar, hochwissenschaftliche Stimme aus Deutschland oder auch nur Tischgespräch einwandfrei beweisen wĂĽrde. Nicht zu vergessen die regelmässigen anonymen Kommentare auf unseren Blogs, die dermassen unter der GĂĽrtellinie lagen, dass schon das notwendige Löschen eigentlich zu viel der Aufmerksamkeit war, und die ebenso anonyme Briefpost.

Es versteht sich von selbst, dass die Marke “Longchamp” und all ihre Vertreter, all diese VorwĂĽrfe in stoischer Ruhe zu ertragen haben, alles andere wäre ja ein klares Zeichen fĂĽr Eitelkeit, Unsicherheit, Schweissperlen auf der Stirn, ein untrĂĽgliches Zeichen fĂĽr davonschwimmende Schafsfelle, unangebrachte Melancholie, DĂĽnnhäutigkeit, Anzeichen fĂĽr eine Person, die sich selber zu ernst nimmt oder schlechtes Verlierertum. Selbstverständlich darf die stoische Ruhe nicht nur äusserlich sein – nur ein völlige verinnerlichte wortlose Souveränität gegenĂĽber all diese VorwĂĽrfen sei die richtige Geisteshaltung, jedwelche Charakterprägung sei nur ein Zeichen untolerierbarer seelischer Schwäche (die ja sowieso nicht anders zu erwarten gewesen sei).

Nun ja, ich arbeite seit 11 Jahren im Forschungsinstitut gfs.bern und bin damit, mit Verlaub, Teil der Marke “Longchamp”. Und ich blieb in den letzten Wochen nicht ruhig. Ich war von der Aussen-Wahrnehmung unserer Forschungsarbeit (die sich nur am Rande mit meiner Innenwahrnehmung gedeckt hat) aufgeschreckt, traurig und auch enttäuscht. Ich habe mit meiner Frau diskutiert, wieso ich als Zahlenprostituierter bezeichnet wurde und trotzdem keiner bin. Ich habe mich in meinem Umfeld darĂĽber ausgelassen, wieso ich als Manipulator bezeichnet werde und trotzdem keiner bin. Ich habe mich mit all den Studien, Analysen und Kommentaren auseinandergesetzt, welche aus meiner emotionalen Warte mehr auf (sprich: gegen) uns ausgerichtet waren und weniger auf das eigentliche Ereignis, die Wahlen. Ich habe ĂĽber anonyme Kommentare und Briefe den Kopf geschĂĽttelt und ĂĽber Journalisten geflucht. Ich habe schlecht geschlafen und fĂĽhlte mich bewusst missverstanden. Kurz: Ich war nicht stoisch, ich hatte GefĂĽhle und gab ihnen Ausdruck.

Nun sind die Wahlen vorbei und die Umfragen erwiesen sich durchschnittlich als 1% ungenau: ein bisschen mehr bei SP und SVP, deutlich weniger bei FDP und GrĂĽnen. Weder haben wir die Teilnahmeabsicht falsch eingeschätzt, noch der FDP ein nicht-existentes Fiasko attestiert, noch eine sowieso nicht ändernde Parteienlandschaft (wie man gestern in einigen medialen Kommentaren bei einer Verschiebung der SP von 25%! ihres Wähleranteil von “der nicht eingetroffenen, durch Umfragen herbeigeredeten” Verschiebung sprechen kann, entzieht sich sogar meiner Emotionalität) falsch eingeschätzt, geschweige denn war eine Prognose aufgrund der kantonalen Wahlen besser. Nun bin ich auch emotional, ich freue mich schlicht und einfach. Und zwar durchaus im Sinne eines breiten Grinsen. Aber viel mehr darf ich mir als Teil der Marke “Longchamp” nicht erlauben, denn ein Grinsen, das in ein zu lautes Lachen ausartet, wäre dann ja wieder ein Zeichen fĂĽr einen schlechten Gewinner, der sich zu wichtig nimmt, sagt man, und wĂĽrde das auch sofort öffentlich bescheinigen.

Im Schnitt auf 1 Prozent genau

Die Nationalratswahlen 2007 sind vorbei. Die provisorisch amtlichen Endergebnisse liegen vor. Sie lassen einen Vergleich zu den letzten Wahlbarometern zu. Tabelle mit Wahlbeteiligung und den 5 Parteien effektiv, letzte Befragung, Trend letzte Befragungen Demnach kann man festhalten:

Partei Wahlen 2007
Letztes Wahlbarometer Resultat Differenz
SP 21.7 19.5 2.2
GrĂĽne 10.0 9.6 0.4
FDP 15.5 15.6 0.1
CVP 15.4 14.6 0.8
SVP 27.3 29.0 -1.7
Durchschnittliche
Abweichung
1.04
Differenz Befragung – Wahltag 22 Tage

Das Wahlbarometer hielt richtig fest:

. dass die Wahlbeteiligung steigen werde,

. dass die SVP, die Grünen und die CVP WählerInnen-Stimmen gewinnen werden,

. dass die SP und die FDP weniger WählerInnen-Anteile haben werden als 2003.

Der Schnitt der Abweichung zwischen der letzten Befragung und dem vorläufigen Endergebnis bei den 5 grössere Parteien beträgt 1 Prozent. Bei der Wahlbeteiligung sind es 1,2 Prozent. Am genauesten war das Wahlbarometer bei der FDP. Die Differenz liegt schliesslich bis 0,1 Prozent. Bei den Grünen beträgt der Unterschied 0,4 Prozent, und bei der CVP sind es 0,8 Prozent. Etwas grösser sind die Unterschiede bei SP und SVP. Der Aufstieg der SVP wurde zwar richtig ausgewiesen, das Mass jedoch um 1,7 Prozentpunkte unterschätzt. Ebenso bei der SP: Auch hier wurde ein Rückgang in der Umfrage ausgewiesen, er fiel aber um 2,2 Prozentpunkte grösser aus als im letzten Wahlbarometer.

Der Grund ist offensichtlich. Die Ereignisse vom 6. Oktober 2007 in Bern konnten durch das Wahlbarometer nicht erfasst werden. Die Befragung musste am 5. Oktober 2007 abgeschlossen werden, um am 10. Oktober, dem letztmöglichen Publikationstag vor den Wahlen veröffentlicht werden zu können. Die Befragung fand im Schnitt 22 Tage vor dem Wahlsonntag statt.

Alle sechs relevanten Werte liegen dennoch im angegebenen Fehlerbereich. Die grössten Abweichungen haben nach vorläufigen Abklärungen eine gemeinsame Ursache; sie hängen mit der Schlussmobilisierung zusammen. Diese war zwar etwa wie erwartet hoch, doch setzte sie sich unterschiedliche zusammen: Die SVP mobilisierte viel besser Neuwählende, die SP einiges schlechter, als im letzten Wahlbarometer festgehalten.

Auch im Institutsvergleich lässt sich die Genauigkeit des Wahlbarometers ‘07 vergleichen. Die Abweichungen waren im Schnitt bei allen anderen Instituten grösser (Isopublic: 1,4 %), Demoscope (1,6 %), CBC (1,8 %). Auch im Vergleich zur Schätzung der Parteistärken aufgrund der Kantonsergebnisse ist unsere mittlere Abweichung geringer.

Genauere Aufschlüsse und erste Analysen wird die Wahltagsbefragung vom 21. Oktober 2007 geben, die heute, 22. Oktober 2007, 18 Uhr, veröffentlicht werden wird.

Right-shift, Left-shift, or “the same procedure as every year” in Swiss politics after tonight?

The first projection of the national election result by the projections07.ch team has been published at 7 pm tonight. Results:

The SVP wins 2.2 percent and 6 seats
The SP loses 4.2 percent and 9 seats
The FDP loses 1.4 percent and 5 seats
The CVP wins 0.2 percent and 3 seats
The Green Party wins 1.8 percent and 4 seats
The Green Liberal Party wins 2.0 percent and 3 seats

As I said, this is a projection, not the final result.

But how do we interpret this so far?

If you look at the red-green camp as consisting only of the Green Party and the SP, it is on the losing side. The SP loses more seats and votes than the Green Party wins.

If you look at the conservative parties, the SVP, the nationalist party, is the clear winner, whereas the FDP, the centre-right liberal party, is the loser.

Does this mean that there has been a shift to the right in Swiss politics with today’s elections?

Well, unfortunately, the answer is: it depends.

First of all, even though the CVP has not won a lot of votes according to the projection in terms of percentage, it has won seats. This means, at the moment, it draws level with the FDP, which loses 5 seats (at least if you leave out the Liberal Party).

Secondly, yes, the SVP has won 2.2 percent and six seats, but if you take the two green parties, the Green Party and the Green Liberal party, together, they have won 3.8 percent of the votes and 7 seats.

One of the questions will be what the Green Liberal Party will do: will it support policies coming from the red-green camp, or will it side more with the centre parties?

The way it looks at the moment, it seems there has been a shift away from the left today. However, it is not quite clear yet whether this really constitutes a (strong) shift to the right, since also the centre has been strengthened at least in terms of seats.

The SVP most probably can – at the moment – be considered as the winner of the elections – again. It has reached a percentage that no party has reached since 1919, when the FDP gained 28.8 percent of the votes. Something which the SVP achieved probably also thanks to the recent events in the campaign (e.g. on October 6) that no poll has captured.

As a result, the SVP will consider itself as having been given the authority by the people to advocate their more nationalist, more conservative and more isolationist policies in parliament.

However, this is not a landslide election, and the 28.8 percent or 61 seats that the SVP currently reaches in the projections do not give it a majority in parliament.

What does this mean for the direction in which Swiss politics will go in the next four years?

Probably the government will be composed of the same parties, even though perhaps not the same people. No party will have a majority in parliament, and depending on the issue – environment, social policy, taxes, asylum, integration of foreigners, foreign policy – there will be changing coalitions. If compromise is not reached, there will be referendums, and there will also be initiatives if parliament does not take up urgent issues.

In this regard, it will be the same procedure as every legislative period.

Was gilt nun: Polarisierung oder Stabilität?

Wer die Kommentare zum zurĂĽckliegenden Wahlkampf 2007 durchliesst, staunt vorerst: Man bekommt eigentliche alle Arten von Deutungen, – auch die Gegensätzlichsten, Hauptsache sie befriedigen das Wunschdenken:

FĂĽr die einen gilt das Stichwort “Stabilität”: Demnach wird sich in den Parteistärken nicht viel bewegen, es wird im Parlament in etwa alles beim Alten bleiben, und die Zusammensetzung des Bundesrates bleibt wie sie ist.
FĂĽr die anderen setzt sich die “Polarisierung” fort: Die ideologischen Gegensätze wachsen, die Emotionalisierung und Personalisierung der Kampagne ist auf dem Höhepunkte, die unterschiedlichsten Parteien werden gewinnen und eine Veränderung im Bundesrat ist unabdingbar.

Wer von Polarisierung spricht, sollte zwei Sachen unterscheiden: einmal den Wahlkampf, sodann die Wählerbewegungen!

Mit dem Wahlbarometer können wir vor allem zum zweiten, zu den Wirkungen des Wahlkampfes, Stellung beziehen. Und was sind die sinnvollsten Kriterien:

. Erstens, für die Bi-Polarisierung ist entscheidend, dass gleichzeitig die gegensätzliche Pole in der parteipolitischen Landschaft gestärkt werden und sich das WählerInnen-Wachstum auf die grossen Parteien konzentriert. Konkret sind das wie seit 1995 die SVP, abgeschwächt die SP, allenfalls in Kombination mit den Grünen.
. Zweitens, zählt zur Bi-Polarisierung, dass die Zahl der relevanten Parteien zurückgeht resp. es zu einem eigentlichen Parteiensterben kommt. Das Verschwinden des Landesrings der Unabhängigen auf der einen Seite, der Freiheitspartei auf der anderen können als klare Hinweise dafür gelten lassen.
. Drittens, mit der Bi-Polarisierung steigt die Wahlbeteiligung. Neuwählende müssen Demobilisierte quantitativ übertreffen. Vereinfachungeb der politischen Entscheidungen auf digitale Fragen sollten insbesondere die Mobilisierung der Potenziale an den Polen der Parteienlandschaft erleichtern. Das galt in den letzten Wahlen für Rotgrüne eigentlich immer, für die SVP seit 1999 aber auch.
. Viertens, auch im Verhalten der WechselwählerInnen spiegelt sich die Bi-Polarisierung spiegeln. Die Abwanderungen müssen von den Zentrumsparteien ausgehen, und sie müssen in zentrifugale Richtungen gehen. Das war insbesondere 2003 der Fall, als FDP und CVP Wechselwählende verloren, und zwar an die SVP einerseits, an die SP andererseits.

Was nun gilt 2007? Genau werden wir das erst am Sonntag oder am Montag wissen. Die Kriterien der Beurteilung können aber jetzt schon diskutiert werden:

In den Befunden des Wahlbarometers widerspricht vor allem das festgehaltene Wechselwählerverhalten der Bi-Polarisierungsthese. Faktisch gewinnen auf diesem Weg vor allem die Grünen. Sie sammelten Wechselwählende, mit leicht unterschiedlichen Akzentsetzungen je nach Befragungswelle bei der SP, bei den kleine Linksparteien und bei den bürgerlichen Parteien. Zudem kennt die CVP als Mittepartei erstmals positive Wechselbilanzen.
Gegen die Polarisierung spricht auch, dass die Zahl der relevanten Parteien 2007 nicht weiter zurückgegangen ist. Keine Partei ist bis jetzt von der nationalen Ebene verschwunden. Vielmehr drängt mit den Grünliberalen eine neue Partei auf diese, die im linksliberalen Spektrum angesiedelt ist.
Schliesslich sprechen auch die stark unterschiedlichen Tendenzen in allen Umfragen für Grüne und SP gegen eine einfache Polarisierung. Aber auch bei der SVP brachte eigentlich erst der Hauptwahlkampf seit dem August 2007, der bewusst auf polarisierende Themen und Personen setzte, die Mobilisierung des eigenen Potenzials, die sich dann ist steigenden Umfragewerten äusserte.

Die grösste Unbekannte bleibt die Wahlbeteiligung: Ist sie so hoch wie im 7. Wahlbarometer, dann haben wir es mit einer speziellen Mobilisierungswirkung des Wahlampfes zu tun. Sie wĂĽrde Wirkungen zeigen, die seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Schweiz unbekannt waren. Davon profitierten im August ‘07 vor allem RotgrĂĽn und die SVP, – also die Polarisierung. In den beiden letzten Wahlbarometern zeichnete sich indessen ein RĂĽckgang der Beteiligungsabsichten ab. Die hochgradige Emotionalisierung der Wählerschaft, die sich damals abzeichnete, kĂĽhlte sich ab. Sie situativ bedingte Mobilisierungsbereitschaft von damals lief sich StĂĽck fĂĽr StĂĽck aus.

Je mehr sich das fortsetzt, desto eher ist zu erwarten, dass die Bewertungen, die vor dem August ‘07 gemacht wurden, wieder zutreffen. Umso wahrscheinlicher wird dann das Seznario Stabilität mit grĂĽnen Gewinnen.

Je weniger das der Fall ist, umso eher wird die Polarisierungsthese mit einem voraussichtlich ĂĽberproportionalen Ueberhang zur SVP zutreffen.

Die GrĂĽnliberalen bleiben eine Unbekannte bei den Wahlen

Die Grünliberalen waren die grosse Überraschung bei den letzten Zürcher Kantonsratswahlen. Als Abspaltung von den Grünen, mit Anlehnung an liberale Strömungen in anderen Parteien schwangen sie sich gleich auf Anhieb zum eigentlichen Wahlsieger im wählerInnen-stärksten Kanton aus.
Verschiedentlich waren die Grünliberalen Gegenstand von Abklärungen im Wahlbarometer. Die Befunde hierzu lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Erstens, die Grünliberalen haben in gesamtschweizerischen Befragungen ein WählerInnen-Potenzial von rund 2-3 Prozent. Dieses ist im Wahljahr gestiegen.

Zweitens, es kann bezweifelt werden, dass die Grünliberale Partei bei den Nationalratswahlen 2007 auf einen ebenso hohen WählerInnen-Anteil kommt. Das hat in erster Linie damit zu tun, dass rund ein 1 Prozent des Potenzials in Kantonen besteht, in denen die GLP gar nicht kandidiert.

Drittens, herkunftsmässig setzt sich das GLP-Potenzial aus Grünen, SozialdemokratInnen und Freisinnigen zusammen, sowie aus Neuwählenden, das heisst Personen, die vorher nicht wählten.

Viertens, politisch gesprochen rekrutieren die Grünliberalen ihre Wählenden aus dem Mitte/Links-Spektrum, verbunden mit einer klar postmaterialistischen Ausrichtung.

Fünftens, durch den Wechsel des bisherigen Nationalrat Martin Bäumle von den Grünen zu den Grünliberalen haben die Grünliberalen bereits einen Sitz. Möglich ist ein weiterer Sitz in Zürich, während ein solcher in St. Gallen wenig wahrscheinlich ist.

Eine der grösseren Unbekannten bei diesen Wahlen bleibt, was jene Menschen machen, die im Wahlbarometer eine Präferenz für die Grünliberalen geäussert haben, sie aber bei diesen Wahlen nicht einlösen können. Drei Hypothesen lassen sich aus dem Wahlbarometer ableiten:

Erstens: Sie wählen, und zwar die KandidatInnen, die öko-liberal ausgerichtet politisieren wollen, egal in welcher Partei sie sind.

Zweitens: Sie wählen, und zwar die Partei, die ihnen noch am nächsten steht. Das sind die Grünen, die SP und die FDP mit absteigender Wahrscheinlichkeit.

Drittens: Sie wählen diesmal nicht und warten, bis sie in ihrem Wahlkreis ein Parteienangebot im Grünliberalen Spektrum erhalten

Xenophobic brinkmanship and popular misconceptions about Switzerland’s political system, right-wing extremism and racism in the run-up to the Swiss elections

Switzerland’s international media coverage has hardly ever been so broad. All major foreign newspapers cover the events in the run-up to the elections on October 21. Even though one usually interprets such extensive coverage in the sense of “any publicity is good publicity as long as they spell the name right”, in this case, Switzerland starts getting seriously worried about its image in the world. And rightly so.

A phrase from the New York Times article sums up the misconceptions about this year’s elections and Switzerland’s (party-)political landscape nicely:

“(The Swiss People’s Party, or SVP, is) the most powerful party in Switzerland’s federal Parliament and a member of the coalition government, an extreme right-wing party.”

What is wrong with this?

First of all, the SVP is not an extreme right-wing (”rechtsextreme”) party. It is nationalist, it is conservative, but it does not step outside the boundaries of electoral politics. The SVP strongly supports the Swiss constitution, it supports democracy and is one of the most ardent defenders of popular rights and direct democracy in Switzerland. It certainly is a right-wing party with very restrictive policies regarding foreigners, asylum seekers, as well as foreign policy. You could go as far as calling it isolationist. However, it is not “extreme right-wing” (”rechtsextrem”) in an anti-constitutional, anti-democratic sense.

With its recent election campaign it probably has walked on the brink between what is politically acceptable and what is not. The UN, for instance, has criticised its advertisements as racist. However, according to Swiss law, the sheep-billboards do not constitute an act of racism, since the latter has to include discrimination based on race, ethnic group or religion. According to the public prosecution authority of the canton of Zurich, foreigners do not fall into this category. Besides, the SVP proposes to deport criminal foreigners because of their criminal offences, not because of ther nationality. However, also according to the public prosecutor in Zurich the SVP’s campaign can be considered as xenophobic, and it has certainly provoked and antagonised people, contributing to a tense and polarised climate in the run-up to the elections. Still it needs to be maintained: xenophobic ist not the same as racist. The latter is a criminal offence, the former not.

Secondly, while the SVP is the party with the highest proportion of votes, it only has a relative majority in Parliament – and even this only in one chamber, the National Council, not in the Council of States. The SVP will probably get between 26 and 28 percent of the votes and a corresponding number of seats in the National Council. This is a far cry from parties who win the majority in a first-past-the-post system, and still less than parties with a relative majority in a system with proportional representation such as Germany. So while the SVP is “the most powerful party” in one of the chambers of Parliament, it needs the votes of at least two other parties in order to win votes and pass legislation. Quite apart from that, in Switzerland’s direct democratic system, also the views of non-parliamentary actors have to be taken into account in the consultation process that is an institutionalised part of the legislative process in Switzerland. And of course in the end all laws can be challenged and vetoed by the people themselves when a referendum is called. So the idea of the SVP being the “most powerful party” really has to be put into perspective.

Lastly, yes, the SVP is a member of the Swiss federal government. However, to call it a “coalition government” is misleading, especially if this is done in the same sentence that calls the SVP “the most powerful party”. The SVP ist not the party with the most seats in the cabinet with all other parties being nothing but junior members. The SVP is one of the four parties in the seven-member Federal Council which governs the country on the basis of the principle of concordance or consensus government. There is no coalition treaty, there are no senior or junior members, there is no prime minister, and to understand Swiss politics, the nature of concordance has to be understood.

This is not to say that the international media should not criticize what it might consider a politically-incorrect campaign by one of Switzerland’s five major parties – on the contrary. However, it has the obligation to convey to its readers what really is at stake in Switzerland. Most articles on the Swiss elections convey a picture of Switzerland that contrasts nicely with its usual image of a peaceful mountain-resort. However, while Switzerland is a country that is confronted with many of the internal as well as foreign-policy problems that other Western(-European) countries face, and this perhaps surprisingly so for some international observers who hiterhto have not taken a closer look at Switzerland, it is not a country on the brink of being governed by a extreme-right wing party with overwhelming popular support.

We do not yet know the outcome of the elections on October 21. However, at least according to the latest polls no shift to the right can be observed in Swiss politics. The SVP gained a few votes, that it true, however, at least in the last survey before the elections the Green party was the real winner.