Archive for Juli, 2007

Wahlen, FDP und Umfragen

Der Innovationsturbo bei der FDP ist definitiv gezündet. Gestern gibt die FDP bekannt, nochmals mit den gleichen Bundesräten, möglichst in der gleichen Zusammensetzung gleich weitermachen zu wollen wie bisher. Das ist revolutionär. Übrigens kaum anders als bei der SP und der SVP, die ihr Ticket für den Bundesrat ebenfalls lösen, bevor die Wählerschaft das Trassee dafür geebnet hat. Nur die CVP spielt den konter-revolutionären Part und möchte wieder zurück zur Vergangenheit.

Ich habe übrigens das Vorgehen zur Programmatik der FDP sehr spannend gefunden. Der Ansatz mit den vier Projekten ist lesenswert (http://www.fdp.ch/page/content/index.asp?MenuID=11535&ID=32345&Menu=2&Item=38). Aus persönlicher Betroffenheit heraus, finde ich dagegen die immer wiederkehrende Kritik an Umfragen der FDP völlig bemühend. Es ist in Ordnung, mögliche statistische Fehlerquellen und Unschärfen von Befragungen zu benennen. Oft werden aber von der FDP falsche Vorurteile gegenüber Umfragen kolportiert, die gebildeten und innovativen Menschen eigentlich fremd sein sollten – egal von welcher Partei. Damit verschliesst sich die Partei gegenüber einem international und national und in allen gesellschaftlichen Bereichen längst etablierten Instrument.

Wie wohltuend ist es aber für mich, dass die FDP offenbar vor 50 Jahren gegenüber politischen Analysen sehr offen war (siehe Beilage vom Langenthaler Tagblatt). Man diskutierte darüber, zeigte sich interessiert und offen. Viele Ansätze und Denkweisen aus der Vergangenheit haben durchaus auch heute noch ihre Berechtigung. Das ist kein Loblied auf den Konservatismus; es gilt oft auch und gerade für den Liberalismus, der sich ja stets als offen gebärdet. Innovation und Offenheit gehören zusammen. Offenheit und ein nüchterner Blick auf die Gegenwart aber genauso. Aus diesem nüchternen Blickwinkel wäre ja dann auch die Nomination der bisherigen Bundesräte durchaus verständlich.

Artikel Matthias Schmid Langenthaler Tagblatt

P.S. Witziges Zückerchen für die Umfrageforschung: Auch vor 50 Jahren war bekannt, dass Langenthal längst nicht für alles und jedes “Testgemeinde” sein kann.