Author Archive for Lukas Golder

Der Stadtrat in Bern: Mehr Farben und starke neue (bürgerliche) Mitte

Prozentanteile Stadtrat Bern (eigenen Berechnungen ohne Gewähr)

Prozentanteile Stadtrat Bern (eigene Berechnungen ohne Gewähr)


(blau dargestellt: mittlere Verschiebungen, rot dargestellt: grosse Verschiebungen)

Das sind die Präferenzen der Wählenden in Bern im Vergleich zu 2004. Die Prozente lassen eher quantitative Vergleiche zu als die Sitze und es sind daraus eher Tendenzen für andere Wahlen abzuleiten.

Während im Gemeinderat und beim Stadtpräsidium keine Überraschungen auftauchten, präsentiert sich der neue Stadtrat in einem politisch teilweise neuen Kleid. Zwar hat Rot-Grün-Mitte immer noch knapp die Mehrheit mit 42 von 80 Sitzen, aber die Situation ist eindeutig unübersichtlicher geworden. Der Umbau in der Mitte und in der bürgerlichen Mitte ist weiterhin im vollen Gang.

Trotz der tatsächlich eingetretenen starken Gewinnen der GLP, konnte sich das grüne Lager mehr oder weniger halten. Die GLP scheint im städtischen Raum vor allem eine ernsthafte Alternative für die liberalsoziale SP-Wählerschaft zu sein. Auch die SP musste trotz starker Lokomotive auf Ebene des Stadtpräsidiums starke Einbussen hinnehmen.

Als grosse Gewinnerin kann sich die BDP feiern. Auf Anhieb hat sie mit der SVP vergleichbare WählerInnenprozente erreicht. Dies war auch von mir in diesem Ausmass nicht erwartet und dürfte nicht nur auf Kosten der SVP geschehen sein: Die SVP hat von allen grossen Parteien am wenigsten Federn gelassen. Möglich sind Mobilisierungsgewinne für die BDP (und für die SVP) aber auch Stimmengewinne von eigentlich Wechselnden von der FDP zur BDP. Die FDP ist die klar grösste Verliererin der Berner Wahlen. Da auch in der Region Bern die BDP Wahlsiegerin ist, ist die BDP mindestens in Bern direkt zur ernst zu nehmenden Wahlkandidatin aufgestiegen, welche eine echte Konkurrenz zum etablierten bürgerlichen Lager darstellt. Die FDP hatte allerdings mit Stephan Hügli eine spezifische Herausforderung, welche die Mobilsierung des eigenen Lagers erschwert haben könnte.

“Die Mitte” schnitt allerdings sehr schwach ab. Sie wurde sogar klar distanziert von Jimy Hofer, den die absolut meisten Wählenden klar nicht in der Exekutive wollten, als zusätzlicher Farbklecks in der politischen Landschaft Berns scheint aber auch er willkommen. Er steht damit symbolisch für eine Berner Wählerschaft, die in der Exekutive auf Kontinuität setzt aber in der Legislative für mehr Farbe und Vielseitigkeit eingetreten ist. Die Polarisierung, welche die Neunzigerjahre beherrschte und bis 2007 immer noch teilweise weiter bestand, scheint überholt. Die späten Nullerjahre bringen deutlich mehr Farbe Links, Rechts in der Mitte und auch quer zur bekannten politischen Landschaft.

Wahlen in der Stadt Bern – nothing else?

Die Berner Wahlen sind öppis für Bärn – almost nothing else. Verallgemeinerungen auf die Situation in der Schweiz sind heikel. Ausnahmen sind die strukturellen Erfolge von Rot-grün in den Exekutiven der Städte. Eine uneinheitliche bürgerliche Kandidatur kann diese Situation kaum knacken. Und es ist die neue Situation mit einer vielfarbigen Mitte, welche vor allem die strukturellen Chancen der Grünliberalen bestätigen dürfte.

Es dürfte so werden, wie es die Auguren sagen: Der neue Stadtpräsident heisst Tschäppät und RGM hält drei Sitze und damit die Mehrheit. Barbara Hayoz konnte recht wenig reissen – nicht einmal im Wahlkampf.

Auf Ebene der Exekutive (Gemeinderat) ist die einzig einigermassen spannende Frage der fünfte Namen und damit zweite von der Bürgerlichen Mitte aus FDP, SVP und CVP. Auch hier glaube ich den Auguren.

Heisst er Reto Nause, der prominente, fast noch junge, liberal-soziale Politimport aus Baden und lernfähige Wahlkämpfer für die CVP (liberal-sozial)? Oder heisst er Beat Schori als alteingessener Berner mit ebenso alt-eingesessenem SVP-Programm? Das Rennen dürfte knapp werden.

Auf Ebene des gesetzgebenden Stadtrates sind einige Verschiebungen zu erwarten. Letztlich ist auch in Bern das gesamtschweizerische Phänomen einer neuen Auswahl in der Mitte zu beobachten. Die Grünliberalen sind nun auch in Bern angekommen, obwohl gerade hier das “grüne” Wählersegment bereits mit mehreren Parteien aktiv beworben wird. Trotzdem sind die Grünliberalen gemäss Auguren nicht ohne Chance. Dass die Grünliberalen Wahlchancen haben auch mit Kandidaturen, die sich bisher noch wenige politische Meriten verdient haben, bestätigt sich voraussichtlich auch in Bern.

Und es ist die spezifische Situation mit ganz neuen Parteien in der Mitte: Die bürgerliche Mitte dürfte ein vorübergehendes Phänomen bleiben. Gleiches gilt im weiteren Sinn für die Liberal-sozialen, wobei eine kleine Stadt-Lokomotive, wo liberal-sozial draufsteht und CVP drin ist, doch noch hin und wieder kopiert werden könnte.

Anders sieht es bei den Grünliberalen aus. Sie schaffen es bisher in allen kantonalen Wahlen, Sitze zu erringen. Zum Teil waren die Erfolge spektakulär und unerwartet wie im Fall der Basler Wahlen.

Gelingt tatsächlich auch in Bern ein Sitzgewinn, so ist dies mehr als nur ein Fingerzeig, denn hier gibt es eine Riesenauswahl im grünen Spektrum (Wahlkampfblog). Es ist ein Zeichen, dass die Grün-liberalen ein urban vorhandenes Segment von WählerInnen überzeugen können und mit ihnen bis zu den eidgenössischen Wahlen 2011 noch verstärkt zu rechnen ist.

Und es ist die BDP. Gerade das Schicksal dieser Partei ist für die gesamtschweizerische Politik von grosser Bedeutung. Aber die Situation für die BDP ist im Moment ist auf allen Ebenen zu spezifisch, um daraus Schlüsse für die Zukunft und Potenziale abzuleiten. Kurzfristig ist es national von grosser Bedeutung, ob die BDP im Nationalrat dank Martin Landolt am 8. Februar 2009 bei den Wahlen in Glarus auf fünf Sitze kommen wird und damit Fraktionsstärke erreicht.

Langfristig interessieren zwei Wahlen: Werden 2011 die wieder antretenden NationalrätInnen auch gewählt und kommt es zum Stimmentausch von der SVP zur BDP? Kann die Partei spätestens 2015 national neue Köpfe portieren? Beides dürfte schwierig werden, was die Zukunft der BDP als sehr schwierig einschätzbar werden lässt. Das bleibt auch nach den Berner Wahlen so. Es waren halt Stadtberner Wahlen – almost nothing else.

Barack Obama und das Ende des Rassismus?

Er schrieb als erster farbiger Präsident der USA bereits Geschichte. Hat er damit auch das Ende der Geschichte des Rassimus eingeläutet?

Die Sozialwissenschaften suchen Antworten auf solche Fragen mit Hilfe der Beobachtung. Gibt es Personen, die sich im Alltag diskriminiert fühlen? Wer nimmt welche Steoretype in welchem Mass wahr? Welche Phänomene beschreiben den Rassimus?

Vor allem über die zeitliche Veränderung lassen sich immer genauere Antworten auf solche Fragen finden. Der Bundesrat hat beschlossen, rassistische Dikrimierungen und Haltungen in der Schweiz systematisch zu untersuchen.

Die Gesellschaft für praktische Sozialforschung nimmt sich in der Jahrestagung am Mittwoch, 26. November 2008 der Thematik von Messung und Beobachtung von Rassimus an und skizziert das künftige Schweizer Rassimusmonitoring mit zwei Referaten und einer Diskussion.

Prof. Werner Bergmann als erster Referent spricht über internationale Erfahrungen mit Rassismusmonitoring.
Claude Longchamp stellt in seinem Beitrag das Konzept für das Schweizer Rassismusmonitoring vor.

Die anschliessende Podiumsdiskussion setzt sich mit den Möglichkeiten und Grenzen solchen Monitorings auseinander.

Die Teilnahme ist kostenlos. Hier geht es zur Einladung. Anmeldungen bitte an jahrestagung@gfsbern.ch

Geburt einer Kommunikationsstrategie – Vom Wesen der integrierten Kommunikation

Organisationen haben oft viele Kommunikationsprobleme und nur eines nicht: Zeit, um eine Strategie auszuarbeiten. Solange die Situation nicht genau analysiert und die Instrumente nicht kritisch hinterfragt sind, fliegt man ohne Radar.

Fast alle wissen es: Kommunikation wirkt nicht einfach besser, nur, weil man mehr investiert. Und trotzdem erkenne ich im Alltag zwar viele Kommunikationsinstrumente aber kaum je ein spannendes Konzept. Hinzu kommt: Ein neues Konzept heisst Aufwand, Unsicherheiten und Konflikte.

Ergänzend zu einer Beratung oder bevor eine Beratung einsetzt, sollte man die Lage intern und extern sauber analysieren. Die systematische Auseinandersetzung mit der eigenen Situation ist die eigentliche Geburtstunde einer Kommunikationsstrategie. Sobald diese Hürde jeweils genommen ist, erscheint der weitere Prozess viel spannender, herausfordernder und konkreter als vorher. Im Sinne der integrierten Kommunikation ist die Verschränkung zur Strategie der Organisation und der Kommunikationsstrategie deutlicher und zwar für beide Seiten – der Kommunikation und den Verantwortlichen für die Strategie:

Der Beitrag der Kommunikation wird dank einer gemeinsamen Auseinandersetzung mit der externen und internen Wahrnehmung klarer. Diese Verschränkung mit der Strategie ist das eigentliche Wesen der integrierten Kommunikation. Sie integriert eben nicht nur Massnahmen, sondern bündelt die Massnahmen im Sinne des Ganzen.

Die effektive Ausarbeitung der Strategie und die operative Umsetzung fällt einem leichter und die Anerkennung ist eher vorhanden, wenn das Kommunikations-Controlling zum Schluss aufzeigen kann, wie die Wirkung der verschiedenen Massnahmen war.

Viel Geburtshilfe ist gar nicht nötig. Einzig die Neugier, wie man eigentlich aus kommunikativer Sicht dasteht.

Die “liberale Bewegung” der FDP zwischen Feuer und Wind

Die FDP präsentiert sich in Bewegung. Im Rahmen der Fusion stehen Namen und Label in Frage und auch das Zusammengehen mit BDP und Grünliberalen wird als Option dargestellt.

Nachdem auf der rechten politischen Seite 20 Jahre lang der konservative Status quo tonangebend war, sollen von einer liberalen Bewegung wieder entscheidende Akzente unter Leitung des Freisinns gesetzt werden.

Die FDP leidet spätestens seit 2003 unter Image-, Profilierungs- und Mobilisierungsproblemen. Im Wahlkampf 2007 wurde versucht, die FDP als moderne, urbane Partei zu profilieren. Die erhofften Wahlerfolge blieben aber aus. Als grosse Siegerin des rechten Spektrums ging die SVP hervor. Kann die “liberale Bewegung” nun die erhoffte Wende bringen?

Theoretisch Ja. Gelingt es einer Partei, Bewegungscharakter zu verbreiten, so bedeutet dies: Viele Menschen sind sehr motiviert, die politische Landschaft zu gestalten und zu verändern. Sie bringen Engagement, Finanzen, Ideen und Überzeugungen ein. Mit ihrer grossen Leidenschaft werfen sie Wellen. Typisches Beispiel einer solchen Bewegung ist die AUNS. Auch die Grünen sind bei der Gründung eher als Bewegung und nicht als Partei entstanden und profitieren bei jüngeren Menschen wahrscheinlich erneut von einer Art “Bewegung”.

Praktisch wage ich aber an der liberalen Bewegung zu zweifeln:

SVP im Feuer

Bei der SVP ist spätestens seit den Abstimmungsniederlagen und seit dem Ausschluss der Bündner Feuer im Dach. Rollendefinition, thematisch-programmatische Elemente und die Bundesratsfrage überlagern sich. Insbesondere die Mobilisierung der eigenen Parteianhängerschaft ist in diesem Kontext schwierig und die Abspaltung der BDP dürfte vor allem wegen des hohen Bevölkerungsgewichts des Kantons Bern schmerzhaft für den Wähleranteil sein.

Seit der Abwahl von Christoph Blocher dreht sich die Mediendemokratie stark um die SVP. In diesem Umfeld und mit der Formschwäche der SVP sind Profilierungen möglich. Die FDP hat sich aber weder bei der Abwahl noch bei den folgenden Abstimmungen als klare Alternative zur SVP profilieren können. Als externer Beobachter scheint immer noch unklar, wie nah’ und wie fern sich diese Parteien künftig sein werden. Machtfragen scheinen bei dieser Kardinalsfrage stärker zu gewichten als die Chance, sich im rechten Feuer als kluge Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen auf Kosten der SVP zu profilieren. Eine liberale Bewegung entsteht heute medial vermittelt und ohne glaubwürdige und spannende Löschaktionen wird diese mediale Vermittlung schwierig.

Frischer Wind in der Mitte

Noch interessanter sind die Mitte-Entwicklungen. Von Rechts gibt es mit der BDP eine neue Partei, die sich vor allem im Stil von der SVP abheben will. Die BDP als konservativ-fundierte aber stilistisch gemässigte Partei steht damit etwas quer zur polarisierten Links/Rechts-Landschaft, wie sie sich bis 2003/2007 entwickelte. Die BDP hat vor allem mit Blick auf die kommenden Wahlen möglicherweise auch Attraktivität auf Wählerschichten, die mit ihrer Stimme in erster Linie der SVP schaden wollen.

Die Grünliberalen vereinen das ökologische und links-rechts-Schema auf neuartige Weise. Die Partei ist damit attraktiv für nicht klassisch politisierte Wählerschichten und eine Art Bewegung ist mindestens anhand der Gründungen von neuen Sektionen durchaus auszumachen. Eher von Links her kommend bläst auch von hier frischer Wind in die Mitte. Die Grünliberalen haben aber eine Fraktion mit der CVP gegründet. Die Parallelen der modern ausgerichteten Parteianhängerschaft der CVP und der Grünliberalen sind auch offensichtlicher als diejenigen mit der FDP. Zudem gibt es wegen der traditionellen Schwäche der CVP in reformierten Gebieten auch strategische Gründe für dieses Zusammengehen – die Konkurrenz ist einfach kleiner. Die “liberale Bewegung” wird es schwierig haben, hier die entscheidenden inhaltlichen Argumente für das Zusammengehen mit den Grünliberalen zu haben.

Insgesamt glaube ich an eine steigende Rivalität in der Mitte, weil sich hier neue Konfliktlinien entwickeln, die quer zur Links-Rechts-Achse stehen. Kleinparteien könnten ähnlich wie in den Achzigern an den Polen neu der Mitte wieder Ecken und Kanten geben. Die traditionell verankerten Mitte-Parteien müssen also um die Gunst der bürgerlichen Wählerschaft stärker kämpfen. Allerdings konnten weder die Achziger mit den Kleinparteien noch die Neunziger mit dem spektakulären Aufstieg der SVP die Zauberformel sprengen. Heute ist dies anders. Mit den Wählerprozenten wird auch immer wieder an der Bundesratszusammensetzung gefeilt.

In einer solchen Situation zwischen Feuer und Wind erwarte ich nicht in erster Linie eine liberale Bewegung, sondern primär verstärkte Kämpfe mit der CVP um die Vorherrschaft in der Mitte.

Der SVP-Oppositionsflieger hat keine Starterlaubnis erhalten

Wie baut man einen Oppositionsflieger in der Schweiz? Mein Bauplan wäre klar:

Die Aerodynamik: Grundvoraussetzung für das Fliegen. Keine Regierungsbeteiligung mindestens auf Bundesebene, sonst kann der Flieger überhaupt nicht abheben.

Die Piloten: Im Cockpit ein erfahrener Captain mit Ruhe und strategischer Umsicht und ein junger ambitionierter Co-Pilot.

Die Triebwerke: Den Oppositionsflieger treibt man am besten mit Abstimmungssiegen an. So starke Düsentriebwerke gibt es in keinem anderen Land, denn überall sonst heisst Opposition: Abwarten und kritisieren, aber nicht blockieren und gestalten! Gewinnt man sogar ausserhalb der eigenen Kernthemen Abstimmungen, kann man das Schweizer System praktisch lahm legen.

Die Flugroute: In einem möglichst hohen, schnellen und weiten Flug eilt man am besten von Wahlsieg zu Wahlsieg in den Kantonen. So treibt man die anderen Parteien vor sich her, verunsichert sie, verwickelt sie in interne Konflikte und zwingt sie immer wieder zu Konzessionen.

Die finale Destination: Das Flugziel ist klar. Der Wahlsieg 2011, der nicht nur deutlich mehr Sitze im Parlament, sondern mindestens zwei Bundesräte und vielleicht sogar die Mehrheit im Bundesrat bringt.

Und die Bilanz, ein Tag nach der dreifachen Niederlage am 1. Juni 2008?

Die Frage der Aerodynamik ist immer noch nicht gelöst: In einem Fall hat man beim Startversuch viel Flurschaden hinterlassen, weil man statt einer Person eine ganze Sektion ausgeschlossen hat und im anderen Fall ist bis heute keine Lösung in Sicht. Ist dieser Oppositionsflieger fluguntauglich?

Die Piloten? Das Assessment war klar: Entweder diese beiden oder gar keine. Doch beim PreFlightCheck scheint den beiden die Puste auszugehen. War das Trainingscamp zu kurz, um den Oppositions-Kunstflug zu beherrschen? Oder lässt der Trainingsstand ganz generell zu wünschen übrig?

Die Triebwerke: Nach dem dreifachen Nein von gestern erscheinen die Triebwerke höchstens als Turbo-Props – gut geeignet, um die eigenen Schäfchen im Zaun zu halten, doch reihum brechen schwarze, grüne, blaue, rote und orange Schäfchen aus! Da scheint etwas am Bauplan schief gelaufen zu sein.

Die Flugroute: Die führte bisher eher durch heimische Gefilde – immer dem SVP-Sünneli nach. Aber der Blocher-Effekt bei den kantonalen Wahlen? Diesen können nicht einmal Studierende der St. Galler Uni nachweisen. Die Erfolge waren in einer Reihe mit den Erfolgen bei den letzten Wahlen – diese waren allerdings in der Tat beeindruckend! Die SVP fliegt, aber sie fliegt noch ganz bestimmt nicht interkontinental.

Die finale Destination: Die erscheint im Moment im Nebel und das Sünneli ist verdeckt. Eine breite Volksbewegung ist nicht ausgelöst – das Schweizer Volk hat dem Oppositionsflieger (noch?) keine Starterlaubnis erteilt.

…to be continued.

Interview mit der Aargauer Zeitung zu den Abstimmungen

Internet verändert die Behördenkommunikation stärker als die politische Meinungsbildung

Die politische Kommunikation in Demokratien war lange geprägt durch eine Zweiteilung in einen hoch vertraulichen Teil (Diplomatie, Nachrichtendienste) und einen stark von Öffentlichkeit geprägten Teil (Parlamente, öffentliche Entscheidungsprozesse wie Wahlen und Abstimmungen). Diese für die strategische Kommunikationsführung sehr einfache Zweiteilung löst sich heute zunehmend auf: Öffentliche Diplomatie ist zu einem Schlagwort geworden und die Massenmedien gemeinsam beispielsweise mit NGOs oder Interessenorganisationen prägen Entscheidungsprozesse oft schon in einem frühen Stadium mit gezielten Veröffentlichungen oder Indiskretionen. Damit sind die Anforderungen an die politische Kommunikationsführung sprunghaft gestiegen.

Behördenkommunikation ist ein spezifischer Bestandteil der politischen Kommunikation. Sie ist beschränkt auf den Austauschprozess zwischen den mit der Umsetzung von Gesetzen beauftragten Instanzen mit ihren verschiedenen Anspruchsgruppen. Es ist oft eine hoheitliche Kommunikation, da mit der Umsetzung von Gesetzen auch gewisse Machtmittel eingesetzt werden: Die Steuererklärung ist genauso wie die Festnahme durch die Polizei Teil der Behördenkommunikation.

Die Behördenkommunikation ist wie die politische Kommunikation im Wandel. Und ich behaupte sogar: Stärker im Wandel als die politische Kommunikation!

Ich teile meine Argumentation in drei Teile auf:

1.
Im Rahmen internationaler und nationaler Verflechtungen wurde das Staatsgefüge immer komplexer, was die Kommunikation mit dem Ziel der Verständigung zwischen Anspruchsgruppen und Behörden erschwerte. Zudem wurde das Expertenwissen bei Behörden konzentriert – PolitikerInnen als Generalisten, BehördenvertreterInnen als Spezialisten. Der Austauschprozess wurde damit insgesamt anspruchsvoller.

2.
Der Kommunikationswandel und die Mediatisierung der Gesellschaft veränderten auch die Behördenkommunikation massiv. Die Institutionen- und Behördenkritik ist Teil der populistischen Politik. Der Aufstieg behördenkritischer Parteien wie in der Schweiz die SVP liess die Behörden als eigenständiger politischer Akteur erscheinen. Dies verstärkte die Folgen des Strukturwandels der Öffentlichkeit.

3.
Seit Langem spricht die Forschung von der Revolution der politischen Kommunikation wegen des Internets. Die bisherigen Nutzungszahlen von Internet im Rahmen der Meinungsbildung sind vergleichsweise gering (hier die Zahlen von VOX-Trend). Die Vernetzung zu bisherigen Medien über etablierte Medienhäuser ist in der Berichterstattung über die politische Aktualität ebenfalls stark. Damit gibt es eine starke Abhängigkeit von Internet und Massenmedien. Die Bedeutung des Internets wächst, aber die politische Kommunikation entwickelt sich auch auf anderen Ebenen enorm: So hatten insbesondere wegen des Verbots politischer Werbung in Radio und Fernsehen die Plakate im Wahlkampf 2007 eine hohe Bedeutung.

Anders sieht es aus, wenn es statt um politische Meinungsbildung um den Austauschprozess zwischen Behörden und den Anspruchsgruppen geht. Sobald nämlich Akteure nicht nur vernetzt sind, sondern auch routinemässig auf das Internet zugreifen, wird das Internet immer bedeutender. Das gilt weniger für die breite Öffentlichkeit, als vielmehr beispielsweise für das Management von Unternehmen. Entscheidungsträger von Unternehmen greifen für ihre Arbeit in fast allen Belangen auf das Internet zurück. E-Government hat so eine wachsende Bedeutung insbesondere auch in Mikro- und Kleinunternehmen – schon seit längerem für grosse Firmen.

Der Austausch von Unternehmen mit den Behörden findet in zunehmendem Mass über das Internet statt und ersetzt hier andere Kommunikationskanäle, wie vorerst das Telefon. Das Internet wird zum zentralen Dreh- und Angelpunkt zwischen Behörden und Firmen, zur zentralen Visitenkarte des Staates gegenüber Personen, die routiniert mit dem Internet arbeiten. Zudem wächst der Anspruch, statt nur Informationen gesamte Prozesse über das Internet zu erledigen – das gilt zwischen Unternehmen und zwischen Communities. Es gilt aber auch in wachsendem Mass zwischen Unternehmen und dem Staat. Der Staat ist im Bereich E-Government aktiv. Der Prozess ist aber erst am Anfang. Er wird die Behördenkommunikation noch stark verändern.

Zum Bericht E-Government für Unternehmen mittlerweile wichtiger als persönlicher Kontakt.

3.2 Millionen mal Danke für Ihre Mitarbeit bei der Umfrage – Branchenstatistik 2007

3.2 Millionen Personen wurden in der Schweiz von der Markt- und Sozialforschungsbranche 2007 befragt. 340′000 mehr als im Vorjahr. Die Markt- und Sozialforschungsbranche ist nicht nur für die Mitarbeit dieser Personen dankbar, sondern auch unbedingt davon abhängig.

Unter Berücksichtigung von Strukturänderungen beim Marktführer ist der Umsatz der Markt- und Sozialforschungsinstitut gemäss Schätzung des Geschäftsführers des Verbands effektiv um 1-2% gestiegen. Die telefonischen Umfragen (CATI) sind leicht rückläufig, während wieder mehr Face-to-Face-Befragungen aber auch Online-Befragungen durchgeführt werden.

gfs.bern ist gemessen am Umsatz Nummer 9 unter den Instituten, welche den Umsatz publizieren. Mit 3′050′000 CHF ist gfs.bern ein grosses Institut unter den kleinen und nicht weniger als 27mal kleiner als der Branchenführer, welcher dank einer Übernahme nochmals stark gewachsen ist. Weiterhin wird mit Marktforschung deutlich mehr Umsatz generiert als mit den Schwerpunkten von gfs.bern: Der Politik-, Kommunikations- und Sozialforschung.

Trotzdem profitieren wir von unserer klaren Marktpositionierung. Mit einem Umsatzwachstum von 8.9% liegen wir an dritter Stelle der publizierenden Institute und klar über dem Marktwachstum. Und wir erreichen das Marktwachstum aus eigener Kraft. Dabei sind wir längst nicht nur auf die öffentlich bekannte und wegen des Wahlbarometers für die SRG 2007 auch besonders stark diskutierte Politikforschung beschränkt.

Im Bereich der Kommunikationsforschung kann sich gfs.bern immer stärker platzieren. Kenntnisse um die Wirkung von Kommunikationsaktivitäten werden von unserer Kundschaft gewünscht.

Kommunikationsverantwortliche aus Unternehmen, NGOs, Verbänden und Behörden gehören zu unseren Auftraggebern. Da wir auch viel von unserer Kundschaft lernen, verbinden wir heute unser Wissen über die verschiedenen Organisationstypen, Bedürfnisse und Anforderungen im Bereich des Kommunikations-Controllings. Wir wissen viel über Kommunikation und wie sie mit verschiedenen Methoden gemessen werden kann. So verbinden wir qualitative Grundlagenprojekte mit quantitativen Image-Untersuchungen aber auch mit Medienanalysen zu einer sinnvollen objektiven Grundlage für Entscheidungen der Kommunikationsführung und dies in allen Phasen des Kommunikationsmanagements.

Wir gehen davon aus, mit diesem Wissen auch weiterhin wachsen zu können und sind trotz einem schwierigen Marktumfelds optimistisch.

Wir danken unserer Kundschaft, allen Befragten und allen Beteiligten für das erfolgreiche 2007.

Theroie statt Umfrage – Szenarien der Konkordanz in der Schweiz

Die Konkordanz-Diskussion ist in der Schweiz spätestens seit der Abwahl von Christoph Blocher hochpolitisch. Man kann beispielsweise nur die Diskussionen und Versionen auf wikipedia hierzu anschauen.

Die Diskussion sollte auch verstärkt politologisch statt politisch geführt werden. Eine interessante Interpretation stellte Georg Lutz von der Universität Bern auf www.swissinfo.org in den Raum: Die SVP spiele schon lange Oppositionsspiele.

Zurzeit erscheint die SVP tatsächlich noch wenig schlagkräftig und verbreitet scheint man der SVP die Definition der neuen Oppositionsrolle nicht ganz abzunehmen. Ist das ganze nur ein Spiel?

Spannend ist der Beitrag der internationalen Konkorddanz-Forschung, welche durch Arend Lijphart geprägt wurde. Demnach war (ist?) die Schweiz ein Modellfall der Konkordanz. Konkordanz ist vor allem für segmentierte Gesellschaften ein sehr erfolgreiches Politikmuster und ist ein Gegenstück zur Mehrheitsdemokratie. Die Schweiz war ursprünglich eine Mehrheitsdemokratie. Erst mit der Zeit und mit den Wirtschaftkrisen der Dreissigerjahre entstand daraus die bekannte Konkordanz-Demokratie, wie Wolf Linder in seinem Buch zur Schweizer Demokratie beschreibt.

Verschiedene Elemente gehören zur Konkordanz. Eines davon ist die Machtteilung in der Regierung. Schweizer Forscher haben zudem erkannt, dass die Elemente der direkten Demokratie ebenfalls konstituierend waren für die Etablierung der Schweizer Konkordanz.

Anlässlich eines Referats an den staatsbürgerlichen Tagen in Wetzikon habe ich versucht, diese Elemente zu verbinden und daraus Szenarien der Konkordanz abzuleiten seit der Abwahl von Christoph Blocher. Zurzeit erscheinen drei Elemente der Konkordanz unklar:
1. Ob sich die Eliten kooperativ verhalten: Dies gilt vor allem im Bezug auf die Frage, ob eine informelle Einbindung von der SVP der Regierungsmitglieder Eveline Widmer-Schlumpf und Samuel Schmid erfolgt.
2. Ob das System stabil bleibt, oder ob sich künftig verstärkt Konflikte zwischen Minderheiten in der Schweiz ergeben mit mehreren Regierungswechseln.
3. Ob das Referendum weiterhin Vorwirkungen zeigt, indem sie die Eliten von Anfang an zu Kooperation zwingt. Oder ob die mächtige Referendumswaffe von der SVP in einem breiten Politikfeld eingesetzt werden kann, um das System zu destabilisieren.

Daraus haben sich zwei Szenarien für die Zukunft ergeben:

Eine Irritation der Konkordanz und ein Ende der Konkordanz.

Beim Ende der Konkordanz müsste es der SVP auch ausserhalb ihrer bisherigen Kernthemen gelingen, Mehrheiten in der direkten Demokratie zu erlangen. Die Partei agiert aggressiver gegen die aus der Fraktion ausgeschlossenen Bundesräte und distanziert sich zunehmend. Der bilaterale Weg mit der EU wird wegen verlorenen Abstimmungen und wegen dem Steuerstreit stark belastet. Die Wirtschaftsverbände schlagen sich auf Druck des globalisierten Wettbewerbs und wegen wirtschaftlicher Turbulenzen teilweise und verstärkt in der Aussenpolitik auf die Seite der SVP. Der SVP gelingen weitere Wahlsiege in den Kantonen. Dann könnte sich eine Oppositionsbewegung mit Schwung über vier Jahre ergeben, die SVP 2011 einen weiteren Wahlsieg feiern und damit vielleicht sogar eine Mehrheit der Sitze gemeinsam mit der FDP erobern.

Damit wäre die Opposition klar mehr als ein Spiel.

Das zweite Szenario würde bedeuten, dass die SVP nur in ihren Kernthemen von Asyl- und Ausländerfragen Mehrheiten gewinnen kann. Der bilaterale Weg wäre stabil und mit Abstimmungen zugunsten der Ausweitung der bilateralen Verträge gestärkt. Die SVP würde zunehmend die Bundesräte informell einbinden. Die Wirtschaftsverbände wären zufrieden mit der Situation. So gelingt es der SVP auch nicht mit Wahlsiegen in den Kantonen Schwung zu holen. Es wäre mehr eine Opportunismusbewegung und damit eine unechte Opposition. In dieser Konstellation dürfte auch ein Wahlsieg schwierig zu erringen sein. Ohne Wahlsieg 2011 würde die SVP wohl mehrheitsfähige Bundesräte vorschlagen. Damit wäre die Konkordanz definitiv wieder etabliert und die Konkordanz nur irritiert gewesen.

Wenn eine Krise mit der EU und eine Wirtschaftkrise gemeinsam kommen, so scheint mir das Ende der Konkordanz möglich, ansonsten erleben wir nur eine Irritation der Konkordanz, so lautet die These des Referats. Es ist hier abrufbar.

Die staatsbürgerlichen Tage sind eine wertvolle Tradition der Kantonsschule Wetzikon. Mit sehr viel Liebe zum Detail und ohne Aufwand zu scheuen versucht der Lehrkörper – 2008 unter der Leitung von Paul Brändli – den Maturandinnen und Maturanden die Politik näher zu bringen. Leider braucht es meist noch das Engagement von einzelnen Schulen und Personen, um Politik jungen Menschen wirklich näher zu bringen. Mindestens an den Reaktionen auf mein Referat scheint mir aber die Politik ein hochinterssantes Feld für Junge zu sein. Von Langeweile kaum ein Spur. Politik interessiert. Studien zeigen allerdings, dass die politische Bildung in der Schweiz im internationalen Vergleich schwach ist.

Die staatspolitische Bildung in der Schweiz sollte dringend gestärkt werden!

Referat von Lukas Golder

Doppelter Wechsel bei gfs.bern: Laura Kopp und Matthias Bucher neu in der Projektleitung

Monia Aebersold und Bianca Rousselot verlassen gfs.bern auf Ende Januar 2008. Wir danken Ihnen beiden herzlich für ihren Einsatz für unser Institut und wünschen ihnen für ihre Zukunft alles Gute. Beide Projektleiterinnen verlassen das Institut auf ihren eigenen Wunsch hin nach sechs- respektive drei Jahren Tätigkeit beim Forschungsinstitut gfs.bern.

Matthias Bucher

Matthias Bucher ist 1977 geboren und hat in Bern Medien-und Sozialpsychologie, Methodik der empirischen Sozialforschung und Politische Philosophie studiert. Er war seit 2006 an der Universität Bern wissenschaftlicher Assistent am psychologischen Institut und 2005 an der Weltausstellung in Japan tätig. Während des Studiums war er Hilfsassistent und machte ein Praktikum bei Swisscom Innovations.

Laura Kopp

Laura Kopp ist 1973 geboren. Sie hat nach ihrem Studium der Politikwissenschaft in Zürich bereits VOX-Berichte verfasst. Sie hat auf zweitem Bildungsweg Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Informatik studiert und hat ursprünglich die Handelsdiplomschule gemacht. Sie leitete vor ihrem Studium unter anderem die Adminstration eines Marktforschungsinstituts. Nach dem Studium war sie zunächst Assistentin am politikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich und danach im Prorektorat Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Zürich tätig, wo sie verschiedene Projekte im Bereich der Qualitätsentwicklung der Lehre leitete.

Beide BewerberInnen haben sich im Bewerbungsverfahren mit fundierter Methodenkenntnis, Erfahrungen im Projektbereich und durch einen überzeugenden Auftritt für diese Stellungen besonders empfohlen. Ihr Forschungsprofil stellen wir auf unserer Geschäftshompeage vor (Links zu den Personen).

Die Übergabearbeiten sind weit fortgeschritten und wir freuen uns in neuer Team-Zusammensetzung auf die Projekte im 2008.

Ihr Forschungsprofil stellen wir hier vor.