Wahlentscheidend

Was entscheidet Wahlen?

Diese Frage stellen sich WahlforscherInnen immer wieder. Und sie geben fortgesetzt Antworten dazu. Diese sind nicht beliebig; drei typische dominieren:

. die längerfristige Identifikation der Wählenden mit einer Partei aufgrund ihrer generellen Position ist für den Wahlentscheid grundlegend;

. die Programmatik resp. die wahrgenommene Fähigkeit, damit auch die aktuellen Probleme zu lösen, entscheidet massgeblich;
. die Personen, welche an der Spitze der Parteien oder des Staates im Namen der Parteien stehen, lassen die Identifikation zu, die Wahlen prägt.

Mit dem laufenden Wahlbarometer haben wir uns vorgenommen, einen weiteren Beitrag zu dieser Debatte zu leisten. Wir prüfen aber nicht nur die drei allgemein bekannten Ansätze; wir haben zwei weitere, wenig diskutierte beigefügt:

. die Ueberlegung, dass meine Stimme, je nach dem, wem ich sie gebe, die Regierungsbildung mehr oder weniger mitbeeinflusst, kann den Parteientscheid bestimmen;

. die Metakommunikation der Massenmedien über die Parteien, welche sich auf die Bewertung des Wahlkampfes resp. der Kommunikationsfähigkeit von Parteien auswirkt, wirkt mobilisierend oder demobilisierend.

Nun ist Halbzeit mit dem Wahlbarometer 2007; wir haben deshalb auch eine Zwischenbilanz gezogen, wie sich die 5 Erklärungsansätze auf die Wahlabsichten vom Juni 2007 auswirken.

Ueber alle 5 grösseren Parteien hinweg können wir den nachstehenden Schluss ziehen:

. Das Wichtigste ist heute, dass die Wahlentscheidungen der BürgerInnen erklärt, ist die kohärente Position einer Partei in der Parteienlandschaft. Sie drückt sich bei Wahlen vor allem auf der Links/Rechts-Achse aus, beschränkt auch auf jener zu Offenheit/Verschlossen resp. zum Postmaterialismus/Materialismus. Naturgemäss ist das bei Parteien an den Polen am wichtigsten. Aber es ist nicht das einzige.

. Die Zweitwichtigste ist gegenwärtig die politische Kommunikation, das heisst die Identifikation mit dem Wahlkampf einer Partei. Nur wenn das gelingt, kann eine Partei ihre bisherige WählerInnen halten oder auch gewinnen. Diese Aspekt ist im Zentrum sogar am wichtigsten.

. Das Drittwichtigste ist die Identifikation mit Spitzenvertretern einer Partei, denn nur das erlaubt es, die Komplexität einer Partei mit nationalen, kantonalen und kommunalen Strukturen, Flügeln und ExponentInnen soweit zu bündeln, dass man sich bei der Partei zu Hause fühlt. Das ist bei allen Parteien via den Präsidenten, die Präsidentin von Belang.

. Das Viertwichtigste ist heute die Beeinflussung der Bundesratswahlendurch die Parlamentswahlen. Das motiviert vor allem die Wählerschaften, die Aussichten auf einen neuen Stitz haben, aber auch jene, deren Vertretung bedroht ist.

. Das Fünftwichtigste ist sind die Themenkompetenzen der Parteien. Dabei spielt das jeweils zentrale Thema, das eine Partei für sich besetzen kann eine Rolle; der gesamte Mix aller programatischen Punkte ist weniger wichtig.

Die Modulierung dieser 5 Ansätze sieht in jedem Moment und nach Parteien immer ein wenig anders aus. Parteien sind im Umfeld von Wahlen ein Mix aus Stimmungen, Positionen, Programmen, Personen, Machtansprüchen und Medienreaktionen. Wir werden das deshalb bis und mit dem 21. Oktober 2007 weiter verfolgen.

Was der Stand der Dinge ist, kann man ab Freitag abend, 29. Juni, 18 Uhr, hier nachschlagen.

http://www.gfsbern.ch/news.php

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