Zunächst ist festgehalten, dass zwischen der letzten Umfrage unserers Instituts zur Minarett-Initiative und dem Endergebnis in dieser Abstimmung eine unübliche Differenz besteht. Sie beträgt rund 10 Prozent bei Nein und rund 20 Prozent beim Ja-Anteil.
Die Kritiken, die hierzu geäussert wurden, lassen sich in drei Kategorien einteilen:
Erstens gibt es Kritik seitens der Initianten und ihrer Unterstützer. Wir haben Verständnis dafür, denn niemand wird gerne unterschätzt.
Zweitens gibt es Kritiken seitens der Konkurrenz. Momentan sind das andere Anbieter von Instrumenten zur Beobachtung von Abstimmungen und Kampagnen, teilweise verknüpft mit Medien als ihre Nachfrager. Wir äussern uns hier nicht dazu.
Drittens gibt es Kritik, die bestrebt ist, zu verstehen, was Sache ist und was nicht, und das nach den Grundsätzen macht, welche in der Wissenschaft üblich sind. Wir äussern uns hier nur zu dieser Kritik.
Generell kann man in diesem Sinne zwei Hypothesen für die Erklärung des Unterschieds formulieren.
Nach der ersten stimmen die Ergebnisse der Umfrage, doch müssen solche in der Schweiz spätestens in der dritten Woche vor der Abstimmung gemacht werden; was danach geschieht, entzieht sich ihrer Kenntnis. Seit Kampagnen bei Wahlen und Abstimmungen neuerdings immer mehr bis zum Tag der Entscheidung geführt werden, können Effekte der Mobilisierung, der Meinungsbildung, selbst des Meinungsumschwungs bis im letzten Moment nicht mehr ausgeschlossen werden. Wenn diese spezifisch bei einem Thema und einseitig aus einer Richtung erfolgen, kann dass erhebliche Auswirkungen sowohl auf die Teilnahme, als auch auf die Stimmenverhältnisse haben. Da wir darüber noch fast nichts wissen, ist immer dann, wenn solche zielgruppenspezifischen Grassroots-Mobilisierung im Sinne des politischen marketings erfolgen, mit Ueberraschungen beim Ergebnis zu rechnen. Das kann gerade auch bei der Minarett-Initiative nicht ausgeschlossen werden, und es wurde im Bericht hierzu darauf hingewiesen.
Nach der zweiten Hypothese stimmen die Umfragen nicht, weil es eine Diskrepanz gibt zwischen dem, was in der Umfrage als Antworten gefunden wird und dem was die gleichen Personen auf den Stimmzettel schreiben. Entweder antwortet man aufgrund von sozialer Erwünschtheit, oder aber man verweigert die Auskunft. Wenn das bei einer Vorlage einseitig (sprich nur auf einer Seite der Stimmabsicht) der Fall ist, ergeben sich Konsequenzen auf die Differenz zwischen Abstimmungsumfragen und -ergebnissen. Nach unserer Erfahrung ist das indessen eher selten der Fall. In grösserem Ausmass ist solches eigentlich nur dann zu erwarten, wenn eine Gruppe stark marginalisiert ist, was bei Wahlen vorkommt, bei Abstimmungen aber kaum. Bei Abstimmungen kann es eintreten, wenn sich ein erheblicher Unterschied ergibt zwischen politischen Eliten und Bürgerbasis.
Diese beiden Hypothese nwerden wir bei der Minarett-Initiative weiter prüfen. Wir gehen davon aus, dass keine der beiden alleine die Diskrepanz erklärt. Darin bestärkt sehen wir uns auch darrum, weil die Kritiker, welche Antworten in Umfragen generell soziale Erwünschtheit sehen, keine Quantifizierungen machen können, wie grosse die von ihnen zitierten Effekt bei Schweizer Volksabstimmung nachgewiesenermassen sind. Ohne solche Evidenzen halten wir auch Ratschläge für nicht praktikabel, themenspezifische Gewichtungen einzuführen. Deshalb verzichten wir bei Abstimmungen darauf, selber wenn damit unser Risiko etwas grösser wird.
Die wichtigste Folgerung daraus betrifft die Interpretation von Umfragen jeglicher Art als Prognose. Die Branchenvereinigung empfiehlt, das generell nicht zu machen, zumal Umfragen Momentaufnahmen sind und wir in der Schweiz, anders als im Ausland, in den zwei letzten Wochen keine Erhebungen mehr machen können.
gfs.bern führt für die SRG SSR idée suisse-Medien seit 1998 Umfragen im Vorfeld von eidgenössischen Abstimmungen durch. Dabei realisierten wir 93 Umfragen zu 53 verschiedenen Abstimmungsvorlagen. Bei maximal 4 Vorlagen sind die Abweichungen zwischen der letzten Umfrage und den realen Ergebnissen schwierig erklärbar. Bei allen anderen 85 Umfragen folgt die Meinungsbildung den Interpretationsinstrumenten von gfs.bern.
Der hierzu verwendete und von gfs.bern entwickelte Ansatz zur Verortung von Meinungsbildungsverläufen ist seit 2002 publiziert (http://www.gfsbern.ch/gfs/dispositionsansatz.html) und wird seither laufend weiterentwickelt. Interpretationen und Beurteilungen unserer Befragungsdaten ohne Verwendung des dazugehörigen Erklärungsansatzes erscheint aus unserer Warte wenig sinnvoll.
Habt ihr diesmal blauäugig den Äusserungen der Umfrageteilnehmer geglaubt ? wieso sprechen alle von Überraschung ? war das nicht absehbar ? oder waren gar die Ergebnisse manipuliert um dann “überraschung” zu sagen ?
Vielleicht das nächste mal ein wenig die Internetforen durchlesen
Viel Erfolg.
Danke, für den Hinweis.
In der Tat überlege ich, das Monitoring der Instrumente zu erweitern.
Allerdings nicht beliebig, sondern da, wo klare Indikatoren bestehen, die Quantifizierungen zulassen.
Bei “die Internetforen” kommt es doch wohl sehr darauf an, welche man meint.
Was ist ihr Vorschlag? – Solche, die diesmal zwischen 55 und 60 Prozent Ja-Tendenz ergaben.
Ihr Beitrag ist etwas schwer lesbar. Er weist mühsam verschachtelte Sätze und kleine Fehler auf, welche z.T. die Bezüge verwischen.
Zur Sache:
Ich kenne inzwischen einige, die “zugeben”, eigentlich gegen die Initiative gewesen zu sein, aber aufgrund der klaren Ablehnungsprognosen “ein Zeichen” setzen wollten, der Initiative zu einem “guten Resultat”, einem knappen Nein “verhelfen” wollten, und ja gestimmt haben.
Und das Resultat nun wieder rückgängig machen möchten!
Ich glaube, das JA ist eine kumulierte Kommunikations-Panne, hauptmitschuldig: gfs!
Eben: “Aussageverweigernde” sind eben nicht unbedingt “Unentschlossene”, wie das in den GFS-Umfagen immer heisst.
Danke für den Hinweis.
Diese Art mail erhalten wir dieser Tage dutzendweise.
Immer von Leuten, die Leute kennen. Aber nie von den Leuten selber, die uns echt interessieren würden.
Können Sie uns helfen?