Konstruktive und kritische Diskussionen der Rolle von Umfragen in Abstimmungen an der Schweizer Journalistenschule MAZ am 11.11.2009
Heute Morgen war ich Gast am MAZ – der Schweizer Journalistenschule. Mark Balsiger – Kollege, Campaigner und eben: Dozent für politische Kommunikation am MAZ hat mich als Gast geladen, um über Umfragen zur Minarett-Initiative zu sprechen.
Ich wählte einen stark deduktiven Zugang auf Basis des Dispositionsansatzes von Claude Longchamp. Ich hatte Angst, damit zu theoretisch zu werden. Die Diskussionen zeigten mir aber, dass die JournalistInnen den Grundgedanken der Meinungsbildungsprozesse gut nachvollziehen konnten.
Das erste Beispiel betraf die Personenfreizügigkeit ein mit den entsprechenden Modellbeispielen zu Behördenvorlagen. Sehr schnell viel der starke Anstieg des Ja-Anteils zwischen letzter Umfrage und Abstimmungsresultat aus. 1. Punkt für die Studierenden!
Zweites Beispiel war dann Minarett-Initiative. Die Modellbeispiele sind hier anders als Behördenvorlagen und trotzdem wagte sich ein Studierender an die These, um welchen Modellfall es sich handeln könnte. Ich selbst hätte vor der Umfrage auf einen anderen Idealtyp gewettet – nämlich auf eine Mehrheitsfähigkeit in der Ausgangslage. Aber der Journalist hat klar eine relative Nein-Mehrheit bei tiefer Unentschiedenheit erwartet und zudem wenig Meinungswandel bis zum Schluss. Praktisch zitiert aus unserer Synthese zur ersten Welle – und ich glaube ohne entsprechendes Vorwissen.
2. Punkt für die Studierenden und einen dritten Extrapunkt für absolut stimmige Thesen – stimmger als es die Politologen ohne Vorwissen machen würden!
Zum Glück beziehen sich PolitologInnen wenn immer möglich auf relevante und empirische Grundlagen und nicht auf ihre Intuition.
Es bleibt das Fazit: Meine Kritik gewisser Tendenzen in Medien wie der Hyperpersonalisierung ist keine Kritik an mangelnder Kompetenz oder übermässigem Drang zur Vereinfachung einzelner JournalistInnen. Es ist eine Systementwicklung, die ich kritisch beobachte. Und ich hoffe, dass nach dem heutigen Tag die JournalistInnen diese Systemkritik nicht personalisieren und damit auf sich beziehen. Dafür hatte ich viel zu viel Freude an diesem Austausch!
Die Unterlagen können auf Nachfrage über lukas.golder@gfsbern.ch für private Zwecke oder als Unterrichtsmaterialien bezogen werden.
Der Blog von Mark Balsiger
maz
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