Heute erscheint die erste SRG-Umfrage zu den Volksabstimmungen vom 29. November 2009. Das Verbot für die Kriegsmaterialausfuhr ist in der Ausgangslage in der Schwebe, während bei der Minarett-Initiative heute das Nein überwiegt.
Trotz der klareren Verhältnissen bei der Minarett-Initiative bot die Analyse dieses Themas mehr Schwierigkeiten. Denn das Muster bei der Kriegsmaterial-Initiative gleicht dem, was man bei Initiativen kennt, die im Links/Rechts-Spektrum polarisieren.
Bei der Minarett-Initiative drängt sich eine Analyse der Polarität von Tradition und Moderne auf. Dabei handelt es sich um die zweitwichtigste Konfliktlinie bei Schweizer Volksentscheidungen, und die Hauptfrage ist, wie weit die Unterstützung der Initiative über die SVP-Wählerschaft hinaus reicht. Denn bei dieser kann man annehmen, dass sie am Abstimmungstag gut mobilisiert ist und grossmehrheitlich dafür votieren will.
Die interessantes Zusatzpotenziale finden sich erfahrungsgemäss bei den Parteiungebundenen, bei der CVP- resp. der FDP-Wählerschaft. Letztere scheidet für die Initianten weitgehend aus. Sie will in ihrer Mehrheit gegen die Initiative stimmen, und sie liesst die getesteten Argumente entsprechend.
Weniger sicher ist das an der CVP-Basis und bei den parteipolitisch ungebunden Stimmenden. In ihren vorläufigen Stimmabsichten sind sie zwar mehrheitlich auf der Nein-Seite, wenn auch nur knapp. Doch deckt der Argumententest auch Gegenteiliges auf: Er zeigt, dass insbesondere die CVP-Basis und die ungebundenen die Botschaften der Ja-Seite ebenso befürworten wie die des Nein-Lagers.
Das spricht dafür, dass hier die Meinungen höchstens labil gemacht sind. Bei der CVP kann die Ablehnungstendenz am ehesten mit der Parteiloyalität, allenfalls auch mit der Kirchenbindung geklärt werden. Bei den Ungebundenen wird aber alles unsicher.
Denn anders als bei Grünen, SP und FDP ist die Ablehnung der Pro-Argumente an der CVP -Basis nicht sicher, und erklärt noch keines der Nein-Argumente, warum man die Initiative ablehnen will.
Im besseren Fall für die Abstimmung, haben wir die Auswahl der getesteten Botschaften zu wenig sorgfältig gemacht. Im besseren Fall für unser Analyse, hat die Nein-Seite genau dort, wo es darauf ankommt, noch keine wirksamen Botschaften platzieren können.
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