Stimmverhalten der Jungen: Markwalder- und Reimann-Kohorten

Wie der VOX-Trend-Bericht 2008 aufzeigt, sind die 18-29 jährigen, die an europapolitischen Abstimmungen teilnehmen, heute deutlich EU-kritischer als die damals Jüngsten vor 10 Jahren. Wir sprechen deshalb von einer Markwalder-Kohorte (NEBS-Präsidentin) und einer Reimann-Kohorte (Young4Fun-Gründer).

Nach wie vor begeistern sich sehr wenig junge Stimmberechtigte für die Politik und die Teilnahme ist massiv unterdurchschnittlich. Hier hat sich – leider aus demokratietheoretischer Sicht – wenig verändert. Optimistisch stimmt allerdings, dass sich ab 30+ offenbar der Teilnahmeanteil systematisch steigt und damit die Situation nicht schlimmer wird.

Um diese Begeisterung oder mindestens das Interesse zu wecken, braucht es offenbar Katalysatoren. Im Fall der von uns vorsichtig als “Markwalder-Kohorte” bezeichneten Gruppe (geb. 1971-1980) könnte dies unter anderem der Fall der Mauer gewesen sein, der die Weltordnung nach den goldenen Achtzigern auf den Kopf stellte. Damals herrschte ein grosser Optimismus vor, dass sich neben einer sicheren Wirtschaftssituation auch eine globale und friedliche Weltordnung etablieren könnte. Diese Kohorte ist damit etwas verträumt und in der Luft: Dem Verfolgen des eigenen, individuellen Glücks steht in einer friedlichen, geeinten und prosperierenden Welt nicht entgegen.

Die Neunziger brachten dann aber auch die Schattenseiten hervor: Die Reimann-Kohorte (geb. 1980-1989) erlebte ihre formativen Jahre ab Mitte der Neunzigerjahre in einer wirtschaftlich viel schwierigeren Zeit. Es erstaunt nicht, dass die heutigen Jüngsten die Interessen der Wirtschaft sehr ernst nehmen und sich stark um die eigene Lehrstelle und den eigenen Arbeitsplatz sorgen.

Die Schattenseiten der Globalisierung äusserten sich nach dem Fall der Mauer beispielsweise auch beim Bosnienkrieg. Eine friedliche Weltordnung etablierte sich nicht. Dies könnten die Katalysatoren der Reimann-Kohorte gewesen sein. Damit könnte auch eine Rückbesinnung auf traditionelle Schweizer-Werte und die stärkere Unterstützung einer repressiven Asyl- und Ausländerpolitik verbunden werden, welche sich bei den heute jüngsten Stimmberechtigten zeigt. Sie wuchs in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten auf und orientiert sich stärker an einer klassisch definierten Sicherheit. Sie ist damit handfester, pragmatischer und mehr am Boden als die Markwalder-Kohorte.

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