Leben wir in der Schweiz in einer Mediengesellschaft? – Eine Abklärung, die zu differenzierten Schlüssen führt.
Im Rahmen der 14. Jahrestagung der politischen Berater Europas (EAPC), 2009 in Zürich ausgetragen, präsentierten verschiedene Schweizer Forscher, Macher und PolitikerInnen ihre Erfahrungen mit der nationalen und transnationalen Politikarbeit. Mir war es aufgetragen, über die “Neue Aspekte in Wahl- und Abstimmungskämpfen der Schweiz” zu reden.
Dabei interessierte ich mich, wie weit das gerade in den Medienwissenschaften breit vertretene Konzept der Mediengesellschaft für die Schweiz zutrifft. Die genauere Beschäftigung führte mich zu drei recht unterschiedlichen Schlüssen:
. Erstens, die politische Kampagnenkommunikation wird durch die Eigenheiten der Mediengesellschaft stark geprägt. Das gilt für Abstimmungskämpfe schon länger, für Wahlkämpfe seit neuestem. Damit einher gehen ein wachsender Einfluss der Medien auf die Akteure, die Professionalisierung der politischen Arbeit und die Kommerzialisierung der Aktion.
. Zweitens, die politische Kultur der Schweiz, geprägt durch Konkordanz und Sachorientierung verändert sich unter dem Einfluss der transformierten politischen Kommunikation. Sie wird zusehends durch Inszenierungen wie Personen, Polarisierungen in der Sache und Skandalisierung der Akteure geprägt. Es kommt immer mehr zu einem Auseinanderfallen von rationaler Argumentation und Empörungsaktionen.
. Drittens, die politischen Institutionen werden in der Folge zwar kritisiert, zeigen aber ein erhebliches Beharrungsvermögen. Ihre Logik ist bisher nur sehr beschränkt den Erfordernissen der medialisierten Politik unterworfen worden. So wird der Bundesrat unverändert durch das Parlament gewählt, und die Kommerzialisierung von Kampagnen via bezahlter TV-Spots der Akteure bleibt weiterhin untersagt.
Mediengesellschaft, so meine Folgerung, ist eine interessante Perspektive, gleichzeitig aber auch ein weitreichender Schluss zu Konsequenzen, die sich nicht automatisch einstellen. Denn das Vordringen der Medien in das Herz der Gesellschaft ist kein linearer Prozess, eher eine dauerhafte Auseinandersetzung mit Akteuren, Kulturen und Institutionen.
Hier die Referatsunterlagen!
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