Der “Flugs-Journalismus” grassiert. “heute” fischt im seichten und klaren Wasser, zieht entsprechend keine Beute an Land und spitzt darauf basierend weil die Informationsbeute fehlt einzig den eigenen ausgeworfenen Angelhaken zu.
Unterdurchschnittliche Beteiligung am 24. September 2006 zeichnet sich ab! Diese falsche “Neuigkeit” wurde im “heute” am Mittwoch vor der Abstimmung verbreitet. Hintergrund war nicht etwa eine Befragung – solche dürfen so kurz vor der Abstimmung gemäss Verbandsrichtlinien des Verband der Schweizer Markt- und Sozialforschung (vsms) sowieso nicht publiziert werden. Nein! Diese News stammten aus der Stadt Zürich, in der offenbar etwas weniger briefliche Stimmen eingingen bis zum Dienstag als man wegen des emotionalen Themas erwartet hatte.
Auf Basis der schlicht falschen Aussage, dass Asylthemen stets über 50% Teilnahme ergeben hatten, verstieg sich “heute” flugs auf Basis der Info der Stadt Zürich zur Aussage, dass sich in der Schweiz eine tiefe Beteiligung abzeichnet. Er konfrontierte damit noch mich…ich versuchte ihm nach allen Regeln der Kunst klar machen wollte, dass Zürich für die Schweiz etwa das gleiche ist wie New York für die USA. Zürich ist linker, urbaner, wirtschaftlicher, protestantischer, medialer, kultureller und deutschsprachiger als die Schweiz! Zudem sind Trends aufgrund des Eingangs von brieflichen Stimmen aus Städten an sich völlig ungeeignet für Trendaussagen, weil gesamtschweizerisch eine reale Statistik der brieflichen Stimmabgabe unmöglich ist. Föderalistisch wie wir sind führen die Kantone relativ selbständig die eidgenössischen Abstimmungen durch. Florida lässt grüssen: Der amerikanische Bundesstaat hat praktisch im Alleingang das Rennen zwischen Al Gore und George W. Bush entschieden.
heute konnte es auch am Donnerstag vor der Abstimmung nicht lassen, im seichten und klaren Wasser dieser Beteiligungsfrage zu fischen und mit nichts am Haken einen Bericht zu schreiben. Er hakte beim gewissen Politologen lgo nach wegen der Beteiligung. Ich versuchte nochmals klar zu machen, dass eine sehr hohe Beteiligung für ihn eine Überraschung wäre und die spannende Frage ist, ob die Debatte rund um Christoph Blocher vielleicht entgegen der Erwartung nicht doch zusätzlich mobilisieren könne, weil eine Art Plebiszit über ihn stattfindet. Schliesslich versuchten einige Medien in der französischsprachigen und deutschsprachigen Schweiz relativ deutlich, eine Debatte zur Bilanz über die Regierungstätigkeit von Christoph Blocher zu machen. Dies ist zwar medial interessant, wirkt aber im unmittelbaren Umfeld der Abstimmungen doch etwas verkrampft.
heute produzierte darauf basierend einen Artikel mit dem Titel: Experte: “Das Asylthema bewegt, nicht Blocher.” Diesmal hatte fme nicht flugs aus keinen News über die Beteiligung einen Artikel über die Beteiligung geschrieben, sondern auf Basis dieser Nicht-News einen Artikel über die Plebiszitfrage geschrieben. Das nenne ich “no news today!”. Am Schluss, leider in indirekter Rede, spitzte er meine detaillierten Aussagen zur möglichen Beteiligung auf die Aussage zu, dass ich 45% am Sonntag erwarte. Aus no news wurden damit sogar false-news.
Der Grund liebe Leserinnen und Leser, wieso dieser Blog statt Anfang September erst Ende September 2006 startete war einfach und simpel: No news today!

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