Und sie arbeiten eben doch!

Gesundheitsförderung für ParlamentarierInnen, Gesundheitsförderung für die Bevölkerung: kein Zusammenhang?

Im wunderschönen Ferienort Flims im Bündner Oberland findet zurzeit die Herbstsession des Parlaments statt. Dass es in dieser idyllischen Umgebung nicht leicht fällt, ans Arbeiten zu denken, ist wohl wahr. Böse Mäuler behaupten sogar, dass die PolitikerInnen sich mehr mit Wellness und Wandern beschäftigen als mit ihren Dossiers. Gewisse Herren, die sich in freizügiger Manier im Bademantel vor dem Ständeratspavillon präsentierten, nahmen den Spekulationen nicht gerade den Wind aus den Segeln. Auch die eher ausgelassene Schullagerstimmung auf dem Sessionsgelände weist nicht darauf hin, dass in den Säälen hart gearbeitet werden soll. Von der ganzen Gerüchteküche wenig berührt zeigt sich die Bündner Bevölkerung. Für einmal dürfen sie, die sonst weit weg sind von dem was in Bern unten entschieden wird, hinter die Kulissen der Bundespolitik schauen. Kurz und gut: Das Bündnerland zeigt sich in Flims von seiner besten Seite, die Organisation dank tatkräftiger Unterstützung der Schweizer Armee besser als einigen beliebt und die Bratwürste schmecken vorzüglich.


Wellness in Flims

Während sich die PolitikerInnen dank des wohltuenden Klimas der Bündner Alpen zurzeit in Bestform befinden, steht es um den subjektiv wahrgenommenen Gesundheitszustand der Schweizer BürgerInnen so schlecht wie noch nie seit Messbeginn im Jahre 1986. Vor allem in den unteren Schichten leidet das Gesundheitsempfinden. Als entsprechend hoch wird die individuelle Belastung des Haushaltsbudgets durch die Gesundheitskosten beschrieben. Um künftig nicht noch stärker zur Kasse gebeten zu werden, unterstützen die SchweizerInnen verschiedene Massnahmen zur Kostensenkung im Gesundheitswesen. So spricht sich eine klare Mehrheit für mehr Markt aus. Mit der Forderung nach mehr Markt geht einher, dass die StimmbürgerInnen die Bürokratie im Gesundheitswesen neu als hauptverantwortlichen Kostentreiber für die steigenden Prämien sehen. Von einem Gesundheitsangebot, welches verstärkt marktwirtschaftlich ausgestaltet ist, erhoffen sie sich eine Kostendämpfung.

Die ParlamentarierInnen nehmen die Meinungen der BürgerInnen sehr ernst. Dies durften wir gestern an der Präsentation des Gesundheitsmonitors 2006 in Flims erfahren. An dieser Stelle möchten wir auch all jene Gerüchte als Lügen strafen, die behaupten, es werde nicht gearbeitet. Trotz eines langen Tages voller Sitzungen liessen viele Ratsmitglieder es sich nicht nehmen, an ihrem wohlverdienten Feierabend der Stimmbevölkerung in Sachen Gesundheit auf den Zahn zu fühlen. Chapeau!

Wer sich für die Studie interessiert wird hier fündig.