Nach der letzten repräsentativen StimmbürgerInnen-Befragung vor Abstimmung interessiert regelmässig, was man daraus für das Abstimmungsergebnis ablesen kann. Vor einfachen Faustregeln in Form von Umrechnungsfaktoren sei ausdrücklich gewarnt. Etwas anspruchsvollere Ueberlegungen sind aber gerade bei EU-Abstimmungen mit der nötigen Vorsicht möglich.
Einfache Extrapolationen von den letzten Befragungsergebnissen auf das Abstimmungsergebnis sind nicht möglich. Denn man muss zwischen
. Vorlagenart (Initiativen/Behördenvorlagen)
. Trends in der Befragungsreihe (Ja zunehmend oder abnehmend) und
. den Ereignissen, die nach der letzten Befragung geschehen,
unterscheiden.
Bei EU-Abstimmungen (meist Behördenvorlagen mit stabilem oder leicht steigendem Ja-Anteil) kann man wenigstens zwei der drei Randbedingungen einigermassen kontrollieren. Denn seit 1992 gab es fünf Volksentscheidung, die bis zuletzt mit einem identischen oder vergleichbaren Ansatz untersucht worden sind.
Den so generierten Daten kann man entnehmen: Die Untentschiedenen verteilen sich in der Regel auf beide Seiten. Die Proportion ist indessen nicht fix. Der Anteil des last swings auf die Ja-Seite variiert zwischen 0 und 50 Prozent der Unentschiedenen; im Mittel beträgt er 27 Prozent.
Auf die Gegnerschaft gemünzt heisst dies: Die Mehrheit der Unentschiedenen in der letzten Erhebung vor EU-Referenden ging immer auf die Nein-Seite. Im Schnitt waren es 73 Prozent, im Einzelfall mehr oder auch weniger.
Das ist den auch die einzige Faustregel, die man bei EU-Abstimmungen gelten lassen könnte:
Dass sich die Unentschiedenen im Verhältnis von 1 zu 3 auf die beiden Lager verteilen, und zwar zugunsten der Gegnerschaft. Im Einzelfall kann das Verhältnis aber auch 1 zu 1 oder 0 zu 4 lauten.
Die Variabilität lässt sich mit dem dritten Erklärungsgrund begründen: den Ereignissen nach der letzten Befragung, sprich, den meinungsbildenden und mobilisierenden Momenten in der letzten 14 Tagen. Die Extrembeispiele im Jahre 2005 waren:
. Schengen/Dublin: stark medialisierte EU-Abstimmungen in Frankreich und Niederlande, welche den Nein-Anteil im last swing in der Schweiz beförderten
. Personenfreizügigkeit: sehr starke Schlussmobilisierung der Ja-Seite.
Das hat bisher immer gestimmt. Es ist aber angesichts der eher geringen Fallzahl nicht mehr als eine erhärtete Spekulation. Vorsicht bleibt also angebracht, denn die vermeintlichen Faustregeln sind eher Fast-Regeln.
Claude Longchamp

Ich frage mich halt schon, ob es seriös ist, anhand solcher Befragungen Aussagen in genauen Prozentzahlen auf die Zustimmung innerhalb einzelner Parteien zu machen. Ich halte mich da lieber an die Ergebnisse der eigenen DV, an der mehr Personen teilgenommen haben, als CVP-Anhänger gesamtschweizerisch befragt wurden. Mehr dazu siehe unter http://www.cvpluzern.ch/blog/2009/01/29/cvp-und-die-bilateralen/.
Ich würde eine Gegenposition einnehmen:
An Delegiertenversammlungen kommen selbstredend die Delegierten, also die Mandatsträger, die ParteipräsidentInnen und die sehr stark Involvierten. Und es spielen auch taktische Ueberlegungen eine Rolle.
Die treuen Mitlieder mögen so abgebildet werden; das würde ich nicht einmal bestreiten.
Die Schweiz hat weniger als 10 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung, die Parteimitglider sind. Bei Abstimmungen nehmen aber zwischen 40 und 50 Prozent teil. Das heisst, es kommen auf 1 Mitglied 3 bis 4 SympathisantInnen und GelegenheitswählerInnen hinzu.
Hier kann es andere Strömungen geben. Bekannt ist insbesondere der Elite/Basis-Konflikt.
Ich sage dies ganz allegemein, ohne jede Anspielung auf die Verhältnisse in der CVP allgemein und in Luzern im Speziellen.