Die Mobilisierung wird immer wieder unterschätzt

Wären 100% der Stimmberechtigten Anfang Oktober zur Osthilfe stimmen gegangen, dann wäre das Resultat ultraknapp ausgefallen. Wiedermal ein Beweis, wieviel die Mobilisierung ausmacht.


normale journalistische zusammenfassung eines forschungsberichts – hier um einen wenig beachteten gedanken erweitert (quelle: swissinfo)

Mobilisierung ist vor allem dann eines der wichtigsten Kampagnenelemente, wenn der Markt der Stimmenden wächst. Dies ist seit ein paar Jahren auch in der Schweiz der Fall. Würde rein theoretisch eine unglaubliche Emotionalisierung zur Osthilfe in den letzten Wochen bis zur Abstimmung in Gang gesetzt und alle Stimmberechtigten an der Abstimmung teilnehmen, dann wäre der Ausgang äusserst knapp – mindestens so wäre es Anfang Oktober in unserer ersten Trendbefragung gewesen. Stellt man nur auf die Teilnahmewilligen ab, dann gibt es einen deutlicheren Vorsprung für die Ja-Seite – auch wenn dieser unter Berücksichtigung der (noch) nicht Entschiedenen unter 50% ausmacht.

Veränderungen zwischen Umfragen und dem Schlussresultat sind meist mobilisierungsbedingt; die grosse Änderung von Meinungen von sehr vielen Stimmberechtigten ist im Vergleich dazu viel weniger wahrscheinlich und weniger relevant. Eine Emotionalisierung kurz vor der Abstimmung mobilisiert und hilft meist der Gegnerschaft, denn wer nicht überzeugt ist, stimmt im Zweifelsfalle nein. Die höchste Teilnahme der letzten 30 Jahre war bei der EWR-Abstimmung 1992 und machte 80% der Stimmberechtigten aus. Und zur Erinnerung: Der EWR wurde abgelehnt!

Mobilisieren heisst bewegen: Bei Abstimmungen konkret zum Briefkasten oder zur Urne bewegen. Dies ist eine hohe Kunst der Kampagnenführung: Mit Argumenten oder Schlagworten lässt sich vielleicht argumentieren, aber wie lässt sich bewegen? Gerade die Ja-Seite muss hier sehr viel Kampagnen-Know-How walten lassen, denn die Bewegung muss auf den Argumenten aufbauen, wieso eine Änderung nötig ist. Die Nein-Seite ist in diesem Punkt im Vorteil: Emotionen helfen zu bewegen und von der Änderung muss man in diesem Fall nicht überzeugt werden.