Blochers Wert(e)

Christoph Blochers Wert in der politischen Kommunikation ist, dass er langfristig Werte kommuniziert. Deshalb weiss man bei ihm, woran man ist, und was man von ihm nicht zu erwarten hat. Eine Analyse dieses Profils, um das Jahr vor der Wahl des neuen Bundesrates zu strukturieren helfen.


Bundesrat Christoph Blocher (svp) vor “Der Holzfäller/Le Bûcheron” von Ferdinand Hodler (1910)

Provokationsmaschinerie und Wertemanagement

Christoph Blocher wirke auf die Medien, weil er wie eine
Provokationsmaschinerie arbeite, kritisierte jüngst FDP-Präsident Fulvio Pelli. Recht hat er, seine Warnung an die Medienwelt kam gerade noch rechtzeitig, um nicht nur als FDP-Vorwahlkampf abgetan zu werden. Doch die Analyse des Tessiner Nationalrates ist unvollständig, weshalb seine eigene Provokationsstrategie nicht gleichermassen funktioniert. Christoph Blocher provoziert nicht nur in der Tagespolitik, sondern auch in politkulturell sensiblen Fragen. Denn keiner hat diese in den letzten Jahren so systematisch kommuniziert wie er.

Das jüngste Wahlbarometer klassiert Christoph Blocher unter die helvetischen Konfliktpolitiker. wie früher Ruth Dreifuss und wie heute Pascal Couchepin, kennt er sowohl klare Anhänger, und ebenso klare Gegnerinnen. An ihm scheiden sich heute die Geister: Für die einen ist Christoph Blocher der kommende Erlöser von einem maroden Politsystem, für die anderen ist er dessen Totengräber selber.

Blochers Werteprofile

Dass Christoph Blocher so polarisiert, hat mit seinem konsequenten Wertemanagement zu tun. Wie kein anderer Politiker der Schweiz kommuniziert er mit seinen Auftritten und ihren Hintergründen, mit seinen events und ihren Botschaften immer auch Werte. Meine Analyse hierzu ergibt: Bundesrat Blocher ist für Menschen besonders glaubwürdig,

… die sich eine gegen Aussen verschlossene Schweiz wünschen,
… die eine generelle Bevorzugung der Schweizer vor den Ausländern wünschen, und
… für die wahre Autorität das gesellschaftliche Leben von heute viel zu wenig ordnet.

Das sind die drei stärksten Werthaltungen, die Christoph Blocher mit seiner hohen Medienpräsent tagtäglich kommuniziert. Sie lassen auch in seinem eigenen Bevölkerungsimage wieder finden. Doch sie sind aber nicht die einzigen. Denn er spricht auch Menschen besonders an,

… die eine starke, traditionelle Armee hochhalten wollen,
… die sich weniger Staat und mehr Wettbewerb wünschen,
… die grossen Einkommensunterschieden nivellierten Löhnen vorziehen und
… die den ökonomischen Fortschritt über Umweltschutz und andere postmaterielle Ziele stellen.

Man kann es auch so sagen: Christoph Blochers wert ist, dass er im Kern nationale Werte kommuniziert, besonders auch law&order hochhält, und das alles immer wieder mit liberalkonservativen Grundsatzpositionen verbindet. Er verkörpert heute das, was rechts ist, was konservativ ist, was neoliberal ist.

Ganz bewusst habe ich einen Wert nicht aufgelistet: die direktdemokratische Mitsprache. Nicht weil die damit verbundenen Werte von Christoph Blocher nicht kommuniziert würden; aber weil sie bei Weitem nicht nur für Ihn typisch sind, und damit wenig beitragen zur erklärung, was Christoph Blocher Wert als Konfliktpolitiker ausmacht.

Je grösser die Schrift, desto stärker der Zusammenhang: Zur Prüfung unserer Annahmen wurden im Oktober 1000 repräsentativ ausgewählte SchweizerInnen befragt. Sie konnten sich einmal zur Glaubwürdigkeit von BR Blocher äussern; sodann konnten sie Angaben machen, in welchem Masse ihnen 12 ausgewählte Werthaltungen wichtig sind. Mit einer Regressionsanalyse wurden die Werte ermittelt, die positiv formuliert zur Glaubwürdigkeit von C. Blocher in der stimmberechtigten Bevölkerung beitragen, oder aber negativ formuliert, seine Unglaubwürigkeit bei Personen stärken, die diese Werte nicht teilen.

Drei Thesen zu den Wirkungen auf die SchweizerInnen

Was davon macht ihn wirkungsvoll in der Ansprache von Bevölkerungswünschen? Ich formuliere mal drei Thesen:

Erstens, den Nerv der Schweiz trifft Christoph Blocher am besten, wenn er die Betonung schweizerischer Tugenden rund um ein suaberes, geordnetes und ruhiges Land verlangt. Das macht seine Positionen auch weit ausserhalb seiner eigentlichen Fan-Gemeinde akzeptabel, insbesondere auch in den unteren Gesellschaftsschichten. Tendenziell dürfte das auch zutreffen, wenn sich BRB für weniger Staat einsetzt, denn gerade im bürgerlichen Lager sind Forderungen nach mehr Wettbewerb mehrheitsfähig.

Zweitens, vor allem die Mobilisierung seiner Kerntruppen hat Christoph Blocher immer dann vor Augen, wenn er die traditionelle Schweiz aufleben lässt, die Vorrechte der Einheimischen vor den Fremden versichert und die angestammte Armee als Garanten dafür preist. denn da kommt die nationalkonservative Schweiz am besten zum Ausdruck.

Drittens, am meisten Widerspruch in der schweizerischen Bevölkerung ernten Christoph Blocher heute , wenn er eine von der Weltöffentlichkeit abgeschottete Schweiz predigt, wenn er sich gegen eine ökologische Schweiz stellt und wenn er grosse Vermögens- und Einkommensunterschiede verteidigt. Positioniert er sich so, stösst er vor allem im gemässigt bürgerlichen, schweizerisch-modern denkenden Teile des Landes nicht auf Unterstützung.

Meine Empfehlung an die FDP und ihre Analysten

Was Fulvio Pelli daraus lernen kann. auch seine Partei braucht eine wertmässig klare Verankerung. Das braucht sie nicht nur heute, und dabei kann sie nicht einfach die eigene Vergangenheit vergessen. Werte der Zukunft spiegeln sich immer in den Erfahrungen der Menschen, die sie bisher mit dem Thema und dem Kommunikator gemacht haben. dabei sind die BürgerInnen viel geübter, als mancher Parteipräsident, modernisierer der FDP und Rezeptschreiber denkt.

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