(blau dargestellt: mittlere Verschiebungen, rot dargestellt: grosse Verschiebungen)
Das sind die Präferenzen der Wählenden in Bern im Vergleich zu 2004. Die Prozente lassen eher quantitative Vergleiche zu als die Sitze und es sind daraus eher Tendenzen für andere Wahlen abzuleiten.
Während im Gemeinderat und beim Stadtpräsidium keine Überraschungen auftauchten, präsentiert sich der neue Stadtrat in einem politisch teilweise neuen Kleid. Zwar hat Rot-Grün-Mitte immer noch knapp die Mehrheit mit 42 von 80 Sitzen, aber die Situation ist eindeutig unübersichtlicher geworden. Der Umbau in der Mitte und in der bürgerlichen Mitte ist weiterhin im vollen Gang.
Trotz der tatsächlich eingetretenen starken Gewinnen der GLP, konnte sich das grüne Lager mehr oder weniger halten. Die GLP scheint im städtischen Raum vor allem eine ernsthafte Alternative für die liberalsoziale SP-Wählerschaft zu sein. Auch die SP musste trotz starker Lokomotive auf Ebene des Stadtpräsidiums starke Einbussen hinnehmen.
Als grosse Gewinnerin kann sich die BDP feiern. Auf Anhieb hat sie mit der SVP vergleichbare WählerInnenprozente erreicht. Dies war auch von mir in diesem Ausmass nicht erwartet und dürfte nicht nur auf Kosten der SVP geschehen sein: Die SVP hat von allen grossen Parteien am wenigsten Federn gelassen. Möglich sind Mobilisierungsgewinne für die BDP (und für die SVP) aber auch Stimmengewinne von eigentlich Wechselnden von der FDP zur BDP. Die FDP ist die klar grösste Verliererin der Berner Wahlen. Da auch in der Region Bern die BDP Wahlsiegerin ist, ist die BDP mindestens in Bern direkt zur ernst zu nehmenden Wahlkandidatin aufgestiegen, welche eine echte Konkurrenz zum etablierten bürgerlichen Lager darstellt. Die FDP hatte allerdings mit Stephan Hügli eine spezifische Herausforderung, welche die Mobilsierung des eigenen Lagers erschwert haben könnte.
“Die Mitte” schnitt allerdings sehr schwach ab. Sie wurde sogar klar distanziert von Jimy Hofer, den die absolut meisten Wählenden klar nicht in der Exekutive wollten, als zusätzlicher Farbklecks in der politischen Landschaft Berns scheint aber auch er willkommen. Er steht damit symbolisch für eine Berner Wählerschaft, die in der Exekutive auf Kontinuität setzt aber in der Legislative für mehr Farbe und Vielseitigkeit eingetreten ist. Die Polarisierung, welche die Neunzigerjahre beherrschte und bis 2007 immer noch teilweise weiter bestand, scheint überholt. Die späten Nullerjahre bringen deutlich mehr Farbe Links, Rechts in der Mitte und auch quer zur bekannten politischen Landschaft.

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