Ideenmesse hiess sie. Eingeladen war ich. Einen workshop geleitet und ein Referat gehalten habe ich. Um die liberale Wende 2007 ging es den ganzen Donnerstagnachmittag und -abend: Gelingt sie, oder gelingt sie nicht? Das war auch die Frage, die man mir gestellt hatte. Meine Antworten stelle ich der Blogosphäre als erstes zur Verfügung.
Ich habe meine Aufgabe undogmatisch aufgefasst, – als Aufforderung, Rahmenbedingungen des gesuchten Erfolgs zu eruieren. Ich weiss, wenn es um Parteiprogramme geht, bin ich nicht der Hirsch. Sachfragen beschäftigen mich aber schon, und Werthaltungen, die sie reflektieren, interessieren mich erst recht.
Ich weiss: Keine Partei kommt in der Schweiz dauerhaft weit über 25 Prozent; und keine Partei hat eine Mehrheit von WählerInnen, die sie wegen der reinen Lehre wählt. Es ist immer ein Mix aus Hoffnungen und Aerger, Wünschen und Enttäuschungen, die die Wählenden leitet. Und es sind immer Menschen, Themen und Stile in der Erinnerung, wenn sie die Wahlzettel ausfüllen. Diesmal, so nehme ich an, wird es auch vermehrt um die Regierbarkeit des Landes gehen.
Also habe ich meine Ueberlegungen zum Thema einer liberalen Agenda gemacht und vorgetragen. Für eine bestimmte Partei habe ich geworben, für eine liberale Bewegung quer dazu indessen schon. Denn sie ist über- oder transparteilich in Sachfragen heute schon sichtbar, ist meine These.
Zum Beispiel, wenn wir über Stammzellenforschung debattieren und entscheiden. Dann blickt die halbe Welt auf die Schweiz und fragt sich, wie ist das möglich, dass eine liberales Gesetz nicht nur das Parlament passiert, sondern auch in einer Volksabstimmung angenommen wird. Weil die sachbezogene Politik der Schweiz schon längst liberal ist, antworte ich. Darunter verstehe ich eine BürgerInnen-Gesinnung, die offen, marktwirtschaftlich, tolerant, modern und gerecht ist.
Aus meiner Sicht ist das möglich, weil die Schweiz und die SchweizerInnen von einem hohen wirtschaftlichen Pragmatismus geprägt wird, weil sie zivilgesellschaftlich gut funktioniert und weil sie politisch ein unverkrampftes Verhältnis zum Staat haben. Das wollte ich den liberalen Denkern der liberalen Parteien mit auf ihren Weg geben.
Und um es noch deutlicher zu machen: Liberalität im heutigen Sinne leitet sich idessen nicht mehr nur aus der protestantischen Ethik ab. Wertkonservative unterschätzen das, wenn sie liberal auf Eigenverantwortung beschränken wollen. Liberal ist heute auch, wenn seine Selbstbestimmung radikal einfordert, indem er seine Handlungsmöglichkeiten als aktives Individuum gegenüber Staat und Wirtschaft, gegenüber jeder Herrschaftsform erweitern will. Wertprogressive unter den zeitgemässen Liberalen müssten das ihren wertkonservativen Kollegen intensiver vermitteln, als ich das kann.
Ich habe meinen kleinen Beitrag dazu zu leisten versucht, indem ich einige Ideen in die Ideenmesse getragen habe. Ich habe gesehen, dass die ersten Exponenten
schon reagiert haben, bevor ich überhaupt agieren konnte. Mehr will ich zu solchen Schnellschüssen gar nicht sagen, denn ich bleibe aber optimistisch, dass eine fruchtbare Diskussion entsteht!
Deshalb stelle ich meine workshop-Unterlagen und mein votum an der Abendveranstaltung der Blogoshäre zur Verfügung, die schon mal eine Insel meiner Liberalitätsideen ist.
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