Wie baut man einen Oppositionsflieger in der Schweiz? Mein Bauplan wäre klar:
Die Aerodynamik: Grundvoraussetzung für das Fliegen. Keine Regierungsbeteiligung mindestens auf Bundesebene, sonst kann der Flieger überhaupt nicht abheben.
Die Piloten: Im Cockpit ein erfahrener Captain mit Ruhe und strategischer Umsicht und ein junger ambitionierter Co-Pilot.
Die Triebwerke: Den Oppositionsflieger treibt man am besten mit Abstimmungssiegen an. So starke Düsentriebwerke gibt es in keinem anderen Land, denn überall sonst heisst Opposition: Abwarten und kritisieren, aber nicht blockieren und gestalten! Gewinnt man sogar ausserhalb der eigenen Kernthemen Abstimmungen, kann man das Schweizer System praktisch lahm legen.
Die Flugroute: In einem möglichst hohen, schnellen und weiten Flug eilt man am besten von Wahlsieg zu Wahlsieg in den Kantonen. So treibt man die anderen Parteien vor sich her, verunsichert sie, verwickelt sie in interne Konflikte und zwingt sie immer wieder zu Konzessionen.
Die finale Destination: Das Flugziel ist klar. Der Wahlsieg 2011, der nicht nur deutlich mehr Sitze im Parlament, sondern mindestens zwei Bundesräte und vielleicht sogar die Mehrheit im Bundesrat bringt.
Und die Bilanz, ein Tag nach der dreifachen Niederlage am 1. Juni 2008?
Die Frage der Aerodynamik ist immer noch nicht gelöst: In einem Fall hat man beim Startversuch viel Flurschaden hinterlassen, weil man statt einer Person eine ganze Sektion ausgeschlossen hat und im anderen Fall ist bis heute keine Lösung in Sicht. Ist dieser Oppositionsflieger fluguntauglich?
Die Piloten? Das Assessment war klar: Entweder diese beiden oder gar keine. Doch beim PreFlightCheck scheint den beiden die Puste auszugehen. War das Trainingscamp zu kurz, um den Oppositions-Kunstflug zu beherrschen? Oder lässt der Trainingsstand ganz generell zu wünschen übrig?
Die Triebwerke: Nach dem dreifachen Nein von gestern erscheinen die Triebwerke höchstens als Turbo-Props – gut geeignet, um die eigenen Schäfchen im Zaun zu halten, doch reihum brechen schwarze, grüne, blaue, rote und orange Schäfchen aus! Da scheint etwas am Bauplan schief gelaufen zu sein.
Die Flugroute: Die führte bisher eher durch heimische Gefilde – immer dem SVP-Sünneli nach. Aber der Blocher-Effekt bei den kantonalen Wahlen? Diesen können nicht einmal Studierende der St. Galler Uni nachweisen. Die Erfolge waren in einer Reihe mit den Erfolgen bei den letzten Wahlen – diese waren allerdings in der Tat beeindruckend! Die SVP fliegt, aber sie fliegt noch ganz bestimmt nicht interkontinental.
Die finale Destination: Die erscheint im Moment im Nebel und das Sünneli ist verdeckt. Eine breite Volksbewegung ist nicht ausgelöst – das Schweizer Volk hat dem Oppositionsflieger (noch?) keine Starterlaubnis erteilt.
…to be continued.
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