Gestern schrieb die NZZ auf ihrer Wirtschaftsseite: “Brüssel fordert CO2-Abgabe für Autos. Die EU-Kommission kommt der Industrie entgegen”. Und der Kommentar endet mit: “In der Not bringt ein zusätzlicher Lobbyist mehr als ein zusätzlicher Ingenieur.” Besser hätte mich die Zeitung nicht lancieren können, den gleichentags unterrichtete ich am MBA-Kurs “Management für Non-Profit-Organisationen” der Uni Fribourg über “Trends im Lobbying”.

Der neueste UN-Klimabericht spricht von globaler Erwärmung, die weltweit bekämpft werden müsse; meine Prognose: das wird das neue Tummelfeld für den Lobbyismus
Seit bald 10 Jahren unterrichte ich am VMI der Freiburger Uni zum Thema Lobbying. Nicht als Lobbyist. Aber als Beobachter von LobbyistInnen. Für meine jüngste Veranstaltung habe ich versucht, daraus 5 wesentliche Trends zu identifizieren, wie sich die einfache Beziehungspflege zur umfassenden Politiksteuerung entwickelt hat.
Lobbying hat sich in den letzten 15 Jahren stark entwickelt, und zwar von der Tätigkeit im Hinterhof zu einem dialektischen Spiel mit Transparenz und Diskretion bei der Politikbeeinflussung.
Konzentriert man sich auf das erfolgreiche Lobbying, kann man 5 Entwicklungen beobachten, wovon die ersten zwei schon weitgehend vollzogen, drei jedoch erst in Entwicklung begriffen sind.
. Trend 1 “Differenzierung”: Gutes Lobbying setzt die Aussscheidung von speziellen Akteuren voraus, die sich mit Lobbying beschäftigen.
. Trend 2 “Professionalisierung”: Gutes Lobbying nutzt spezifisches Wissen, das im Willensbildungsprozess getauscht wird.
. Trend 3: “Politikzyklen”: Statt laufende Aktionen zu beeinflussen, initiiert gutes Lobbying ganze Politikzyklen von der Genese bis zum Vollzug von Programmen.
. Trend 4: “Steuerung”: Politisches Handeln von Akteure, die Einfluss nehmen wollen, wird heute vor allem durch Campaigning gesteuert, das Bargaigning, Lobbying und Kommunikation koordiniert zur Zielerreichung einsetzt.
. Trend 5 “Normierung”: Lobbying entwickelt heute Standards unter LobbyistInnen selber, was als Einflussnahme nütulich und sinnvoll ist, um sich vor (weiteren) gesetzlichen Regelementierung zu schützen.
Den jüngst vorgestellte UNO-Bericht zur Klimaentwicklung wollte ich eigentlich für die Exemplifizierung meiner Thesen verwenden. Doch da bin ich bös überrascht worden durch die Tagesaktualität, die sich mit der EU-Entscheidung zur Politik für die europäische Automobilindustrie ergab.
Auf der Rückfahrt von meinen Kurs sinnierte ich: Lobbying ist ein fluides Medium, dass relevante politische Entscheidungen anvisiert, die überraschend in unser Bewusstsein dringen!
Das wäre dann der sechste Trend …
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