Der Kanton Aargau betreibt Gemeindereform. Unter dem Titel GeRAG setzen sich Kanton und Gemeinden mit der Bedeutung und Zukunft der eigenen Gemeindelandschaft auseinander und bereiten die Arbeitsteilung zwischen Kanton und Gemeinden für die Zukunft vor. Dabei hat der Kanton Aargau einen grossen Massnahmenkatalog entwickelt, welchen ich hier nicht replizieren will(für Interessierte: http://www.ag.ch/gemeindeabteilung/de/pub/projekte/gerag.php).
Besonders interessant ist dabei die angedachte Massnahme, im Kanton Aargau aus den Agglomerationen Baden und Aarau zwei mittelgrosse Zentren zu bilden. In einer Befindlichkeitsstudie zum Projekt GeRAG, in welcher wir rund 1000 Aargauer Stimmberechtigten zu ihrer Befindlichkeit und ihren eigenen Vorstellungen zu Gemeindereformen befragt haben, stellten wir fest, dass in der Aargauer Stimmberechtigtenschaft durchaus mehrheitliche Bereitschaft für Reformen vorhanden ist, so lange sie nicht als Ziel eine Zentrumsbildung haben. Gerade bei Letzterem findet sich in der Aargauer Stimmberechtigtenschaft mehrheitlicher Widerstand.
Es steht mir keineswegs zu, auf dieser Basis dem Kanton Aargau in irgendeiner Form Ratschläge zu erteilen, ob eine Massnahme “Zentrumsbildung” sinnvoll ist oder nicht. Mir fehlt schlicht auch die Expertise, dies auf einer gesicherten Basis zu tun. Vielmehr bietet sich diese Diskrepanz zwischen behördlichem Vorgehen und Einstellung in der Stimmberechtigten geradezu an, auf eine wichtige Gegebenheit von Umfragen generell aufmerksam zu machen: Jede Meinung (und das gilt auch für Meinungen in Umfragen) ist nur so gut, wie die der Meinungsbildung zugrundeliegende Information. Oder auf unseren besagten Fall gemünzt. Die Aargauer Stimmberechtigten misstrauen Zentrumsbildung (die Meinung), weil es bisher (die zugrundeliegende Information) auch ohne ging. Ein solcher Entscheid aufgrund bisheriger Erfahrungen ist dabei keineswegs schlecht oder falsch, wir alle entscheiden täglich unzählige Male auf genau dieser Basis. Ein solcher Entscheid ist aber dann unvollständig, wenn die bisherigen Erfahrungen zukünftige Ereignisse nicht mehr genügend erklären. Wenn sich also in Zukunft beispielsweise die wirtschaftliche Situation im Kanton Aargau verschlechtern würde, weil man ohne Zentren dem Konkurrenzdruck aus den umliegenden Wirtschaftspolen nicht mehr Stand halten kann, dann wäre ein Widerstand gegen Zentrumsbildung vermutlich falsch, und würde von den gleichen Befragten (mit einer solchen hypothetischen Erfahrung als Entscheidhilfe im Hinterkopf) vermutlich nicht mehr gleichermassen getroffen.
Damit wird auch klar, was sich in einer Umfrage messen lässt: Wir zeigen nicht auf, welche Reform für den Kanton Aargau die beste wäre, sondern welche Reform aufgrund von individuellen Erfahrungen aller Stimmberechtigten zum jetzigen Zeitpunkt welche Zustimmung geniesst. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

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