Ich war an den jüngsten Statistiktagen der Schweiz Schlussreferent. Man hatte mich gebeten, nach den eidg. wahlen 2007 zum Stand der Wahlstatistik zu sprechen. Ich habe diese Aufgabe und Ehre gerne angenommen.
Mein Referat wird demnächst auf der Website der Tagung erscheinen. Hier sind schon mal die Kernaussagen, die ich in Luzern vor rund 200 StatistikerInnen gemacht habe.
Ich habe drei These vertreten:
Erstens, die amtliche Wahltstatistik in der Schweiz ist solide. Sie berichtet einigermassen schnell, deckt aber die sich ändernde, politisch-mediale Nachfrage nicht mehr genügend ab.
Zweitens, hinsichtlich der öffentlichen Verwendung gleichen sich die amtliche und nicht-amtliche Wahlstatistik zusehends an.
Drittens, StatistikerInnen müssen in ihrer Ausbildung und Arbeit nicht nur gut rechnen, sondern auch gut kommunizieren lernen. Diesbezüglich braucht es eine selbstkritische Diskussion, was StatistikerInnen tun resp. nicht tun.
Ich habe versucht, diese drei übergeordenten Gedanken anhand von sechs ausgewählten Beobachtungen zur Verwendung der Wahlstatistik in der Schweiz zu diskutieren. Diese sind:
. Die amtliche Wahlstatistik hat in ihrer Berichterstattung ärgerliche Lücken. So werden die AuslandschweizerInnen bundesweit nicht oder nur uneinheitlich ausgewiesen. Auch 15 Jahre nach der Einführung des AusländerInnenstimm- und -wahlrechts wissen wir letztlich nicht über das Verhalten dieser Gruppe MitbürgerInnen.
. Die amtliche Wahlstatistik lässt beispielsweise bei der Beteiligung Spekulationen über Gebühr zu. Die Vorzeitige Bekanntgabe von Trends in der Wahlbeteiligung führte 2007 zu Falschaussagen. Die Praxis muss überdacht werden, nichtzuletzt, weil Beteiligung und Wahlerfolge der verschiedenen Parteien nicht unabhängig voneinander sind.
. Die amtliche Wahlstatistik einzelner Kantone bewegt sich im Bereich der Wählerstromanalyse in Bereiche, die für die Schweiz innovativ sind. Eine rasche Standardisierung der neuartigen, interessanten Angebote, die sich im Ausland teilweise schon länger durchgesetzt haben, ist wünschenswert.
. Die massenmediale Berichterstattung über Wahlumfragen bleibt auf die Prognose(un)fähigkeit fixiert. Sie reagiert dabei unverhältnismässig stark aufgrund der skeptischen Einwände gerade auch theoretischer Statistiker. Dabei werden die realen Leistungen von Umfrage, die sich dank der angewandten Statistik verbessert haben, verkannt.
. Der Umgang mit dem Stichprobenfehler als Testinstrument bei Repräsentativ-Befragung hat sich verbessert. Es ist aber nicht beim Ziel, denn er neigt dazu, den Zusammenhang zwischen Genauigkeit und Sicherheit der Aussage zu übersehen.
. Komplexe statitische Verfahren haben in der Analyse von wahlbezogenen Daten Eingang gefunden. Dank Visualisierungen vermitteln sie ein verbessertes Bild der Realität. Die reine Statistik muss dafür aber auf die Bedürfnisse, die aus ihrer Vermittlung entstehen, weiter entwickelt werden.
Die Diskussion kam an dieser reich befrachteten Fachtagung zu kurz. Das galt leider auch für die Schlussverantstaltung, wo aus organisatorischen Gründen kaum mehr debattiert werden konnte. Auf die zahlreichen informellen Rückmeldungen, die ich dennoch erhalten habe, werde ich direkt eingehen!
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