Wir wagen eine Prognose: Die Wahlbeteiligung wird gegenüber 2003 erneut leicht steigen auf einen Wert zwischen 46 und 50 Prozent. Sicher sind wir dabei aber nicht.
Einmal mehr versteigen sich die Medien in Spekulationen über die Wahlbeteiligung vom 21.10.2007. Beigezogen werden wahlweise Umfragewerte, die flugs in Prognosen umbenannt werden, oder Aussagen von städtischen Wahlverantwortlichen, welche die briefliche Beteiligung mit nicht nachvollziehbaren Methoden und mit Vergleichen zur Wahlbeteiligung exptrapolieren.
Was die Umfragen zur Wahlbeteiligung aussagen: Mit dem Beginn der Geheimplan-Affäre und dem Höhepunkt der Schaf-Kampagne der SVP sind Emotionen in den Wahlkampf gekommen, welche auch die Absichten, bestimmt an den Wahlen teilzunehmen, zu diesem Zeitpunkt massiv erhöhten. Emotionen ist eigen, dass sie schnell entstehen – sie können aber auch schnell wieder abklingen. In den drei folgenden Umfragen ist diese Emotionalisierung praktisch linear abgeklungen und stand bei der letzten Befragung (mittlerer Befragungstag: 29.9.2007) bei 50 Prozent. Hätte sich dieser Trend ohne weitere Ereignisse fortgesetzt, wären Beteiligungswerte zwischen 45 und 48 Prozent zu erwarten gewesen. Nun sind die Krawalle in Bern genau am letzten Befragungstag passiert und damit kaum in der Mobilisierung der Umfrage enthalten. Sie dürften mobilisierend wirken, das Ausmass ist aber kaum abschätzbar. Bleiben die Mobilisierungswirkungen beschränkt, dann sind Werte unter 50 Prozent zu erwarten. Eine tiefere Wahlbeteiligung als 2003 lässt sich aus den bisherigen Wahlbarometer-Umfragen aber nicht erwarten. Das führt zu unserer Prognose der Wahlbeteiligung zwischen 46 und 50 Prozent.
Was die Eingänge der brieflichen Stimmen aussagen: Wenn die Wahlverantwortlichen der Städe genau offenlegen, wie sich der Eingang der brieflichen Stimmen unterscheiden zu den beiden vorangegangenen Wahlen und wenn die Wahlunterlagen genau zum gleichen Zeitpunkt in den genau gleichen Stadtteilen gleich verteilt wurden, dann kann mit einem unbekannten Fehlerwert vorsichtig eine Aussage zur möglichen Veränderung der Beteiligung in dieser Stadt gewagt werden. Es sind Aussagen über Personen, die sehr routinemässig an Wahlen teilnehmen. Die routinemässige Teilnahme ist unter den ältesten und pensionierten Männern am stärksten ausgeprägt. Die sinkenden Werte könnten auch einfach ein Hinweis darauf sein, dass innert vier Jahren viele ältere Männer, die 2003 sehr routinemässig am Tag wählten, an dem sie das Stimmmaterial erhielten, gestorben sind. Das hat mit der Wahlbeteiligung gar nichts mehr zu tun. Wir empfehlen deshalb, Aussagen von Städten zur möglichen Wahlbeteiligung nicht als Prognosen zu werten. Sie sind spekulativ und beschränken sich regional auf einzelne urbane Räume.
1 Response to “Unsere Prognose zur Wahlbeteiligung und (einmal mehr) zum Unterschied von Prognosen und Umfragen”