Frauen wollen sich signifikant weniger an den Nationalratswahlen 2007 beteiligen. Aber nicht alle Frauen. Während die älteren Generationen im Schnitt weniger häufig an die Urne gehen oder per Brief wählen als Männer, tun dies jüngere Frauen häufiger. Es gilt also:
“Junge(n) wählen weniger – als Mädchen.”
Diejenigen Frauen, die sich aber an den Wahlen 2007 beteiligen wollen – wen oder was wollen die?
Von ihren politischen Werten und Positionierungen her sehen sich Frauen selbst stärker in der Mitte und weniger rechts als Männer. Mehr als 4 von 10 Frauen ordnen sich selbst in der politischen Mitte ein, was auch ein Zeichen dafür sein kann, dass diese Dimension für sie weniger eine Bedeutung hat. Sie sind jedoch stärker postmaterialistisch eingestellt als Männer, und dies in relativ deutlichem Masse. Bei der aussenpolitischen Orientierung hingegen sind sie ähnlich eingestellt wie männliche Wahlberechtigte in der Schweiz.
Welche Themen beschäftigen Frauen? Trotz ihrer postmaterialistischeren Einstellung beschäftigt das Unweltthema die Frauen nicht deutlich stärker als Männer. Dafür erscheint ihnen die Ausländer- und Integrationsproblematik häufiger als ein Problem als dem anderen Geschlecht. Schliesslich beschäftigen sich Frauen auch signifikant stärker mit dem Thema Familienpolitik.
Welche Parteien sprechen Frauen also an? Zunächst einmal können Frauen weniger benennen, welche Partei den besten Wahlkampf macht. Sie geben hier häufiger die Antwort “weiss nicht”. Deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich bei der Bewertung des SVP-Wahlkampfes: Diesen halten deutlich weniger Frauen für den besten als Männer. Bei Frauen findet sich denn auch keine Mehrheit, die Christoph Blocher zur Wiederwahl in den Bundesrat empfiehlt. Dagegen unterstützten weibliche Wahlberechtigte Micheline Calmy-Rey deutlich mehr als Männer – was bei Doris Leuthard nicht der Fall ist (nicht signifikant sogar im Gegenteil). Merz und Couchepin sind Bundesräte, die bei den Frauen dagegen weniger gut ankommen, was auch für Samuel Schmid gilt, wenn auch in weniger starkem Masse. Frauen wollen eher einen Wechsel im Bundesrat als Männer. Sie sind stärker für einen Bundesratssitz für die Grünen. Auch hier ist die relative Mehrheit jedoch für den Status quo, wenn auch nicht im selben Masse wie bei Männern.
Wen wollen Frauen also wählen? Signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich nur bei den Stimmanteilen der SP und der FDP. Während Frauen der FDP signifikant weniger ihre Stimme geben wollen, wollen sie dies für die SP signifikant stärker tun. Bei der SVP, CVP, den Grünen und den Kleinparteien gibt es keine signifikanten Unterschiede.
Was folgt daraus?
Frauen sind postmaterialistischer eingestellt. Sie sind nicht stärker links, aber weniger stark rechts als Männer, dafür eher in der politischen Mitte. Sie machen sich Gedanken über Ausländerintegration, wollen deshalb aber nicht stärker die SVP wählen. Sie beurteilen den SVP-Wahlkampf verglichen mit den Männern als weniger gut und würden Christoph Blocher nicht wieder wählen. Sie machen sich auch Gedanken über Umweltfragen und Familienpolitik, sowie – wie auch Männer – über soziale Fragen wie AHV und Gesundheitswesen, und sie würden stärker für die SP wählen.
Was würde also passieren, wenn Frauen sich stärker an den Wahlen beteiligen würden? Oder anders gefragt: Was wird passieren, wenn die älteren Frauen, die sich signifikant weniger beteiligen, von den jüngeren Frauen, die sich signifikant stärker beteiligen als Männer, überlebt werden? Wenn es also einen Generationenwechsel gibt, und gleichzeitig der derzeitige Unterschied in der Wahlbeteiligung der heute jungen Männer und Frauen bestehen bliebe
Es wird spannend sein, zu sehen, welche Themen dann in den Vordergrund treten, und welche Parteien – und Personen – bei diesen Themen die besten Lösungsvorschläge parat haben werden.
Quelle: Datenpool Wahlbarometer Wellen 7-9, n = 3481.
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