Die öffentliche Diskussion der letzten 14 Tage war bestimmt durch die Debatte ĂĽber den “Geheimplan gegen Blocher”. Die Kontroverse zu allen Fragen, die sich dazu stellen, ist voll entbrannt.
Man hat dieser Tage viel über die Auswirkungen dieser Ereignisse auf den Wahlausgang spekuliert. Das Wahlbarometer, das heute erscheint, lässt die erste Ueberprüfung einer Vielzahl der aufgtestellten Hypothesen zu. Eine abschliessende Würdigung ist das nicht, denn die Auswertung, die heute publiziert wird, umfasst die Interviews vom 27. August bis zum 8. September. Seither realisieren wir aber bereits die nächste Welle des Wahlbarometers, die es erlauben wird, nicht nur die Auslösung, sondern auch die vorläufige Verarbeitung der Kontroverse in ihren Wirkungen abzuschätzen.
Was sind die Ergebnisse der Zwischenbilanz von heute?
1. Die mediale Focussierung auf das Thema war enorm, das hat den ganzen aufgebauten Zyklus im medial geführten Wahlkampf unterbrochen. Die Emotionalisierung der Oeffentlichkeit in der Schweiz ist erheblich. Die Bevölkerung ist aufgewühlt. Die Emotionalisierung führt zu einer erhöhten Beteiligungsabsicht bei den Wahlen. Aktuell liegt sie bei 55 Prozent, in der Romandie sogar deutlich höher, in der italienischsprachigen Schweiz aber auch einiges tiefer.
2. Die Mobilisierungsfähigkeit der Parteien in dieser veränderten Phase ist vorentscheidend für die Parteienstärke. Vergleicht man die Fähigkeit der Parteien, bisherige WählerInnen nicht an die Nicht- Wählenden zu verlieren resp. Nicht-WählerInnen von 2003 für die Wahl zu gewinnen, schneiden die KritikerInnen der SVP besser ab diese. Die beste Mobilisierungsbilanz hat die SP, gefolgt von den Grünen und der CVP. Die schlechteste hat die FDP, der es nicht gelingt, in der Beschleunigung des Wahlkampfes mitzuhalten.
3. Die aktuellen Ereignisse haben die WechselwählerInnen-Absichten zurückgehen lassen, sie aber auch verändert. Die CVP gewinnt zu Lasten der FDP und SVP Stimmen. Diese verliert erstmals auch etwas an Rotgrün. Innerhalb des linken Lagers gibt es eine Abwanderung von der SP zu den Grünen und von beiden Parteien zu den Grünliberalen.
4. Unter dem Strich verbessern sich die Grünen nochmals in der Gunst der Wählenden; gegenüber 2003 legt sie zu. Unter den Regierungsparteien gibt es keinen klar ersichtlichen Nutzniesser der letzten Tage. Die CVP kann sich leicht im Vergleich zu 2003 leicht im Plus halten; nicht mehr aber zulegen. Die SP bleibt praktisch unverändert mit leichten Verlusten zu 2003 stehen. Die SVP verliert etwas gegenüber der Vorbefragung und auch gegenüber der letzten Wahl. Gegenüber 2003 verliert die FDP einiges, auch gegenüber dem letzten Wahlbarometer. In der WählerInnenstärke fällt sie damit leicht hinter die CVP zurück.
War’s das schon? – Unsere Antwort lautet. Nein! Und das aus drei GrĂĽnden:
Zunächst, die Beteiligungsbereitschaft ist gegenwärtig ausserordentlich hoch. Es muss sich erst noch weisen, ob das bleibt. Die Erfahrung lehrt, dass die hohe Mobilisierungsbereitschaft mit Abflauen der Emotionalisierung wieder zurückgeht. Das kann sich direkt auf die Parteistärken auswirken.
Sodann, die SVP hat ihre Kampagne stark geändert. Der Themenwahlkampf mit der polarisierenden Aussage zur Ausschaffungsinitiative scheint in den Hintergrund zu treten; eines der polarisierenden Elemente dürfte damit verschwinden. Dafür wird ein personalisierter Wahlkampf aufgebaut, der einzig auf Bundesrat Blocher ausgerichtet ist und seine Leistungen für die Wirtschaft betont.
Schliesslich, der weitere Verlauf der Kontroverse innerhalb des Wahlkampfes hängt davon, welche Befunde und Bewertungen die weiteren Untersuchungen und Abklärungen bis zum Wahltag erbringen.
Wir werden das im Wahlbarometer auf jeden Fall weiter verfolgen!
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