Mobilisierung der Jugend tief – Bundesratsfrage beeinflusst Wahlentscheid

Junge nehmen an Wahlen und Abstimmungen in der Schweiz in der Regel unterdurchschnittlich teil. Bei Abstimmungen gibt es jedoch einen hohen Anteil von knapp zwei Dritteln der 18-35-jährigen, der sich selektiv, der heisst von Fall zu Fall an Abstimmungen beteiligt. An den Nationalratswahlen 2007 wollen sich im Sommer 2007 ca. 30 Prozent der 18-29-jährigen beteiligen. Dies sind signifikant weniger als ältere Wahlberechtigte und auch weniger als der Schweizer Durchschnitt.

Die Wahlbeteiligung der 18-29-jährigen hängt dabei signifikant vom Geschlecht und von der sozialen Schicht ab. Während bei den Wahlberechtigten insgesamt Männer eher teilnehmen als Frauen, ist dies bei den Jüngeren umgekehrt. Hier wollen Frauen signifikant eher partizipieren: Bei den jugendlichen Männern sind es 27 Prozent, die bestimmt teilnehmen wollen, bei den Frauen 34 Prozent. Allgemein nehmen Personen mit höherer Bildung und aus höheren sozio-ökonomischen Schichten häufiger teil. Dies ist auch bei den Jüngeren so: 45 Prozent der hoch gebildeten Jugendlichen wollen teilnehmen, aber nur 18 Prozent der 18-29-jährigen mit tiefer Bildung.

Wen wollen die Jugendlichen wählen, und warum?

Die Problemhierarchie der dringendsten Probleme unterscheidet sich bei den Jungen nur leicht von der Priorisierung der Wahlberechtigten insgesamt: An erster Stelle stehen Umwelt- und Klimafragen gefolgt von Ausländerintegration, Arbeitslosigkeit/Wirtschaftsentwicklung und sozialer Sicherheit. Anstelle der Familienpolitik steht bei den Jugendlichen jedoch die Asylpolitik an fünfter Stelle. Auffallend ist, dass zwar die Arbeitslosigkeit für die Jungen dringender ist als für die Wahlberechtigten insgesamt, aber auch für sie nicht mehr das grösste Problem darstellt.

Die Jungen schätzen sich auf der Links-Rechts Achse selber stärker links ein als ältere Wahlberechtigte und weniger in der Mitte, jedoch nicht weniger rechts. Sie bemessen der Dimension auch weniger eine Bedeutung bei als Ältere. Junge sind bei den politischen Wertedimensionen stärker für eine aussenpolitische Öffnung der Schweiz, sie sind stärker postmaterialistisch eingestellt und weniger stark für eine Individualverantwortung als Ältere. Auch sie sind jedoch mehrheitlich für die Verantwortung des Einzelnen anstelle des Staates.

SP und SVP sind auch bei den Jungen die stärksten Parteien, hier liegt jedoch die SP vor der SVP. Danach folgen die FDP, die Grünen und die CVP. 18-29-jährige wollen signifikant stärker die PdA wählen (2 Prozent) oder eine leere Liste einreichen. Sie wählen auch stärker die Grünen als Personen hohen Alters. Dagegen wollen sie unterdurchschnittlich die CVP und die SVP wählen.

Für die Wahl der SVP sind bei den Jungen deren Wahlkampf, Themen (Ausländer, Asyl), Personen (Maurer) und Werte (verschlossene Schweiz, materialistisch) entscheidend. Einen vergleichsweise starken Einfluss hat aber auch die Bundesratsfrage: WählerInnen unter 30, die sich einen rein bürgerlichen Bundesrat resp. den Status Quo bei der Bundesratszusammensetzung wünschen, wollen verstärkt die SVP wählen.

Die SP ist für jene Junge attraktiv, die deren Wahlkampf gut finden, die sich selber links einordnen und die klare Position der SP hier gut finden, und die die SP in den Themen soziale Sicherheit, Arbeitslosigkeit und Umwelt für kompetent halten. Auch jene, die gegen einen rein bürgerlichen Bundesrat sind, wählen eher die SP.

Für die FDP wirkt ihr Wahlkampf, der Wunsch nach der dem Status-quo beim Bundesrat sowie ihre Werteposition auf der Achse Materialismus-Postmaterialismus.

Bei den Jungen ist die CVP dagegen nur wegen ihres guten Wahlkampfes noch attraktiv sowie für jene besonders wählbar, die sich einen zweiten Bundesratssitz für die CVP wünschen. Dies tun die Jungen insgesamt aber unterdurchschnittlich.

Die Grünen werden von den Jungen vor allem gewählt, um einen Sitz für die Grünen im Bundesrat zu erlangen. Dies wollen Junge aber ebenfalls nur unterdurchschnittlich. Auch ihre dezidierte Position für eine offene Schweiz macht die Partei bei Jungen attraktiv. Der Wahlkampf der Grünen wirkt ebenfalls positiv auf die Jungen.

Die Schweizer StimmbürgerInnen unter 30 sind also nur unterdurchschnittlich mobilisiert. Wenn sie sich für eine Partei entscheiden, dann sind nicht in erster Linie themenpolitische Fragen ausschlaggebend, sondern der Wahlkampf, die Frage der Zusammensetzung des Bundesrates sowie die politische Positionierungen und Werthaltungen, für die die Parteien stehen.


Basis der Auswertungen: gfs.bern, Datenpool der Wahlbarometer-Wellen 5-7, Mittlere Befragungstage: 18.7.2007, 14.8.2007, 29.8.2007 (N = 6087)

Das Wahlbarometer wird von gfs.bern im Auftrag der SRG SSR idée suisse durchgeführt. Bis zu den Nationalratswahlen am 21. Oktober 2007 wird es insgesamt 9 Wellen des Wahlbarometers geben.

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