Gastblog von Claude Longchamp für NZZvotum, 22. 8.2007 um 12:09
Ich sehe täglich viele Statistiken. Eine, die ich letzte Woche gesehen habe, will mir nicht mehr aus dem Sinn: die Mediennutzung während Abstimmungskämpfen in der (aus)laufenden Legislaturperiode!
Die Internet-Nutzung in der politischen Kommunikation ist zwischen 2003 und 2007 gestiegen. Insgesamt ist die Entwicklung nicht rasant; nach Alterskategorien indessen schon. Bei den Menschen unter 40 Jahren hat sich die Nutzung der Internatangebote innnert vier Jahren verdreifacht. Der Anteil StimmbürgerInnen in dieser Alterskategorie, der mitstimmte und Internet als Informationsquelle verwendete, stieg von 7 auf 21 Prozent.
Das sind nicht nur punktuelle Beobachtungen. Es sind systematische Ergebnisse. Bei 10 der 11 Abstimmungswochenenden der letzten Legislatur ergab sich ein altersspezifischer Unterschied in der Internetnutzung. Die von uns regelmässig durchgeführten VOX-Analysen bestätigten das von Mal zu Mal. Und in allen Fällen waren es die jüngeren, die sich so häufiger informierten. Das gleiche Phänomen findet sich nur bei der offziellen Abstimmungsinformation. Dort hat sie aber einen anderen Grund: bei älteren Menschen tönt behördliche Information zu Abstimmungen vermehrt noch gleichlautend mit Manipulation.
Die Veränderungen in der generationsspezifischen Webnutzung auch zu politischen Zwecken bleiben nicht ohne Folgen. Es nimmt gegenwärtig auch die Nutzung politischer Informationen am Arbeitsplatz zu. Auch diese ist bei den jüngeren Menschen, die stimmen gehen, systematisch höher als bei den mittelalterlichen. Der Effekt hängt mit der Internet-Nutzung zusammen. Einzig bei den Strassenplakaten kann man, abgeschwächt, eine solche Tendenz noch erkennen. Sie sprechen jüngere tendenziell mehr an als ältere.
Ganz anders sind übrigens die Ergebnisse beim Radio. Wie beim Fernsehen. Wie bei Leserbriefen. Und wie weitgehend auch bei Zeitungen insgesamt. Hier fehlt auf den politischen Kanälen und Rubriken zunehmend der Nachwuchs. Die älteren BürgerInnen, die politisch partizipieren, halten an den alten Informationsweise fest, die jüngeren interessiert es aber nicht mehr so. Die Kluft wächst!
Ein eigentlicher Generationenwandel, der die politische Kommunikation der Gegenwart beeinflusst, wird sichtbar:
. Bei politisch aktiven, jüngeren Menschen verändert sich das Mediennutzungsverhalten schnell.
. Die Neuerungen sind weitgehend vorlagenunabhängig. Sie künden einen grösseren Umbruch in der politischen Informationsbeschaffung an.
. Internet ist jetzt im kommen. Die Individualisierung der politischen Kommunikation schreitet damit vor.
. Der Arbeitsplatz wird so insgesamt auch wieder zum Ort der politischen Informationsbeschaffung.
. Im öffentlichen Raum erlebt das Plakat ein revival. Es entspricht am ehesten den visuellen Bedürfnissen bei der Meinungsbildung.
. Die klassischen Massenmedien wiederum kennen zwar immer noch die grössten Nutzungsziffern, teilweise sinken sie aber, sie unterscheiden sich aber deutlich, wenn man die kommenden Generationen ansieht.
Welche politischen Akteure haben das schon wirklich begriffen?
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