Gastblog von Claude Longchamp auf NZZvotum, 06. 8.2007 um 15:21
Ich bin kein Wahlkämpfer, aber ein Analytiker der Szene. Ich mache das seit 1987 als Politikwissenschafter. Vor einem Jahr habe ich Bilanz gezogen. Ich wollte, in Ruhe, die Momente bestimmen, die schweizerische Wahlkämpfe entscheiden. In der Kürzestfassung sind dies:
Erstens, frühzeitig vorbereitet sein! Der Wahlkampf einer Partei muss ein Jahr vor den Wahlen stehen. Eine klare Strategie und ein erfahrenes Wahlkampfteam sind von Nöten. Denn sie bestimmt den eigenen Themenmix und den werberischen Rahmen. Im Idealfall ergibt sich beides aus der Oeffentlichkeitsarbeit der Partei seit der voran gegangenen Wahl.
Zweitens, frühzeitig Erwartungen wecken! Die kantonalen Frühlingswahlen im nationalen Wahljahr vermitteln einen Eindruck, was man erwarten kann. Es hat solche in allen Sprachregionen. Zürich ist da nicht der einzige Hinweis; er strahlt aber wegen den vielen überregionalen Medien aus und wirkt imagebildend.
Drittens, frühzeitig Durchsetzungsfähigkeit beweisen! Die letzten eidgenössischen Abstimmungen zeigt auf, wer mit der Oeffentlichen Meinung umgehen kann. Wem gelingt es, sichtbare Erfolge bei Abstimmungen in programmatische Forderungen umzumünzen, hat in den Vorbereitungen die Nase vorn.
Viertens, rechtzeitig auf die politische Grosswetterlage reagieren können! Uebergeordnete Themen, die an den Grenzen nicht halt machen, stammen aus den globalen Massenmedien oder aus der Meinungspresse des benachbarten Auslandes. Umwelt, Migration und EU sind europäisch gefärbte Issues; sie muss national aber eingefärbt werden.
Fünftens, rechtzeitig auf Kernthema zuspitzen! Ein Wahlkampf ist definitionsgemäss der zeitlich beschränkte Einsatz in der Oeffentlichkeit, um Forderungen durchzusetzen. Das setzt Weglassen von allem, das einen nicht unterscheidet voraus. Die Zuspitzung geschieht im Idealfall im zentralen Themenfeld der eigenen Programmatik.
Sechstens, im richtigen Moment bewegen! Wahlen beschränken sich nicht auf kognitive Mobilisierung alleine. Es geht auch um die emotionale Ansprache. Denn nur sie bewegt. Für eine erfolgreiche Partei reicht es nicht, den medialen Wahlkampf zu gewinnen. Sie muss auch ihr Potenzial mobilisieren können.
Uebrigens: Nicht jedes Moment ist für jede Partei gleich wichtig. Das Zusammenspiel von Vorbereitung, Zuspitzung und Bewegung ist die entscheidende Grösse. Behaupt ich mal aufgrund meiner Erfahrung. – Und was ist ihre? Ich bin gespannt …
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